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Boxer Carlo, der Schulkamerad

Schulbegleithund Carlo mit seiner Klasse in der Wingertschule in St. Wendel. Carlo tröstet und beruhigt Schüler und hilft ihnen, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln. Foto: Florian Rech
Schulbegleithund Carlo mit seiner Klasse in der Wingertschule in St. Wendel. Carlo tröstet und beruhigt Schüler und hilft ihnen, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln. Foto: Florian Rech FOTO: Florian Rech
St Wendel. An einer Förderschule in St. Wendel sitzt ein Deutscher Boxer mit im Unterricht. Schulbegleithund Carlo verbessert alleine durch seine Anwesenheit die Lernatmosphäre in der sonst eher unruhigen Klasse. Auch andere Aufgaben übernimmt der Hund in der Förderschule. Florian Rech

Bei der Hausaufgabenkontrolle wird es laut in der Klasse Vier der Wingertschule. Die Lehrerin ist nicht mit allen Schülern zufrieden. Der Kopf eines Schülers schwillt rot an. Er fühlt sich ungerecht behandelt. Er wird unruhig und zittert, scheint gleich zu explodieren. Schulbegleithund Carlo hebt den Kopf. Langsam trottet er zum Platz des Schülers. Nach einem schnaubenden "Wroff" beginnt er, die Hand des zornigen Schülers zu lecken. Augenblicklich verändert sich der Gesichtsausdruck des Schülers. Er beruhigt sich schnell und streichelt den braun-schwarzen Deutschen Boxer .

Seit einem Jahr ist Carlo als Schulbegleithund in einer vierten Klasse im Einsatz. Seinen Dienst verrichtet er an drei Tagen in der Woche an der Wingertschule in St. Wendel , einer Förderschule für soziale Entwicklung. "Zu uns kommen Kinder, die an Regelschulen nicht zurechtkamen. Oder die Schulen kamen mit ihnen nicht zurecht, je nach Sichtweise", sagt Förderschullehrerin Sarah Sticher mit einem Lächeln. "Unsere Schüler haben oft eine niedrige Frustrations-Toleranz und ein erhöhtes Aggressions-Potenzial. Und auch mit Kindern mit AHDS gibt es manchmal Probleme", erzählt die 27-Jährige. Um einen einigermaßen ruhigen Unterricht zu halten, muss die Lehrerin ein strenges, straff durchorganisiertes Regiment führen. Aber selbst dann kommt es oft zu Störungen im Unterricht.

"Wenn Carlo da ist, ist die Atmosphäre in der Klasse eine andere", ist die Lehrerin, die gleichzeitig Halterin des Hundes ist, überzeugt. Allein durch seine Anwesenheit verändere der Boxer die Stimmung im Klassensaal. Die Schüler nähmen Rücksicht auf die Bedürfnisse des Hundes und hielten sich an die Regeln im Umgang mit ihm. Ausgegrenzte Kinder werden demnach durch Carlo spielerisch in die Klasse integriert. Die Schüler seien bemüht, Konflikte leise und friedlich zu lösen, da der Hund direkt auf negative Stimmungen reagiere. "Carlo tröstet und beruhigt die Kinder bei Konflikten", sagt Sticher, "er fungiert als Brücke zwischen den Schülern und mir als Lehrerin. Dabei ist er den Kindern gegenüber immer vorurteilsfrei und spiegelt sie unreflektiert."

Der eineinhalb-jährige Boxer übernimmt aber auch noch andere Aufgaben im Unterricht. Während der Schulstunde lernen die Schüler Tricks mit dem jungen Hund. "Das ermöglicht es den Kindern, ganz neue Erfahrungen zu machen", sagt die Lehrerin. "Jemand folgt ihren Kommandos, sie üben Kontrolle aus und bauen Selbstbewusstsein auf." Tatsächlich verändert sich die Körperhaltung und Stimmung der Schüler , wenn sie mit dem Hund lernen. "Carlo muntert mich immer auf, wenn ich wütend bin", sagt zum Beispiel Kevin Schöndorf . "Carlo glaubt an mich, dann glaub' ich auch, dass ich etwas schaffen kann", erzählt der Zehnjährige aus St.Ingbert-Rohrbach. Auch der zwölfjährige Luca Pisani aus Wiebelskirchen ist von Carlo begeistert: "Wenn er da ist, gehe ich viel lieber in die Schule. Es ist nicht so langweilig und ich kann mich besser konzentrieren".

Seit er im Dienst ist, hat "Kollege Carlo" - so nennt man den Hund an der Schule - die Herzen der Schüler , Lehrer und auch der Eltern im Sturm erobert. Auch Schulleiter Thomas Fey steht hinter dem Projekt: "Kinder, die sonst herumschreien und distanzlos sind, schaffen es mit Carlo, ruhig zu sein und Distanz zu halten. Insofern ist das Projekt ein großer Erfolg." Durch die Landesregierung wird das Projekt an der Wingertschule allerdings nicht gefördert. Carlos 800 Euro teure Ausbildung zum Schulbegleithund musste Lehrerin Sarah Sticher aus der eigenen Tasche bezahlen.



Zum Thema:

HintergrundSchulbegleithunde werden im Saarland an vier Förderschulen eingesetzt. Die Erfahrungen der Schulen mit den Hunden im Klassenzimmer sind durchweg positiv. Vor dem Einsatz eines Schulhundes müssen mehrere rechtliche Fragen geklärt werden. Eltern müssen dem Einsatz zustimmen, der Hund muss haftpflichtversichert werden. Des Weiteren gelten bestimmte Hygiene-Regeln. fre