| 20:43 Uhr

Konzert
Die Urgesteine des Bigbandsounds

Dietmar Federkeil (rechts) galoppiert zu „A Town with-
out pity“ über die Bühne.
Dietmar Federkeil (rechts) galoppiert zu „A Town with- out pity“ über die Bühne. FOTO: Carmen Gerecht
St. Wendel. Die Idee zündet: Die „James HerbBert Band“ erfreut im St. Wendeler Saalbau knapp 500 Musikfans mit Hits wie „Happy Music“, „Strangers in the Night“ und „Spanish Eyes“. Von Carmen Gerecht

„Niemals hätte ich gedacht, dass der Saalbau voll wird und die Idee so zündet. Das ist also nicht Schnee von gestern“, freut sich Dietmar Federkeil über den gewaltigen Applaus des Publikums. Die Idee: ein Konzert zu geben nur mit Liedern von den Urgesteinen des Bigbandsounds – James Last, Herb Albert und Bert Kämpfert. So erfreuten sich am Freitagabend knapp 500 Musikfans an alten Hits wie „Happy Music“, „Strangers in the Night“ und „Spanish Eyes“. Das kommt beim Publikum an, wie Franz Josef Marx aus Urweiler bestätigt.


Der Abend gehört der „Musik aus einer Zeit, als Musik noch Musik war mit schönen Melodien und Arrangements“, stimmt Moderator Martin Mathias das Publikum, das aus Jung und Alt besteht, ein. Als die Band in ihren quietschbunten Hemden loslegt mit der „ZDF Hitparade“ springt der Funke gleich über. Bei der „Adelheid Polka“ und dem Volkslieder-Medley („Alle Vögel sind schon da“, „Mit dem Pfeil und Bogen“, „Hoch auf dem gelben Wagen“) soll sogar mitgesungen werden.

Generell herrscht eine ausgelassene Stimmung, denn Mathias lässt nicht nach, die Zuhörer euphorisch einzuheizen: „Die Party ist eröffnet!“ Er selbst singt alte Seemannslieder („Eine Seefahrt, die ist lustig“, „Heut geht‘s an Bord“, „Die Liebe der Matrosen“) aus dem Medley mit.

Obwohl Vollblutmusiker Federkeil der Dirigent ist, dirigiert er seine Musiker wenig, sondern tanzt, hüpft und galoppiert viel lieber über die Bühne, gerade bei dem westernartigen „A Town without Pity“. Damit bringt er noch einmal mehr die Stimmung, die diese Musik in einem erzeugt, zum Ausdruck und lässt die Solisten in den Vordergrund treten. Den Anfang hierbei macht Gitarrist Gerd Pees. Bei seinem Solo in „Granada“ lässt er die melancholisch schöne Melodie aufleben. Ebenfalls in diesem Genre bewegen sich Thomas Feid und Martin Kipper, die bei „La Virgen de la Macarena“ auf ihren Trompeten von dramatisch über schwermütig bis hin zu virtuos einen Stierkampf intonieren.

Bei „Swinging Safari“ haben die Flötisten Rudi Schönmann, Cornel Wegmann und Thomas Buchholz ihren Auftritt, wenn sie sich auf ihren Instrumenten locker leicht auf die Reise durch Afrika begeben. Schlagzeuger Knut Recktenwald holt zum Abschluss bei „Na na hey hey“ noch einmal alles aus seinem Drumset, um die Zuhörer zu verabschieden.



Der dreiköpfige Chor begleitet viele Stücke und unterstreicht mit seinem Summen die entspannte Atmosphäre, die prägend für die Lieder des Easy Listening ist. Dazu setzen sie einen Gegenpol zu den Trompeten bei „Strangers in the Night“ oder dem Disco-Medley mit „Belfast“ und „You‘re the one what I want“. Die 35 Arrangements für die relativ kleine Band stammen von Federkeil selbst, der sich damit einen Traum verwirklichte.

Zwischendurch gibt Mathias viele Informationen über die Komponisten preis, beispielsweise, dass James Last 242 goldene Platten gewann, oder dass nicht allgemein bekannt ist, dass viele Stücke aus der Feder Bert Kämpferts stammen, so auch „Strangers in the Night“. Dabei macht er oft ein Ratespiel daraus und verteilt zur Freude der Gewinner Sekt, Bier und Schokolade.

Als der gut gelaunte Moderator gegen Ende eine Polonaise zur „Fett-Polka“ lostritt, hält es viele nicht mehr auf ihren Plätzen. So ziehen sie gemeinsam durch den Saal und über die Bühne. „Ich habe es leider nie geschafft, James Last einmal live zu erleben, aber der Abend entschädigt mich dafür“, freut sich Musikfan Peter Bechtel.

„Ich hätte mit so einer großartigen Reaktion nicht gerechnet“, zeigt sich Federkeil gerührt. Daher werde man sich zeitnah zusammensetzen und überlegen, wann und wo weitere Konzerte stattfinden werden.