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Betrugsverdacht bei der Tafel

 Die Arbeit soll laut Caritas-Sprecher Christoph Scheid wie gehabt weiterlaufen. Unterdessen durchsuchten Fahnder die Räume der St. Wendeler Tafel nach einer Anzeige aus dem Mitarbeiterkreis. Es soll um zweckentfremdete Lebensmittelspenden gehen.Foto: hgn
Die Arbeit soll laut Caritas-Sprecher Christoph Scheid wie gehabt weiterlaufen. Unterdessen durchsuchten Fahnder die Räume der St. Wendeler Tafel nach einer Anzeige aus dem Mitarbeiterkreis. Es soll um zweckentfremdete Lebensmittelspenden gehen.Foto: hgn FOTO: hgn
St Wendel. Hat sich eine ehrenamtliche Helferin der St. Wendeler Tafel an Spenden bereichert? Dieser Vorwurf steht zumindest im Raum. Entsprechende Informationen bestätigt die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken. Matthias Zimmermann

Sind von örtlichen Betrieben gespendete Lebensmittel in die falschen Kanäle gelangt? Wurden Versicherungen geprellt und sogar an der Kaffeekasse der Kollegen herumgedoktert? Diese und noch weitere Vorwürfe wollen zwei Mitarbeiter der St. Wendel Tafel ans Tageslicht gebracht haben. Sie zeigten die ehrenamtliche Verantwortliche der karitativen Einrichtung an. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken.

Entsprechende Informationen der Saarbrücker Zeitung hat am Montag Behördensprecher Christoph Rebmann bestätigt. Demnach waren Ermittler bereits vergangene Woche am mutmaßlichen Tatort. Ein Richter ordnete demzufolge an, die Räume der Tafel in der Kelsweilerstraße zu durchsuchen. Gleichzeitig waren Fahnder auch bei der Beschuldigten privat zugange.

Die Frau, die bislang für den Caritas-Verband Schaumberg-Blies ehrenamtlich die Arbeit der Tafel koordinierte, wird der Unterschlagung und des Betrugs verdächtigt. So sollen Lebensmittel für den Eigenbedarf abgezwackt worden sein, die eigentlich für Bedürftige vorgesehen waren. Auch bei der Abrechnung des dienstlich genutzten Privatautos gebe es Unregelmäßigkeiten, zeigten die Kollegen an. Einer der beiden soll bereits vor geraumer Zeit seinen Dienst bei der Tafel quittiert haben, bevor er die für ihre ehrenamtliche Tätigkeit mehrfach ausgezeichnete Helferin anzeigte. Zu Details wollte sich Staatsanwalt Rebmann wegen des laufenden Verfahrens und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht äußern.

"Völlig überrascht" über die Anschuldigungen zeigten sich die Verantwortlichen beim Träger Caritas . Dort ließ Christoph Scheid wissen, dass nach erster interner Prüfung der Hausunterlagen "bislang keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden seien. "Wir haben selbst geprüft. Der Caritas-Verband hat keinen Schaden erlitten." Was indes nichts darüber aussage, ob die Vorwürfe hinfällig sind. Das müsse der Staatsanwalt herausfinden. Hier sicherte Scheid zu: "Wir haben ein ganz großes Interesse an der Aufklärung." Caritas biete der Staatsanwaltschaft Transparenz.

Unterdessen ruht im Augenblick die Arbeit der Beschuldigten. Sie war bislang mit der Organisation und Lebensmittelbeschaffung bei der Tafel betraut. "Zu ihrem eigenen Schutz war es eine sinnvolle Lösung, dass sie Abstand gewinnt", erläuterte Scheid. Bei der Rücksprache zwischen Caritas-Verantwortlichen und der Helferin habe sie beteuert, "sich nicht persönlich bereichert" zu haben. Wenn sie aber einen Fehler gemacht habe, tue ihr das leid. Die Betroffene selbst war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Indes komme es bei der Tafel durch die Ermittlungen zu keinen Schwierigkeiten, die sich auf die Empfänger der Spenden auswirken. Scheid: "Der Tafelbetrieb läuft nach wie vor."

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Auf einen BlickRund 30 Ehrenamtler bemühen sich um die St. Wendeler Tafel im Auftrag des Caritas-Verbandes Schaumberg-Blies. In der Kelsweilerstraße 15 im Zentrum der Kreisstadt verteilen sie mehrmals pro Woche Lebensmittel an Bedürftige. Dabei handelt es sich überwiegend um Spenden hier ansässiger Betriebe. Auch Flüchtlinge gehören zu den zu Betreuenden. Täglich ist die Einrichtung zwischen 8 und 13 Uhr zu erreichen. Ausgabetage sind Mittwoch und Freitag, jeweils von 13 bis 16 Uhr.Kontakt: Telefon (0 68 51) 93 56 26. hgncaritas-neunkirchen.de