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Düstere Wolken über heiligem Berg

Es sieht düster aus für das Arnold-Janssen-Gymnasium hoch über der Kreisstadt. Finanzielle Sorgen und allgemein schwindende Schülerzahlen lassen die 1899 gegründete Schule zum Auslaufmodell werden. Leserfoto: Werner Ring
Es sieht düster aus für das Arnold-Janssen-Gymnasium hoch über der Kreisstadt. Finanzielle Sorgen und allgemein schwindende Schülerzahlen lassen die 1899 gegründete Schule zum Auslaufmodell werden. Leserfoto: Werner Ring
St Wendel. Der Entschluss steht: Die 1899 eröffnete Traditionschule in St. Wendel wird zum Schuljahr 2016/17 keine neuen Schüler aufnehmen. Wie es dazu kommen konnte, schildern Verantwortliche des Trägerordens, Schulleiter, Vereinsvertreter. Matthias Zimmermann

Das Ende auf Raten der katholischen Privatschule in der Kreisstadt ist beschlossene Sache. Und dies hat jede Menge Reaktionen und Aktionen ausgelöst.

Schon vor öffentlicher Bekanntgabe der Schließung hatte es sogar Gespräche auf saarländischer Regierungsebene gegeben, ob und wie es mit dem St. Wendeler Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) weitergehen könnte. An diesen Konsultationen war auch Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) beteiligt. Entsprechende SZ-Informationen bestätigte am Dienstag Jürgen Renner. Der Pressesprecher im Saarbrücker Bildungsministerium: "Dazu trafen sich Schulvertreter mit ihr und Bildungsminister Ulrich Commerçon in der Staatskanzlei." Was mit der Regierungschefin und dem SPD-Politiker besprochen worden ist, darüber schwieg Renner. Nur so viel: "Derzeit führen wir Gespräche mit Vertretern des Schulträgers und des Landkreises St. Wendel . Die Gespräche sind also noch nicht abgeschlossen."

Dabei dürften zwei Aspekte vordringlich sein: Wie wird geordneter Unterricht bis zum endgültigen Aus am AJG gewährleistet? Und was passiert mit dem Lehrerkollegium? Nach Angaben von AJG-Rektor Pater Fabian Conrad sind aktuell 36 Pädagogen an dem katholischen Traditionshaus beschäftigt. Conrad: "Zwölf beamtet und 24 angestellt." Während sich die Lehrer im Beamtenstatus wegen ihrer hohen Kündigungsschwelle wenig Sorgen um Arbeitsplatzverlust machen müssten, trifft die angestellten Kollegen der Schulschließungsbeschluss wohl empfindlicher. Deshlab soll auch deren Zukunft Gegenstand der Verhandlungen mit staatlichen Stellen sein.

Was die Gymnasiasten an der 1899 von Patern des Ordens Steyler Missionare gegründeten Schule betrifft, gibt es laut Schulleiter Rainer Bommer ebenfalls Pläne. Zum einen: "Wir werden nach dieser endgültigen Entscheidung mit allen Klassen sprechen." Darüber hinaus sollen die Schüler und ihre Eltern in die weiteren Entscheidungen eingebunden werden. Denn auch nach der Ankündigung, im nächsten Schuljahr keine Fünftklässler mehr aufzunehmen, was das schrittweise Ende des Gymnasiums bedeutet, unterstrich Bommer: "Es geht weiter." Aber das auch nur noch einige wenige Jahre. Nach dem, was sich bislang abzeichnet, maximal fünf. "Darüber werden wir von Jahr zu Jahr neu nachdenken", kündigt der Schulleiter an. Denn für den gesamten verbleibenden Zeitraum eine Vereinbarung zu treffen, sei seiner Ansicht nach nicht möglich. Das komme zum Beispiel darauf an, ob Schüler und Lehrer in dieser Zeit zu einem anderen Ausbildungsort wechseln und damit ein ordentlicher Schulbetrieb gefährdet wird.

Dass es jetzt überhaupt so weit kommen musste, habe an gleich mehreren Faktoren gelegen, wie Ralf Huning während einer Pressekonferenz in dem alten Schulbau erläuterte. Der Provinzial (Vorsteher einer Ordensprovinz) der Steyler Missionare: "Die Entscheidung, keine Schüler mehr aufzunehmen, kam nicht über Nacht." Aber nach "zwölf Jahren intensiver Suche", nach einem neuen Schulträger, die erfolglos endete, "wollen wir keine falschen Versprechungen machen". Bedeutet: das AJG nicht einfach ohne gesichertes Finanzpolster aufrecht erhalten. Der bisherige Träger, der Orden der Steyler Missionare, sehe sich nicht mehr im Stande, das Defizit dauerhaft zu tragen.

Von erfolgloser Sponsorensuche sprach denn auch Bernd Stenger. Der Vorsitzende des AJG-Schulträgervereins, in dessen Verantwortung der Schulbetrieb übergehen sollte: "Wir müssten jährlich einen sechsstelligen Betrag haben." Aber entsprechende Geldgeber, die diesen Zuschuss mehrere Jahre zusichern, gebe es nicht. Sein Kollege Andreas Neumeier als Vertreter der Mitgliedsunternehmen im Verein konkretisierte: "Fünf Jahre bräuchten wir recht sichere Mittel. Aber das haben wir nicht." Viele hätten Interesse gezeigt, das habe nicht ausgereicht. Um Sicherheit in der verbleibenden Zeit bis zum endgültigen Aus geht es Rektor Pater Fabian Conrad. Er wirkte während der Pressekonferenz sehr getroffen von dem Entschluss, aber sicherte zu: "Wir werden jetzt mit dem Wendalinum reden." Mit dem staatlichen Gymnasium in St. Wendel gebe es "hervorragende Verbindungen", um zu kooperieren. > : weiterer Bericht


Während der Pressekonferenz zur AJG-Schließung (von links): Andreas Neumeier als Vertreter der Mitgliedsunternehmen im Schulträgerverein, Vereinschef Bernd Stenger, Rektor Pater Fabian Conrad, Pater Ralf Huning als Provinzial der Steyler Missionare sowie Schulleiter Rainer Bommer. Foto: B & K
Während der Pressekonferenz zur AJG-Schließung (von links): Andreas Neumeier als Vertreter der Mitgliedsunternehmen im Schulträgerverein, Vereinschef Bernd Stenger, Rektor Pater Fabian Conrad, Pater Ralf Huning als Provinzial der Steyler Missionare sowie Schulleiter Rainer Bommer. Foto: B & K FOTO: B & K