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Buch aus Kindertagen
Es waren einmal die Gebrüder Grimm

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Von Thorsten Grim

Mit den drei Fragezeichen jagte ich Verbrecher. Perry Rhodan nahm mich mit ins Weltall und mit Jules Verne tauchte ich 20 000 Meilen unter das Meer, reiste in 80 Tagen um die Welt und zum Mittelpunkt der Erde. Als Kind und Jugendlicher war ich eine wahre Leseratte, die abends mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lag, nur um noch ein Kapitel lesen zu können. Und noch eines und noch eines. Die heute noch anhaltende Liebe zum geschrieben Wort vermittelte mir meine Großmutter. Regelmäßig in den Ferien kam Oma Anna uns für ein paar Tage besuchen, unterstützte meine berufstätige Mutter  im Haushalt und kümmerte sich um mich und meine ältere Schwester. Ein festes Ritual in diesen Tagen war das Vorlesen. Dazu gehörten die drei K: Kakao, Kekse, Kuscheldecke. Und dann die Gesamtausgabe von Grimms Märchen. Eines durften wir auswählen, das Oma dann vorgelesen hat, während wir es uns auf der Couch gemütlich machten. Durfte ich aussuchen, war „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ erste Wahl. Es war das mit Abstand längste Märchen, und ich konnte Oma endlos zuhören, wenn sie vorlas. Was gäbe ich drum, noch einmal einen Tag mit den drei K’s, Oma und den Märchen der Gebrüder erleben zu dürfen.