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Volleyball
Eine volle Hütte, aber kein Sieg

Steve Weber hat angezogen und schmettert den Ball übers Netz. Doch nur selten konnten die Bliesener ihr Angriffsspiel so schön durchziehen.
Steve Weber hat angezogen und schmettert den Ball übers Netz. Doch nur selten konnten die Bliesener ihr Angriffsspiel so schön durchziehen. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
St. Wendel. Noch einmal war das Sportzentrum St. Wendel rappelvoll. Obwohl die Partie sportlich bedeutungslos war, kamen 600 Anhänger zum Saisonfinale des Volleyball-Drittligisten TV Bliesen gegen Waldgirmes. Sie sahen eine 1:3-Niederlage. Von Philipp Semmler

Gerd Rauch, der Trainer des TV Bliesen, war am Samstagabend sichtlich unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Als der Volleyball-Drittligist im letzten Saisonspiel im dritten Satz gegen den TV Waldgirmes mit 6:7 zurücklag, nahm der 51-Jährige eine Auszeit. Wild gestikulierend versuchte er, seine Akteure besser auf den Gegner einzustellen. Doch Bliesen spielte auch danach nicht wirklich stärker. „Wacht endlich auf!“, schrie der Trainer wenig später, als den Gästen ein einfacher Punktgewinn durch die Mitte gelang.


Sportlich ging es in der Partie nur noch um die berühmt-berüchtigte Goldene Ananas, dennoch ärgerte sich Rauch. „Wir wollten uns unbedingt mit einem Sieg von unserem Publikum verabschieden“, sagte der 51-Jährige. Die Fans waren auch gegen Waldgirmes noch einmal zahlreich ins Sportzentrum St. Wendel gekommen. 600 Besucher sorgten dafür, dass die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Mit dem anvisierten Sieg wurde es am Ende aber nichts: Bliesen verlor mit 1:3 (28:26, 18:25, 21:25, 19:25) gegen den Tabellen-Vierten – und fiel dadurch in der Tabelle noch vom fünften auf den siebten Platz zurück. Der bereits vorher feststehende Klassenverbleib geriet dadurch aber nicht mehr in Gefahr.



„Wir haben schlecht abgewehrt und einige Fehler im Angriff gemacht, die nicht unbedingt hätten sein müssen“, analysierte Rauch das 1:3 im Saisonfinale. „Wir ärgern uns über die Niederlage, aber davon geht die Welt nicht unter. Insgesamt haben wir doch eine gute Saison gespielt“, so der Übungsleiter weiter.

Ein Sieg schien zunächst auch gegen Waldgirmes möglich. Bliesen wehrte im ersten Durchgang drei Satzbälle ab und gewann noch mit 28:26. Doch dann trumpften die Gäste auf: Der zweite Satz ging klar mit 25:18 an die Hessen. Im vorentscheidenden dritten Satz gab es dann Ärger über eine umstrittene Schiedsrichter-Entscheidung in einer entscheidenden Phase.

Beim Stand von 23:21 für Waldgirmes trat ein Gäste-Akteur über, danach berührte ein Bliesener Spieler das Netz. Da der Regelverstoß von Waldgirmes zuerst vorlag, hätte es eigentlich einen Punkt für Bliesen geben müssen. Doch der Unparteiische wollte den Punkt wiederholen lassen, da er ein Vergehen beider Teams sah. Bliesen protestierte – und handelte sich eine im Volleyball eher seltene Verwarnung ein. Zuspieler Lukas Scholtes sah die gelbe Karte, Trainer Rauch wenig später sogar die rote. Das konnte der 51-Jährige nur schwer nachvollziehen. „Ich habe mich beschwert. Sicher lautstark und gestenreich, aber ich habe keine Schimpfwörter benutzt“, sagte der Übungsleiter.

Im Gegensatz zu anderen Sportarten bedeutet „Rot“ beim Volleyball aber keinen Feldverweis. Stattdessen gibt es einen Punkt für den Gegner. So hieß es 24:21 für Waldgirmes – und den anschließenden Satzball nutzte der Tabellen-Vierte. Die Hessen lagen nun mit 2:1 Sätzen vorne. Auch im vierten Satz waren die Gäste einen Tick besser. Der ging mit 25:19 an Waldgirmes.

„Es war ein wenig enttäuschend, das letzte Spiel zu verlieren. Aber Waldgirmes war eine starke Mannschaft“, meinte Bliesens Amerikaner Connor Lammey. Der Mittelblocker wird den Verein nun – ebenso wie sein englischer Teamkollege Tobias French – verlassen. Wohin beide wechseln, ist noch offen.

„Ich werde schauen, welche Angebote ich habe und dann entscheiden, ob ich in Europa bleibe oder in die USA zurückkehre“, sagte der aus der Nähe von Philadelphia stammende Lammey. Ein attraktives Angebot könnte für den 22-Jährigen dabei sogar aus der ersten deutschen Liga kommen: Der Mittelblocker ist von Bundesligist TSV Herrsching zu einem Probetraining eingeladen worden. Die Bayern sind derzeit Sechster in der 1. Liga.