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Sondersignalfahrt
Feuerwehrleute testen den Ernstfall

Sondersignalfahrt: Manfred Rippel, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes, mit Feuerwehrfrau Anna Schneider.
Sondersignalfahrt: Manfred Rippel, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes, mit Feuerwehrfrau Anna Schneider. FOTO: Frank Faber
Homburg/St. Wendel. Sechs Einsatzkräfte der Feuerwehren trainieren derzeit an einem Fahrsimulator, der im Landkreis St. Wendel aufgestellt ist. Ziel ist es, dass die Fahrer auf Stresssituationen im Ernstfall besser vorbereitet sind. Von Frank Faber

Wenn bei Anna Schneider, der Löschbezirksführerin der Feuerwehr Bergweiler-Sotzweiler im Kreis St. Wendel, der Piepser schrillt, geht es nichts wie ab zum Auto, dann ins Feuerwehrfahrzeug und zum Einsatzort. Feuerwehrleute werden auch zu ungewöhnlichen Zeiten alarmiert, gar nachts aus dem Schlaf gerissen. Damit sie auf die Stresssituation am Steuer besser vorbereitet ist, hat Anna Schneider für den Ernstfall an einem Fahrsimulator in St. Wendel trainiert.


„Das Risiko während einer Einsatzfahrt zu verunglücken, steigt um das 17-fache mit hohen Sachschäden, um das achtfache mit schwersten Verletzungen und mit tödlichem Ausgang um das Vierfache“, erläutert Manfred Rippel aus Homburg, der Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes. Größte Probleme bei Fahrten zu Notfällen seien laut Christof Schneider, Instruktor für Fahrsicherheit, unter anderem neben dem hohen Tempo plötzlich auftretende, unvorhersehbare Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer sowie nicht gebildete Rettungsgassen und Gaffer.

Insgesamt sechs Einsatzkräfte werden vier Stunden lang von Christof Schneider in Theorie und Praxis geschult. Anna Schneider nimmt als erste Fahrschülerin hinter dem Steuer des Simulators Platz. „Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig mit den drei Bildschirmen“, sagt die Feuerwehrfrau. Der Instruktor schickt sie zum Einstieg auf eine Eingewöhnungsfahrt mit gemächlicher Geschwindigkeit. Das Gerät simuliert ihr die unterschiedlichen Verkehrsräume (Stadtverkehr, Landstraße, Bundesstraße, Autobahn), wobei der Ausbilder Stolperfallen einbauen kann, um den Stressfaktor hochzusetzen. Dann wird es ernst für sie. Notfall, Einsatz, eine Sondersignalfahrt mit Blaulicht, Martinshorn und Sprechfunk steht an. „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort eine freie Bahn zu schaffen“, merkt Rippel an.



Mit einem Tunnelblick starrt die Feuerwehrfrau auf die drei Monitore, 60 Stundenkilometer zeigt ihr der Tacho an, als sie die Vorfahrtstraße befährt. „Ich habe das als deutlich schneller empfunden“, verklärt sie hinterher. Gezielt erhöht dann Instruktor Schneider das Risiko der unter Adrenalin stehenden Testfahrerin. Ein unvorhersehbares Verhalten von anderen Verkehrsteilnehmern, bei deren Annähern und Überqueren von Kreuzungen mit verschiedenen Vorfahrtsregelungen, muss sie einschätzen. Ruck zuck wird es dunkel, der Instruktor hat auf Nachtfahrt umgeschaltet. „Wichtig ist auch neben dem Fahren die Wahrnehmung von plötzlichen Ereignissen und Gefahren“, sagt der Ausbilder. Dann sieht die Feuerwehrfrau den Einsatzort auf, die Sondersignalfahrt ist zu Ende.

Im Ernstfall müsste sie mit den Rettungsaufgaben beginnen, beim Training folgt die Videoanalyse ihres Fahrverhaltens. „Der Ausbilder hat gesagt, für das erste Mal wäre es nicht schlecht gewesen. Ich habe ja noch zwei Einsatzfahrten. Es ist gut, dass die Tücken, die man auf der Einsatzfahrt erlebt, hier mit eingebaut sind“, meint Fahrschülerin Schneider. Doch wer kommt für die Kosten auf, wenn ein Feuerwehrauto beispielsweise während einer Einsatzfahrt ein parkendes Auto schrammt oder an einem Fahrzeug den Außenspiegel abfährt? „Versicherungstechnisch wird der Einsatz von der jeweiligen Gemeinde abgedeckt“, erklärt Feuersprecher Dirk Schäfer.

Insgesamt 70 Ausbildungstage mit 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem ganzen Land werden in diesem Jahr mit dem Fahrsimulator durchgeführt. „Die Gemeinden melden bei Bedarf die Teilnehmer an“, teilt Schäfer mit.

Der Fahrtrainer wurde 2014 angeschafft, damit die Einsatzkräfte ein Gespür dafür entwickeln, was ihnen tatsächlich passieren kann. „Zwei Drittel aller Unfälle passieren auf dem Weg zum Einsatzort, das ist eindeutig zu viel und wir haben uns überlegt, was kann man dagegen tun“, so Petra Müller, die stellvertretende Geschäftsführerin der Unfallkasse Saar.

Das Programm wird getragen von den Unfallkassen Rheinland-Pfalz und Saarland sowie den Feuerwehrverbänden. Das Leihgerät steht den rettungskräften nur alle zwei Jahre zur Verfügung, dieses Mal steht es im Landkreis St. Wendel. Deshalb denkt der Landesfeuerwehrverband laut Vizepräsident Manfred Rippel über die Anschaffung eines eigenen Fahrtrainers nach. Die Kosten von etwa 350 000 Euro sollen sich auszahlen, deshalb soll dann auch neben Rettungs- und Hilfsorganisationen die Polizei davon profitieren. Nach Angabe von Rippel sei man diesbezüglich mit dem saarländischen Innenministerium im Gespräch.