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Weihnachts-Programm
Damit Weihnachten niemand alleine ist

Damit die US-amerikanischen Soldaten Weihnachten nicht alleine verbringen müssen, werden sie von deutschen Familien eingeladen, wie hier Gabriel Glasser von Familie Kohler-Kreuz.
Damit die US-amerikanischen Soldaten Weihnachten nicht alleine verbringen müssen, werden sie von deutschen Familien eingeladen, wie hier Gabriel Glasser von Familie Kohler-Kreuz. FOTO: Bernd Mai
Bliesen. In Bliesen engagieren sich Familien seit mehr als 30 Jahren dafür, dass US-amerikanische Soldaten Weihnachten nicht alleine feiern müssen. Von Melanie Mai



  Allein in einem fernen Land. Ohne Familie. Ohne Freunde. Und das an Weihnachten. Um vor allem den alleinstehenden Soldaten Herzlichkeit und Geborgenheit zu vermitteln, gibt es seit mehr als 30 Jahren  in der US-Gemeinde von Baumholder das Programm „Christmas Cheers“.  Jahr für Jahr werden amerikanische Soldaten in deutsche Familie vermittelt. An welchen Tagen die Soldaten eingeladen werden, das liegt dabei ganz bei den Familien. Auch was gemacht und wie gefeiert wird.

In diesem Jahr haben sich 28 Familien und 31 Soldaten gemeldet. „Jede Familie hat einen Soldaten und jeder Soldat eine Familie“, lautet das Fazit von Organisator Bernd Mai vom Büro für Presse- und Öffentichkeitsarbeit auf dem US-Standort. Beim ersten Kennenlernen in Baumholder wurden bereits eifrig Pläne geschmiedet für die Feiertage. Mit dabei waren nicht nur Familien aus dem Landkreis Birkenfeld, sondern auch aus Landau, Kaiserslautern, aus Bad-Kreuznach oder Montabaur. Und auch aus dem Saarland — aus Völklingen, Ottweiler und St. Wendel. Sie alle lobt die stellvertretende Garnisonsmanagerin Debra Jordan: „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass unsere Soldaten an Weihnachten nicht alleine sind.“ Und sie fügt hinzu: „Ich hoffe, dass die Soldaten wissen, welches Geschenk ihnen hier gemacht wird.“

Einer der Beschenkten ist Gabriel  Glasser. Der 28-Jährige ist seit einem halben Jahr in Deutschland. Zum ersten Mal fern der Heimat.  Er freut sich, in Bliesen die Feiertage verbringen zu können. Und auch Familie Kohler-Kreuz sieht voller Erwartung dem Besuch des  amerikanischen Gastes entgegen. „Meine Mutter hat davon in der Zeitung gelesen und meinte, das wäre doch was für uns, weil wir so reisefreudig sind und unsere Kinder in der ganzen Welt verstreut sind“, erzählt Birgit Kohler-Kreuz. Und genau so ist es: Die Mutter dreier erwachsener Kinder fragte ihre Familie, ob sie damit einverstanden sind, einen jungen Soldaten einzuladen. „Und alle waren gleich begeistert“, sagt sie. Zumal ein Sohn seit zehn Jahren in Australien lebt, der zweite Sohn gerade durch die Welt reist und die Tochter im kommenden Sommer in die USA auswandern möchte. Die Sprache ist also für alle kein Problem. „Wir sprechen alle Englisch.“

Nun kommt also Gabriel Glasser am Mittag des 24. Dezember nach Bliesen. Drei Nächte wird er dort schlafen und das Weihnachtsfest so miterleben, wie es in der Familie Tradition ist. „Er wird überall mit hin geschleppt“, sagt Kohler-Kreuz. Eines darf er sich noch aussuchen: Ob er an Heiligabend mit in die Kirche geht oder nicht.  Ansonsten steht das Programm für Heiligabend: Zum Abendessen gibt es Raclette. „Das kennt er noch nicht, hat er uns beim Kennenlernabend verraten.“  Anschließend sitzen alle gemütlich beisammen und packen die Geschenke aus. „Jeder bekommt etwas, auch Gabriel.“  Am nächsten Tag wird gemeinsam gekocht. „Er will für uns Casserole machen“, sagt die Gastgeberin. Später kommt ihre Mutter zu Besuch, es geht gemeinsam zu den Patenkindern. Am zweiten Weihnachtstag sind dann alle bei Birgit Kohler-Kreuz` Eltern in Bliesen eingeladen.  „Er bekommt das volle Weihnachtsprogramm mit viel Essen – so wie das im Saarland üblich ist“, sagt die Gastgeberin und fügt hinzu: „Wir machen gerne mit, damit ein Soldat nicht über Weihnachten allein zu Hause sitzt.“