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Biblische Pflanzen verschönern Kirchgarten

Niederkirchen. Wer durch das schmiedeeiserne Tor in Richtung Margarethenkirche geht, dem fällt die blaue Farbe, die auf dem Weg aufgebracht ist, unmittelbar ins Auge. In Wellenlinien, ähnlich einem Flusslauf, schlängelt sie sich zunächst zum Eingang der Kirche. Von dort aus führen blaue Kieselsteine den Verlauf weiter bis in den Garten Von SZ-Redakteurin Evelyn Schneider

Niederkirchen. Wer durch das schmiedeeiserne Tor in Richtung Margarethenkirche geht, dem fällt die blaue Farbe, die auf dem Weg aufgebracht ist, unmittelbar ins Auge. In Wellenlinien, ähnlich einem Flusslauf, schlängelt sie sich zunächst zum Eingang der Kirche. Von dort aus führen blaue Kieselsteine den Verlauf weiter bis in den Garten. "Das ist der Jordan", erklärt Pfarrer Stefan Werner. In diesem speziellen Fall müssen sich die Besucher keine Gedanken machen, wenn sie "über den Jordan gehen". Denn nur so können sie in den Bibelgarten eintreten.An 27 bis 28 Stationen werden biblische Geschichten mit Pflanzen in Bezug gebracht. Außerdem sind Themen wie das alltägliche Leben im alten Israel, der traditionelle Ackerbau, christliche Feste und der klösterliche Bereich im Garten umgesetzt. Dort, wo jetzt die Beete akkurat angelegt, sind, gab es 1997, als Pfarrer Stefan Werner nach Niederkirchen kam, nur Rasen und Gestrüpp. Der Ursprung des Bibelgartens war eine Aktion mit Jugendlichen. "Mit der Jugendgruppe habe ich einen Teich angelegt und dann hat sich das langsam aufgebaut", erinnert sich Pfarrer Werner.


Aus dem einfachen Teich von damals ist jetzt der See Genezareth geworden. Ein am Ufer des Teichs gespanntes Fischernetz, ein Fischerboot samt Segel und ein kleines Binsenkörchen mit einer Babypuppe als Moses verweisen auf Episoden aus der Bibel. "Für mich ist der See Genezareth immer noch die schönste Ecke. Sie erinnert stark an Jesus. Und wenn die Seerosen blühen, kann man hier schön verweilen." Denn auch das gemütliche Verweilen sei ein Sinn des Gartens. Außerdem habe er auch einen Lerneffekt und sei auf gewisse Weise eine Verkündigung.

10 000 Arbeitsstunden haben Pfarrer Werner und andere fleißige Helfer wie zum Beispiel Peter Volz in dem Kirchengarten verbracht. Volz kennt sich gut mit Pflanzen aus und das nicht nur durch sein Amt als erster Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Osterbrücken. "Es ist oft schwierig, die Pflanzen zu beschaffen", sagt Volz. Viele Stunden habe Pfarrer Werner im Internet verbracht, um die biblischen Pflanzen, die bei uns nicht gängig sind, zu besorgen. Aus Norddeutschland kam beispielsweise der Paradiesapfel nach Niederkirchen. 80 verschiedene biblische Pflanzen sind in dem Garten bislang zu sehen. Myrrhe, Weihrauch, Oleander sind Pflanzen, die zu dem Bereich Tempel und Kult gehören. Im Garten wird dies durch eine Miniaturausgabe des Herodes Tempels verdeutlicht. Auch der Boxdorn, aus dem wahrscheinlich die Dornenkronen für Jesus geflochten wurden, hat seinen Platz gefunden.



Das Thema Kräuter nimmt einen eigenen Bereich im Garten ein. Stühle und ein Tisch dienen hier als Ruhemöglichkeit. Ein Platz, der Peter Volz besonders wichtig ist. "Außerdem gefällt mir das Beet mit den verschiedenen Getreidesorten und die Wüstenlandschaft mit den Schriftrollen." Ob Hule See mit Judasstrauch oder der Amperbaum, dessen Harz die Grundlage für Bernstein ist - es gibt viel zu entdecken im christlich-biblischen Garten in Niederkirchen. Letzte Station sind die Engelstrompeten. "Die Pflanze ist hochgiftig. Der Hinweis auf das Jüngste Gericht", sagt Pfarrer Werner schmunzelnd. Die Blüten in Glockenform gleichen Posaunen, die Gottes Gericht ankündigen.

Um die Pflanzen und ihre symbolische Bedeutung oder ihre Verbindung zu biblischen Personen zu erklären, arbeitet Pfarrer Werner derzeit an einem Begleitheft. Künftig soll es Führungen geben. "Angedacht ist auch, dass wir kulinarische Führungen anbieten", verrät Werner. Wirklich fertig sein, wird der Garten für den Geistlichen nie. Das sieht Volz ähnlich: "Es gibt Ideen und Arbeit ohne Ende."

Auf einen Blick

80 biblische Pflanzen sind im christlich-biblischen Garten neben der Margarethenkirche in Niederkirchen zu sehen. Kräuter, Getreide, Szenen aus dem Alltag des alten Israels und der Bibel sind entlang des Weges zu entdecken. Am morgigen Samstag, 29. September, 16.45 Uhr, wird der Garten mit einem Gottesdienst in der Margarethenkirche eingeweiht. Thema ist Noahs Frau, die die Pflanzen auf die Arche gerettet hat. Der Kindergarten wird den Gottesdienst mitgestalten. Bei Interesse an Führungen können sich die Besucher an das Pfarrheim wenden, Telefonnummer (0 68 56) 2 41. evy