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Die Geschichte am Leben halten

2011 errichtete der Heimat- und Kulturverein Ostertal gemeinsam mit dem BNO auf der höchsten Stelle des Bubergs zwischen Marth und Bubach eine Aussichts- und Orientierungskanzel, die von Spaziergängern gerne genutzt wird. Foto: Hans Kirsch
2011 errichtete der Heimat- und Kulturverein Ostertal gemeinsam mit dem BNO auf der höchsten Stelle des Bubergs zwischen Marth und Bubach eine Aussichts- und Orientierungskanzel, die von Spaziergängern gerne genutzt wird. Foto: Hans Kirsch FOTO: Hans Kirsch
Niederkirchen. Der Vergangenheit des mittleren Ostertals widmet sich der Heimat- und Kulturverein Ostertal. Dabei pflegt man Kontakt zu Auswanderern und bringt sogar einstige Kriegsgegner zusammen. red

Das mittlere Ostertal hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Erst 1947, als an der Saar die französische Militärregierung das Sagen hatte, wurden die Orte Bubach, Hoof, Marth, Niederkirchen , Osterbrücken und Saal aus dem pfälzischen Kreis Kusel an den saarländischen Kreis St. Wendel angegliedert. Das benachbarte Selchenbach blieb pfälzisch, Teil des Kreises Kusel, und ist es weiterhin. Dennoch: Alle genannten Orte sind der Wirkungskreis des Heimat- und Kulturvereins Ostertal - so wurde es bei der Gründung 1985 beschlossen und so ist es bis heute.

"Ein besonderer Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt im historischen Bereich. Drei Bände der Chronik des mittleren Ostertals sind bereits erschienen und reichen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs", sagt der Vereinsvorsitzende Hans Kirsch. Band Nummer vier, der die Zeit bis zum Dritten Reich abdeckt, soll 2017 folgen. Viele weitere Bücher sind bereits erschienen, zudem veranstaltet der Verein Wanderungen, Fahrten, Kunstausstellungen, Bücherlesungen und Mundartvorträge oder sammelt alte Fotos aus dem Ostertal, die reproduziert und ausgestellt werden.

"Ein Höhepunkt der Vereinstätigkeit war das Versöhnungstreffen ehemaliger Kriegsgegner im Jahr 1996 auf dem Buberg", berichtet Kirsch. 1944 ist ein US-Bomber nach Beschuss auf dem Buberg notgelandet. Der Verein konnte die beteiligten Flieger ermitteln und lud die noch lebenden - zwei Amerikaner und einen Deutschen - ins Ostertal ein. "Das Treffen der einstigen Kriegsgegner erweckte in der Öffentlichkeit großes Interesse, selbst in Amerika wurde darüber berichtet", sagt Kirsch.

Seit der Vereinsgründung pflege der Verein auch Kontakte zu Nachkommen von Ostertälern, die 1724 nach Ungarn ausgewandert sind. Kirsch: "Nach ihrer Ausweisung im Jahr 1946 kehrten die Nachfahren nach Westdeutschland zurück, wo einige von ihnen in den 1980er-Jahren Kontakt zum Ostertal aufnahmen. Seitdem findet ein reger Austausch statt."

Ein Arbeitskreis des Vereins forscht in Sachen Familiengeschichte. Ein zweiter beschäftigt sich mit historischen Grenzsteinen. "Über drei Jahre hinweg haben wir an mehreren Grenzabschnitten des mittleren Ostertals rund zwei Drittel der früheren herrschaftlichen Grenzsteine aufgefunden und dokumentiert", sagt Kirsch. Die Ergebnisse gingen in ein Buch ein, herausgegeben vom Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt.

Ein weiteres Projekt: die Villa rustica am Heidenbösch bei Bubach. Bereits im 19. Jahrhundert wurde nach römischen Siedlungsresten gesucht, den Nachweis lieferte aber erst der Heimat- und Kulturverein Ostertal. Eine aufwendige und teure Ausgrabung gibt es zwar nicht. Jedoch gab der Verein ein Buch heraus, baute ein Modell der Villa rustica und weiterer Nebengebäude, wie sie einst am Heidenbösch gestanden haben.

Zum Thema:

Hintergrund Der dritte Tag des St. Wendeler Landes am Sonntag, 30. Oktober, ab 11 Uhr in der Bosener Mühle am Bostalsee steht unter dem Motto "Persönlichkeiten aus dem St. Wendeler Land". Präsentationen, Vorträge und Darbietungen behandeln Personen, die für die Region von Bedeutung sind oder waren. Diskussionsrunden widmen sich den Heimatkundevereinen. Der Eintritt ist frei. red

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