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Das langsame Ende einer Institution

Sind die Tage des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel gezählt? Sinkende Schülerzahlen und steigende Kosten lassen die Steyler Missionare als Träger die Notbremse ziehen. Foto: B & K
Sind die Tage des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel gezählt? Sinkende Schülerzahlen und steigende Kosten lassen die Steyler Missionare als Träger die Notbremse ziehen. Foto: B & K FOTO: B & K
St Wendel. Seit 1899 werden Schüler am katholischen Gymnasium in St. Wendel unterrichtet. Mit der Entscheidung des Trägerordens, keine Kinder mehr einzuschulen, ist spätestens in sieben Jahren Ende. Grund laut Mitteilung: Es fehlt an Geld und Nachwuchs. Matthias Zimmermann

Die Nachricht schlug am ersten Unterrichtstag nach den Herbstferien wie eine Bombe ein: Das St. Wendeler Traditionsgymnasium Arnold Janssen (AJG) steht vor dem Aus. Zwar heißt es in einer Mitteilung des Trägers, Orden der Steyler Missionare in Sankt Augustin/Nordrhein-Westfalen: "Der laufende Schulbetrieb bleibt davon unberührt." Doch nach SZ-Informationen soll die katholische Schule auslaufen. Dann würde sie mit dem letzten Abiturjahrgang in sieben Jahren schließen. Seit 1899 besteht die weiterführende Schule, von Patern gegründet.

Grund für die jetzt getroffene Entscheidung, die bei Eltern, Schülern und Lehrern für Entsetzen sorgte: Ein geplanter Wechsel des Schulträgers kam nach Angaben der bisherigen Leitung nicht zu Stande. Bislang ist der Orden als Träger für das Haus zuständig.

Allerdings macht diesem sowohl der erhebliche Schwund bei den Schülerzahlen als auch die finanzielle Belastung zu schaffen.

Über den Entschluss, keine Fünftklässler mehr im kommenden Schuljahr aufzunehmen, sind am Montag zuerst die Lehrer nach der sechsten Unterrichtsstunde während einer Dienstbesprechung informiert worden. Die Eltern bekamen den Entscheid schriftlich mitgeteilt, hieß es aus dem Umfeld des katholischen Privatgymnasiums.

Zurzeit besuchen 413 Schüler das AJG. Nach eigenen Angaben waren es Anfang 2000 mehr als 960 Schüler . In der Kreisstadt gibt es außerdem noch zwei weitere, staatliche Gymnasien . Darüber hinaus kann an anderen weiterführenden Schulen ebenfalls die Abiturprüfung abgelegt werden.

Überrascht reagierte man am Nachmittag im Landratsamt auf die Neuigkeit. Aus Sicht der von Landrat Udo Recktenwald (CDU ) geführten Kreisverwaltung, so formulierte es ein Sprecher, "wäre es sehr bedauerlich, wenn eine Traditionsschule wie das Arnold-Janssen-Gymnasium künftig keine Schüler mehr aufnehmen würde". Die Schule sei ein wichtiger bildungs- und erziehungspolitischer Baustein der Schulstruktur in der Region. Zwar sei dem Landkreis als Schulträger bekannt, dass sich der Träger der Schule auf Grund der rückläufigen Bevölkerungszahl und der zurückgegangenen Präsenz des Ordens im Schulbetrieb schon seit längerem damit befasst, ob bei zurückgehender Anmeldezahl der Unterricht aufrecht erhalten werden kann. Darüber seien Landkreis und Saar-Bildungsministerium informiert. Dabei sei bereits über eine mögliche Übernahme betroffener AJG-Schüler an den verbleibenden staatlichen Gymnasien in St. Wendel beratschlagt worden. Auch das Ministerium in Saarbrücken bestätigte Unterredungen.

Schulrektor Pater Fabian Conrad wollte sich am Montag gegenüber den Medien nicht äußern. Er verwies auf eine für Dienstagnachmittag angesetzte Pressekonferenz in dem AJG-Gebäude auf dem heiligen Berg.

Dort war auch St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU ) zur Schule gegangen. In einer ersten Reaktion am Nachmittag zeigte er sich persönlich tief bewegt. Zwar sei die Stadt rechtlich nicht mit dem Gymnasium verbunden. Er wolle sich aber einbringen, wenn es gewünscht werde.

Das langsame Ende des AJG betrifft auch die bislang noch dort unterrichtenden Lehrer. Nur die wenigsten sind nach SZ-Informationen verbeamtet und können deswegen mit einer Übernahme an eine andere, staatliche Schule rechnen. Bei den angestellten Kollegen herrsche indes große Unsicherheit.

Seit Bekanntwerden der Nachricht über das drohende AJG-Aus diskutieren viele Menschen darüber. Viele sind betroffen, einige machen sich bereits Gedanken darüber, was aus dem Gebäude wird, wenn seine Räume nicht mehr als Klassensäle gebraucht werden. Die lebhafte Debatte findet auf der lokalen Internetseite der St. Wendeler Zeitung beim sozialen Netzwerk Facebook statt. Die Teilnahme daran ist kostenlos.

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saarbrueckerzeitung.wnd