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Ostertalbahn
Mit dem Museumszug zum Ostermarkt

Endstation: Nach einer gemütlichen Fahrt steigen die Fahrgäste in Schwarzerden aus.
Endstation: Nach einer gemütlichen Fahrt steigen die Fahrgäste in Schwarzerden aus. FOTO: Frank Faber
Ottweiler/Osterbrücken. Die Ostertalbahn pendelte zum Saisonstart zwischen Ottweiler und Schwarzerden hin und her. Von Frank Faber

Ein lautes Tuten schallt an Karsamstag durch Niederkirchen. Um 11.44 Uhr geht die Lokomotive der Ostertalbahn in die Eisen und stoppt am ehemaligen Bahnhof. Neun Fahrgäste steigen zu, der Museumszug pendelt zum Saisonstart wieder zwischen Ottweiler und Schwarzerden hin und her.


„Für die erste Fahrt sind wir gut ausgelastet“, sagt Jürgen Mühlhoff, früherer Geschäftsführer des Arbeitskreises Ostertalbahn. Gemütlich rollt der mehr als 50 Jahre alte Zug über den handgesicherten Bahnübergang in Niederkirchen und weiter mit Tempo 25 entlang der gemütlich vor sich hinfließenden Oster. „Links und rechts ist die Strecke freigeschnitten worden, ein paar Bäume mussten noch weggeräumt werden. Insgesamt 300 Arbeitsstunden haben wir hinter uns“, berichtet Mühlhoff.

Eine Seniorin bemerkt, dass sich über ihrem Platz auf der rustikalen Holzbank keine Gepäckablage im Waggon befindet. „Da wurde ich als kleines Kind immer reingelegt, wenn der Zug voll war“, erinnert sie sich. Beim Halt in Osterbrücken verlassen viele Fahrgäste den Zug und bummeln zum Ostermarkt. „Die eine Hälfte besucht den Markt, die weiteren Fahrgäste machen die große Runde mit“, weiß Mühlhoff. Mittlerweile hat der 72-Jährige die Geschäftsführung an Friedel Schepper übergeben, aber dem Arbeitskreis Ostertalbahn steht er weiter mit Rat und Tat zur Seite. „Ich habe das 18 Jahre lang gemacht, jetzt muss der Nachwuchs ran“, sagt Mühlhoff.

Gleichzeitig haben Fotografen vor dem Viadukt in Haupersweiler
Stellung bezogen und warten neben Kamerastativen darauf, dass die Bahn über die Talbrücke tuckert, um den Auslöser für den Schnappschuss des Postkartenmotivs zu drücken. Eine Herde Rehe lässt sich beim Grasen auf der Wiese hinter Haupersweiler vom rumpelnden Geräusch auf dem Gleis nicht den Appetit verderben.

Am Bahnhof Oberkirchen Süd steigen zwei Wanderer aus. „Oberkirchen hatte früher drei Bahnhöfe: Nord, Süd und Reitscheid, auf der Gemarkung Oberkirchen“, erklärt Mühlhoff.



Gut gelaunte Spaziergänger winken auf dem weiteren Weg den aus dem Fenster blickenden Fahrgästen zu. Da die Bäume noch nicht belaubt sind, kann man die Angler am Weiher in Schwarzerden sehen. Am Ortseingang von Schwarzerden bremst der Zug ab, durch ein offenes Küchenfenster ist eine Hausfrau beim Kochen zu beobachten. Mittagspause dann auch für die zehn Hobbyeisenbahner.

Um 12.10 Uhr kommt die Ostertalbahn an der Endstation zum Stehen. Nach der Pause geht es dann wieder die 21 Kilometer zurück nach Ottweiler. „Wo können wir die Fahrkarten lösen?“, fragt ein neuer Fahrgast. Im Zug, so Mühlhoff, er habe freie Platzwahl. „Auch wenn Erste Klasse dransteht, kostet es nicht mehr“, ergänzt er.

Philipp Schepper kommt ins Abteil und verteilt Ostereier an die Mitfahrer. Das an der Strecke gelegene Dörfchen Osterbrücken ist durch seinen Namen geradezu dafür prädestiniert, einen Ostermarkt zu organisieren. 150 Menschen verlassen bei der zweiten Rundfahrt gegen 15.23 Uhr den Museumszug und besuchen die bereits 18. Ausgabe.

Der Markt auf dem Dorfplatz war morgens mit einer ökumenischen Zeltandacht eröffnet worden. „Mit den externen Ausstellern haben wir 23 Angebote“, erklärt Ortsvorsteher Thomas Krampe (SPD). Selbstgebastelte Trommeln, Traumfänger und Lichterketten bietet der Awo-Ortsverein Ostertal an. „Das Sortiment haben wir mit 16 Kindern im Mehrgenerationen-Workshop hergestellt. Der Erlös ist für die Jugendarbeit bestimmt“, sagt die Vorsitzende Ursel Uhl.

Zusammen mit dem Verein Dorfgemeinschaft hat der Ortsrat sich ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm einfallen lassen. Kinderzauberer „Enzo Lorenzo“ präsentiert seine Bauchrednershow, später übernimmt die Band Makademia die musikalische Unterhaltung. Auf dem Dorfplatz wird noch gefeiert und regionale Erzeugnisse werden eingekauft, als die Eisenbahner den Museumszug auf Gleis 1 in Schwarzerden abstellen. Am Ostermontag waren sie dann wieder im Dienst und haben Personen befördert. Am 1. Mai steht die nächste Fahrt mit dem Museumszug an.

Weitere Informationen im Internet:

Gut besucht war der 18. Ostermarkt auf dem Dorfplatz des an der Strecke gelegenen Ortes Osterbrücken.
Gut besucht war der 18. Ostermarkt auf dem Dorfplatz des an der Strecke gelegenen Ortes Osterbrücken. FOTO: Frank Faber
Auf dem Markt in Osterbrücken bietet der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Ostertal Dekorationsartikel an.
Auf dem Markt in Osterbrücken bietet der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Ostertal Dekorationsartikel an. FOTO: Frank Faber