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Ernte-Bilanz
Bauern im Kreis wünschen sich Regen

Weizenähre auf einem Feld bei St.Wendel.
Weizenähre auf einem Feld bei St.Wendel. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Diesen Sonntag, 7. Oktober, wird Erntedank gefeiert. Das nahm die SZ zum Anlass, um mit dem Vorsitzenden der Kreisbauern Bilanz in Sachen Ernte 2018 zu ziehen. Von Melanie Mai

„Von extremsten Ausfällen wurden wir im Landkreis St. Wendel verschont“, fasst Peter Scherer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, die aktuelle Ernte zusammen. Während es vor allem im Norden und Osten Deutschlands enorme Verluste gab, „sind wir hier mit einem blauen Auge davon gekommen“. Das Ergebnis der Getreideernte komme knapp an das der vergangenen Jahre heran, während bundesweit Landwirte Ernteausfälle von bis zu 30 Prozent beklagten. Das St. Wendeler Land habe von den heftigen Gewittern im Mai und Juni profitiert.  „Das war das einzige Wasser, das kam“, so Scherer. Danach wurde es trocken.


Den ersten und zweiten Gras-Schnitt fuhren die Landwirte noch ein, dann stellten die Wiesen das Wachstum ein. „Ab Juni ging nichts mehr“, so Scherer. Drei Monate regnete es so gut wie gar nicht. Er und seine Kollegen hofften, möglicherweise im Oktober noch einmal Gras mähen zu können. Aber „danach sieht es im Moment nicht aus“. Scherer geht davon aus, dass sich bei dem ein oder anderen Landwirt Futterlücken auftun, sodass sie Futter zukaufen müssen. Viele würden auch die Ackerflächen noch in diesem Herbst neu säen, damit im April frisches Gras abgeerntet werden kann. Hinzu komme, dass hinter der Qualität der Maissilage noch ein Fragezeichen stehe. Scherer erklärt, dass die Maispflanzen beim Häckseln ziemlich trocken waren. Der Mais habe sich im Silo nicht so gut verdichten lassen. „Einige Berufskollegen hatten beim Walzen den Eindruck, sie würden auf Popcorn fahren.“

Die anhaltende Hitze sorgte auch dafür, dass sich die Landwirte sputen mussten. Kaum war das Heu eingefahren, war bereits das Getreide reif. Üblicherweise beginnt der Drusch der Wintergerste Anfang bis Mitte Juli. In diesem Jahr waren die Landwirte früher dran. Bereits Anfang August war die Getreideernte fast vollständig abgeschlossen.



Aber Scherer kann dem Hitze-Sommer auch etwas Positives abgewinnen: „Die Ernte verlief sehr stressfrei.“ Und er fügt hinzu: „Wir konnten durchernten.“ Unterbrechungen wegen Regens gab es nicht. Und die Früchte waren schnell hintereinander reif: „In ein paar Tagen waren wir durch.“

Gelassen konnten die Landwirte auch die Strohernte angehen. Die Strohballen trockneten schnell und gut, die Bauern hatten nicht mit Restfeuchte zu kämpfen. Daher bildete sich auch kein Schimmel.

Positiv am Rekordsommer 2018 war auch die Obsternte. Äpfel, Birnen und jetzt auch Nüsse: Die Bäume hängen voll. „So mancher Ast eines Apfelbaums ist unter der Last zusammengebrochen“, so Scherer. Und auch in Sachen Kartoffeln meldet er Positives: „Kartoffeln gibt es nicht so reichlich, dafür sind sie von sehr guter Qualität.“

Die Milchviehbetriebe profitierten von den guten Milchpreisen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als der Milchpreis im Keller war, habe sich die Situation entspannt. „Im Winter war der Milchpreis bei fast 40 Cent je Liter, jetzt liegt er bei etwa 32 Cent“, so Scherer.

Grundsätzlich ist Scherer mit dem Erntejahr zufrieden, auch wenn er sagt: „Der Sommer hätte feuchter sein können.“ Denn die Auswirkungen sind jetzt noch zu spüren. Dieser Tage stehe schon wieder der Aussaattermin für Getreide an. Und die Arbeiten dafür erforderten einen sehr hohen Kraftaufwand: „So trocken wie derzeit waren die Böden seit Jahrzehnten nicht mehr.“ Daher haben er und seine Kollegen jetzt einen großen Wunsch: „Wir hoffen, dass es regnet.“

Ein Bauer erntet auf seinem Feld das Getreide.
Ein Bauer erntet auf seinem Feld das Getreide. FOTO: B&K / Bonenberger/