| 20:35 Uhr

Kinderbetreuung
Ein Schmuseraum und Waffelduft

Mmmh! Waffeln ohne Zucker – aber mit Äpfeln. Die Kinder genießen das Mittagessen.
Mmmh! Waffeln ohne Zucker – aber mit Äpfeln. Die Kinder genießen das Mittagessen. FOTO: Bonenberger/ / B&K
St. Wendel. In Alsfassen hat die erste Großtagespflegestelle für Kinder im Landkreis St. Wendel eröffnet. Zehn Plätze stehen zur Verfügung. Von Melanie Mai

Der Duft von frischen Waffeln kommt jedem entgegen, der an diesem Morgen den „Kindersonnenwinkel“ in Alsfassen betritt. Eine behagliche Atmosphäre ist sofort zu spüren. In dem großen Spielzimmer dominieren warme, bunte Farben. Aus hellem Holz ist eine Mini-Eckbank für die Kleinen aufgebaut, blau-bunte Stoffdächer, die an Zirkus erinnern, fallen sofort auf. Kissen auf der einen, ein Kaufladen auf der anderen Seite animieren zum Spielen und Toben. Noch ist alles neu in der ersten Großtagespflegestelle im Landkreis St. Wendel. Denn erst zum 1. Januar haben die drei Tagesmütter Janine Klink, Andrea Brüll und Birgit Zender dort angefangen.



An diesem Morgen ist Landrat Udo Recktenwald (CDU) zu Besuch. Er hat 1000 Euro mitgebracht. Schließlich mussten die drei Frauen einen fünfstelligen Betrag investieren, um  es für die Kinder gemütlich zu machen. Dabei lobt  Andrea Brüll ganz besonders die Ehemänner: „Sie haben jeden Samstag hier gewerkelt, ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Vera Meyer, die Leiterin des Jugendamtes im Landkreis St. Wendel, ist begeistert: „Es ist sehr liebevoll eingerichtet.“

Neben dem Spielbereich im Erdgeschoss gibt es im oberen Stockwerk einen Schmuseraum mit einer großen Matratze. „Hier machen wir mit den Kindern Meditation mit Klangschalen, damit sie zur Ruhe kommen“, sagt Janine Klink. Gleich nebenan ist das Musikzimmer. Einmal pro Woche wird musiziert.  Rasseln, Trommeln, bunte Glöckchen, Gitarre und  Melodica liegen bereit. „Andrea und ich lernen gerade Gitarre, damit wir gemeinsam mit den Kindern Musik machen können“, erzählt Janine Klink.

Auch ans Schlafen ist gedacht. Schließlich brauchen die bis Dreijährigen noch ihren Mittagsschlaf. Sieben blaue Bettchen stehen bereit. Derzeit sind sieben Jungen und Mädchen aus den Landkreisen St. Wendel und Neunkirchen im Kindersonnenwinkel untergebracht; es gibt weitere Anmeldungen. „Bis Sommer sind wir ausgebucht“, sagt Klink. Ausgerichtet ist die Großtagespflegestelle für zehn Kinder.

Kernzeiten sind Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr. Aber die drei Frauen lassen mit sich reden. „Nach Absprache sind auch andere Zeiten möglich“, weiß Britta Groß vom Jugendamt.  Das freut Vera Meyer. Sie betont, wie wichtig es sei, den „Randzeitenbereich auszubauen“. Früher am Morgen, später am Abend oder auch an Wochenenden oder in den Ferien. Ferien gibt es in der Großtagespflegestelle auch. Kling spricht von 25 Schließtagen im Jahr.

Anders  als in Kindertageseinrichtungen, können hier die Eltern selbst festlegen, für wieviele Stunden sie die Betreuung benötigen – und dann auch nur die Zeit bezahlen, die sie in Anspruch genommen haben. Denn es wird nach Stunden abgerechnet. Das Jugendamt zahlt vier Euro pro Stunde und Kind an den Kindersonnenwinkel. „Das ist deutlich zu wenig“, weiß Recktenwald. Für Eltern ist das gut. Sie zahlen bei einer Inanspruchnahme von 40 Stunden pro Woche  maximal 350 Euro im Monat. Maximal deshalb, weil das Jugendamt je nach Einkommensverhältnissen Zuschüsse gewährt.

Schon lange habe man im Landkreis mit einer Großtagespflegestelle geliebäugelt, gesteht Meyer. Bisher gebe es eine solche Stelle im Saarland lediglich im Regionalverband.  „Sie ist ein Gewinn für uns“, sagt Meyer. Und  fügt hinzu: „Das ist eine gute Ergänzung zu unserem bestehenden Angebot.“ Denn die Nachfrage sowohl nach Krippen- als auch nach Kindergartenplätzen sei ungebrochen. Zwar gebe es beispielsweise in Freisen noch freie Kita-Plätze. „Aber das will ich Familien aus St. Wendel nicht zumuten“, spricht Recktenwald die Fahrzeit an. Noch ein Unterschied zu regulären Kitas: Im Kindersonnenwinkel wird noch selbst gekocht. An diesem Tag gibt es Kartoffelsuppe und frische Waffeln. Was für den angenehmen Duft im ganzen Haus sorgt.

Landrat Udo Recktenwald (rechts) besucht die Kinder in Alsfassen. Mit dabei sind auch die Tagesmütter Janine Klink, Birgit Zender und Andrea Brühl.
Landrat Udo Recktenwald (rechts) besucht die Kinder in Alsfassen. Mit dabei sind auch die Tagesmütter Janine Klink, Birgit Zender und Andrea Brühl. FOTO: Bonenberger/ / B&K
Die kleine Emilia löffelt ihre Kartoffelsuppe.
Die kleine Emilia löffelt ihre Kartoffelsuppe. FOTO: Bonenberger/ / B&K