| 21:04 Uhr

Bilanz
Fahnenmeer zum Abschied der Rallye

Siegerpose auf dem Toyota von Rallye-Pilot Ott Tänak (rechts) und dessen Beifahrer Martin Järveoja.
Siegerpose auf dem Toyota von Rallye-Pilot Ott Tänak (rechts) und dessen Beifahrer Martin Järveoja. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Fazit der Polizei fällt postiv aus. Alles verläuft friedlich. Insgesamt 25 000 Fans kommen zu den Veranstaltungen in St. Wendel. Von Evelyn Schneider

Während die letzten Rallye-Piloten am Sonntag auf die Strecke gehen, um die Prüfung Bosenberg zu absolvieren, warten Motorsport-Fans auf dem Schlossplatz auf ihre Idole. Viele belgische und estländische Fahnen sind auszumachen. Es braucht Muskelkraft, um diese zu schwenken. Denn von alleine wehen – Fehlanzeige. Die Sonne knallt auf St. Wendel herunter. Trotzdem drängen sich die Fans dicht an dicht um die große Leinwand und die Bühne, auf der gegen 13 Uhr die drei besten Teams gekürt werden sollen. Die Siegerehrung zum Abschluss der Rallye Deutschland mit insgesamt 18 Wertungsprüfungen lockt geschätzte 4300 Besucher an. 6500 sind es zu diesem Zeitpunkt bei der abschließenden Wertungsprüfung Bosenberg.


Plötzlich branden Jubel und Applaus auf. Dieser kommt aus dem Fanlager des Esten Ott Tänak. Dem scheinen die rheinland-pfälzischen und saarländischen Pisten zu liegen. Denn wie bereits im vergangenen Jahr sichert er sich Platz eins. Partystimmung auf dem Schlossplatz. Mit seinem Co-Piloten Martin Jarveoja grüßt Tänak die jubelnde Menge vom Dach seines Toyotas aus. Platz zwei geht an den Belgier Thierry Neuville. Statt seine Rallye-Kollegen mit der obligatorischen Sektdusche zu versehen, zieht es ihn und Co-Pilot Nicolas Gilsoul zu den Fans. Denen verpasst er eine feuchte Erfrischung mit dem Prickelwasser. Platz drei geht an den Finnen Esapekka Lappi. Bis etwa 15 Uhr wird auf dem Schlossplatz gefeiert, wenige Meter weiter, auf der Mott, sind einige der Rallye-Autos positioniert. So können Besucher den ein oder anderen Blick darauf werfen oder Fotos schießen.

Kurz darauf wird es merklich still in der Stadt. Im Handumdrehen verschwinden die Gitter, die zuvor aufgebaut waren, um Zuschauerwege zu flankieren. Die Bühne wird von fleißigen Helfer abgebaut. Jene Straßencafés, die ihre Außenbestuhlung hatten verkleinern müssen, stellen ihre Tische wieder auf. Die Menschen genießen Eis, Kaffee oder warme Speisen. St. Wendel gehört wieder den St. Wendelern.



Langsam zusammenräumen können die Beamten in der Einsatzzentrale der St. Wendeler Polizeiinspektion. Hier sind in den vergangenen Tagen während der Rallye alle Informationen und Einsätze zusammen gelaufen. An jenen drei Tagen, an denen Wertungsprüfungen im St. Wendeler Land absolviert wurden, waren insgesamt etwa 150 Polizisten im Einsatz. „Die Veranstaltung ist friedlich verlaufen, es gab keine gravierenden Unfälle“, sagt St. Wendels Polizeichef Martin Walter. Dessen Fazit somit positiv ausfällt.

Am Samstag stand zwei Mal die Wertungsprüfung Römerstraße an. Gerade beim ersten Durchgang  am Mittag kamen viele Besucher. Auch einige „forsche“ wie Walter es formuliert. Sie wollten am Zuschauerpunkt an der Landstraße zwischen Urexweiler und Remmesweiler besonders nahe ran ans Geschehen, hätten die Ansagen der Ordner ignoriert. „Darauf haben wir reagiert“, so der Polizeirat. Beim zweiten Durchgang am frühen Abend waren mehr Ordner und mehr Polizisten vor Ort. Das habe Wirkung gezeigt. Die Rallye-Fans zeigten sich einsichtig.

Eine Kuriosität, die inzwischen zum Video-Hit im Netz avanciert, hat sich bei der zweiten Wertungsprüfung in Freisen am Samstagnachmittag zugetragen. Wie Walter berichtet, hat ein verärgerter Landwirt dort die Rallye-Piloten ausgebremst, indem er die Strecke mit seinem Wagen blockierte. Außerdem fuchtelte er wild mit einer Stange umher. Der Lauf musste kurzeitig unterbrochen werden. „Glücklicherweise ist niemand in den Wagen reingefahren“, sagt Walter. „Das hätte auch böse enden können.“ Auf dem Internet-Video ist zu sehen, wie Streckenposten die Rallyepiloten warnen und ihnen per Handzeichen deuten, langsamer zu fahren.

Langsamer als gewohnt ging es auch für Autofahrer auf so mancher Landstraße voran. Neben Sperrungen wurde während der Rallyetage auch an verschiedenen Punkten das Tempo gedrosselt. Wie bereits am Donnerstag während der Eröffnungsfeier war auch am Sonntag ein Teil der Bahnhofstraße im Bereich Kreuzung Wendelinusstraße gesperrt. Auch standen Laster quer auf der Fahrbahn. Ein inzwischen normales Bild bei Großveranstaltungen in der Kreisstadt. Solche mobilen Blockaden gehören seit ein paar Jahren zum Sicherheitskonzept. „Wenn man einmal einen Standard festgelegt hat, kann man nicht davon abweichen“, sagt Walter. Zumal sich diese Variante der Blockade, was Aufwand und Kosten betreffe, absolut in Grenzen halte. Aber sie erfüllten ihren Zweck.

Gegen 17 Uhr heulen nochmal kurzzeitig Motoren auf. Die Boliden rollen langsam von der Mott und außer Hörweite. Die Rallye Deutschland 2018 ist Geschichte. St. Wendeles Bürgermeister Peter Klär (CDU) hatte sich im Vorfeld der Veranstaltung gewünscht, viele Gäste in seiner Stadt begrüßen zu können. Von 60 000 ging er aus. Geschätzt kamen zirka 25 000. Mit etwa 11 000 verfolgten die meisten Zuschauer am Donnerstagabend den Lauf im Wendelinuspark, etwa 3000 verfolgten die Eröffnung auf dem Schlossplatz. Von den 226 000 Zuschauern insgesamt, waren es auf saarländischer Seite 137 000. Hier wurden acht der 18 Wertungsprüfungen gestartet.

Belgische Fans feiern Platz zwei auf dem Schlossplatz.
Belgische Fans feiern Platz zwei auf dem Schlossplatz. FOTO: B&K / Bonenberger/
Einige der Fahrzeuge parken am Sonnatg kurzzeitig auf der Mott.
Einige der Fahrzeuge parken am Sonnatg kurzzeitig auf der Mott. FOTO: B&K / Bonenberger/
Kaum ist die Siegerehrung samt anschließender kurzer Party vorüber, wird flugs auf dem Schlossplatz aufgeräumt.
Kaum ist die Siegerehrung samt anschließender kurzer Party vorüber, wird flugs auf dem Schlossplatz aufgeräumt. FOTO: Evelyn Schneider
Ein Laster steht quer auf der Fahrbahn der Bahnhofstraße und fungiert so als mobile Sicherheits-Blockade.
Ein Laster steht quer auf der Fahrbahn der Bahnhofstraße und fungiert so als mobile Sicherheits-Blockade. FOTO: Frank Faber