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Die dunklen Jahre des Ostertals

Niederkirchen. Zwei 600 Seiten starke Teilbände der Ostertal-Chronik beschäftigen sich mit der Weimarer Republik und dem Dritten Reich sowie deren Folgen für das Ostertal. Die Autoren sind Hans Kirsch und Klaus Zimmer. red

Die Arbeiten am vierten Band der "Chronik des mittleren Ostertals" gehen in die Endphase. Wie der Herausgeber , der Heimat- und Kulturverein Ostertal , mitteilt, werden die Texte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Danach folgen Design, Satz und Druck.



Der Band befasse sich mit zwei recht kurzen, aber folgenreichen Zeitabschnitten: der Weimarer Republik und dem Dritten Reich . Die Autoren Hans Kirsch und Klaus Zimmer hätten Archive nicht nur in näherer Umgebung, sondern in ganz Deutschland und sogar Frankreich (La Courneuve bei Paris) aufgesucht und dabei viele bisher unbekannte Dokumente für eine umfassende Beschreibung der Geschichte der früheren Bürgermeisterei Niederkirchen ausgegraben. Dabei seien so viele neue Informationen zusammengekommen, dass diese gar nicht in einen einzigen Band hineinpassten. Es müssten vielmehr zwei Teilbände gedruckt werden, die jeweils rund 600 Seiten umfassen sollen, teilten die Herausgeber mit.

Der Inhalt beleuchtet demnach die Geschichte des mittleren Ostertals und seiner damals 3200 Einwohner in schwierigen Zeiten: in der Weimarer Republik , die unruhigen ersten Jahre nach dem Weltkrieg mit französischer Besatzung, Inflation, Separatistenstürmen, die Situation an der saarländisch-deutschen Grenze, der wirtschaftliche Niedergang, die hohe Arbeitslosigkeit mit ihren sozialen Folgen, eine zerklüftete Gesellschaft mit links- und rechtsradikalen Parteien, schließlich die Machtübernahme der Nazis.

Im Gegensatz zu anderen Heimatbüchern, in denen die Zeit des Dritten Reiches oft nicht vorkommt oder nur oberflächlich abgehandelt wird, soll die Ostertal-Chronik die damaligen Verhältnisse und Vorgänge ganz detailliert schildern. So werde beispielsweise klargestellt, dass die NSDAP-Ortsgruppe Niederkirchen , die die sieben Orte der Bürgermeisterei umfasste, rund 300 Mitglieder hatte und nicht nur 40, wie ein ehemaliger Ortsgruppenleiter nach dem Krieg verharmloste. Die Mitglieder sollen in dem Buch namentlich aufgeführt werden, genauso wie die Kommunisten der Weimarer Zeit.

Die NS-Partei, ihre Untergliederungen und Funktionäre sollen benannt und ihre Tätigkeiten beschrieben werden. Viel Raum werde Schilderungen eingeräumt, die Maßnahmen zur Unterdrückung der Regimegegner und deren Versuche des Widerstandes thematisierten.

Etliche Ostertäler landeten während der Nazi-Herrschaft in Konzentrationslagern oder Gefängnissen, vier Menschen aus dem Ostertal fielen "Euthanasie"-Morden zum Opfer, mindestens 16 Männer und Frauen wurden zwangssterilisiert. Und im von den Nationalsozialisten zielstrebig herbeigeführten Zweiten Weltkrieg kamen 240 Soldaten aus dem mittleren Ostertal ums Leben.

Wie der Heimat- und Kulturverein Ostertal mitteilt, ist vorgesehen, die zwei Teilbände im März vorzustellen.

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