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Flair vergangener Broadway-Zeiten

St Wendel. Die Höhepunkte des Broadways von den 1920ern bis in die späten 50er-Jahre standen im Mittelpunkt des Konzerts von Götz Alsmann und Band. Am Sonntag lag Musik in der Luft des St. Wendeler Saalbaus. Jennifer Sick

Den Flair vergangener Broadway-Zeiten brachte Götz Alsmann , selbsternannter König des deutschen Jazzschlagers, am Sonntag nach St. Wendel in den Saalbau. Nach seinem jüngsten Album "In Paris" hatte sich der Unterhaltungskünstler mit Buddy-Holly-Brille und Elvis-Tolle zusammen mit seiner vierköpfigen Band nach New York gewagt, um dort den Entstehungsort klassischer Musicals und unsterblicher Revueschlager zu erkunden. Was er von dort mitbringen konnte, präsentierte er im ausverkauften Saalbau mit seinem Programm "Broadway". Dabei konzentrierte sich Alsmann vor allem auf die Höhepunkte des großen Broadways von den 1920ern bis in die späten 50er Jahre. In bonbonfarbenem Sakko und schwarzer Samthose spielten er und seine Band Klassiker von George Gershwin über Cole Porter bis hin zu Jerome Kern. Doch wer erwartete hatte, einfache Kopien der berühmten Songs vorgesetzt zu bekommen, der hatte sich geirrt. "Ich verstehe gerne, was man mir vorsingt und ich möchte, dass auch mein Publikum mich versteht", erklärte der Unterhaltungskünstler. Aus diesem Grund habe er sich dafür entschieden, deutschsprachige Fassungen, die größtenteils längst in Vergessenheit geraten sind, zu singen. "Wenn man nur tief genug wühlt", so Alsmann, "kann man auch wirklich Texte gleicher Qualitätsprovenienz finden." So wurde aus "Nature Boy" "Wandersmann", die "Serenade in Blue" präsentierte sich als "Das Lied der Einsamkeit", und "Blue Moon" erklang als "Mondnacht am Meer". Dabei bewies Alsmann, wie wandlungsfähig er als Sänger ist, denn sein Repertoire reichte von lustig über nachdenklich bis hin zu tieftraurig. Manche Songs, wie "Alles passiert immer mir", eine Adaption von "Everything happens to me", waren auch alles zusammen und riefen nicht nur Lacher, sondern gleichzeitig auch Mitleidsbekundungen vonseiten des Publikums hervor.

Für zusätzliche Unterhaltung sorgte Alsmann zwischen seinen Songs. Gewohnt eloquent und voller blumiger Bilder berichtete er von seinem Aufenthalt in New York, gab Hintergrundinformationen zu der Entstehungsgeschichte einiger Songs und ihrer deutsche Textfassungen und wurde auch nicht müde, aus seinem Leben und vor allem seiner Gedankenwelt zu berichten. So beschwor er wortgewaltig noch einmal seine Jugend herauf und berichtete von dem Tag, als er seinem großen musikalischen Vorbild "Big Bobby Bingo" - ob nun erfunden oder nicht sei mal dahingestellt - begegnete oder erzählte in munterem Plauderton, wie gerne er sich die Mitglieder seiner Band immer mal wieder in der Besetzung von Alan J. Lerners berühmtem Broadway-Musical "My fair Lady" vorstelle.

Auf diese Weise sorgten Götz Alsmann und seine Band für einen abwechslungsreichen Abend, der vor allem durch seine gelungene Mischung aus Musik und Comedy das Publikum begeisterte und den Musikern am Ende viel Applaus einbrachte.