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Rallye
Er hält den Lenker in der Hand

Dieter Martin mit Fahne in seinem Hobbyraum im Keller. Dort sieht es aus, wie in einem Rennfahrer-Museum.
Dieter Martin mit Fahne in seinem Hobbyraum im Keller. Dort sieht es aus, wie in einem Rennfahrer-Museum. FOTO: Bonenberger/ / B&K
Hoof. Dieter Martin aus Hoof kümmert sich bei der Saarland-Pfalz-Rallye als ADAC-Organisationsleiter darum, dass alles zusammenpasst.

Sein Kellerraum „Pistenklause“ im St. Wendeler Stadtteil Hoof quillt über vor Lorbeerkränzen, Trophäen, Plakaten, Plaketten und Andenken aus seiner Zeit von zwei Jahrzehnten als Rennfahrer. An diesem Wochenende gibt Dieter Martin wieder Vollgas. Wie in den Jahren zuvor ist der 62-Jährige während der Saarland-Pfalz-Rallye als ADAC-Organisationsleiter auf dem Schlossplatz im Einsatz. „Im Orgateam arbeiten wir Hand in Hand, sodass am Ende der Erfolg rauskommt, den wir haben wollen“, steht Teamwork für Orgaleiter Martin im Mittelpunkt. In Personalunion ist der geschäftsführende Gesellschafter einer Firma für Baumaschinen Verbindungsmann zwischen dem ADAC, der Stadt St. Wendel, der Gemeinde Freisen sowie den Sponsoren und dabei zuständig für alles. Wie die Rallyepiloten beim Auftaktrennen zur Deutschen Meisterschaft ticken, weiß der 62-Jährige nur zu gut. „Bis auf die Formel I und II habe ich alles unter die Räder genommen“, berichtet Martin und belegt jede vergnügliche Anekdote mit einem Foto oder einer Urkunde.


Ohne Wissen seiner Eltern saß der gebürtige Oberkirchener bereits im Alter von 15 Jahren auf dem Co-Pilotensitz in einem Rallyeauto. Früh sei ihm klar geworden, dass er kein Lokomotivführer, sondern Rennfahrer werden wolle. Damals war der frühere Sportleiter des Motorsportclubs (MSC) Mithras Schwarzerden, Karl-Heinz Finkler, auf der Suche nach einem Beifahrer für die Ford-Modelle Escort und Capri – und Martin sofort zur Stelle. Mit einem Mini Cooper und Opel Kadett ist er später selbst Bergslaloms und Bergrennen gefahren. „Wenn du das Auto am Berg nicht rauswirfst, dann bezahlt der Club dir ein Rundstreckenrennen“, hat ihn Sportleiter Finkler zusätzlich motiviert. Im VW Golf GTI mischte Martin mit Beifahrer Adolf Neumann, dem ehemaligen Direktor der Schwarzerdener Industriewerke Saar (IWS), in der Deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) mit. Pech. Kurz vor der Rallye Monte Carlo erkrankte der Gebetbuchleser Neumann und hat aufhören müssen. „Ich bin dann aus dem Rallyeauto aus- und ins Formelauto eingestiegen“, sagt Martin. Sein Flitzer war ein March 79 Super V. Mit einem Ford Escort Turbo ist er Rundstreckenrennen und hinter dem Lenkrad eines Ford Sierra Cosworth 24-Stundenrennen gefahren. Da er von der Rennsportszene nicht loslassen wollte, beschloss er, es nach der mehr als 20-jährigen aktiven Motorsportlaufbahn etwas ruhiger angehen zu lassen und Rennleiter zu werden. „Ich habe beim ADAC einen Lehrgang mit Prüfung zum Rennleiter abgeschlossen“, sagt Martin. In den 80er-Jahren wirkte er als ADAC-Jugendbeauftragter und hat den Kartsport im Saarland angestoßen. Am Nürburgring ist er in der Funktion des stellvertretenden Rennleiters bei Tourenwagenrennen im Einsatz gewesen. „Den Rennsport lebe ich noch heute“, betont Martin, der auch den jährlichen Weiselberg-Automobil-Slalom in Oberkirchen mitorganisiert. Am Wochenende werden Orgaleiter Martin und seine Mitstreiter auf ihre Art Leistungssport betreiben, um den Piloten und Rallyefans ein Spektakel bei der rasenden Fahrt durch die St. Wendeler Innenstadt zu ermöglichen. „Die Sicherheit auf der Strecke und für die Zuschauer steht dabei für uns im Vordergrund“, erklärt er. Der heutige Rallyesport habe sich um Lichtjahre von dem seiner aktiven Zeit entfernt. „Die Technik ist weitaus höher, die Autos viel schneller, und die Medien stellen den Rallyesport ganz anders dar“, sagt Martin. Dazu hätten sich die verschiedenen Rennstrecken immer mehr anpassen und weiterentwickeln müssen. So auch der Rundkurs in der Kreisstadt. Orgaleiter Martin weiß, was neben den beiden sportlichen Wertungsprüfungen (Freitag, 19.30 Uhr, und Samstag, 17 Uhr) noch wichtig ist: „Ohne die Anlieger geht doch nichts. Wenn etwas sein sollte, sind wir sofort da.“ Alles, was er und sein Team zu hören bekommt, werde aufgenommen, um die Veranstaltung zu verbessern, versichert Martin.

In den 80er-Jahren steuerte Dieter Martin den Formel March 79 Super V über die Strecke.
In den 80er-Jahren steuerte Dieter Martin den Formel March 79 Super V über die Strecke. FOTO: Bonenberger/ / B&K