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Auffangen und Mut machen

Bei allem technischen Fortschritt bleibt eine Regel bestehen: Um so früher der Krebs erkannt wird, desto größer sind die Chancen, ihn zu besiegen. Foto: dpa
Bei allem technischen Fortschritt bleibt eine Regel bestehen: Um so früher der Krebs erkannt wird, desto größer sind die Chancen, ihn zu besiegen. Foto: dpa FOTO: dpa
St Wendel. Zum vierten Mal organisiert der Landkreis St. Wendel den Selbsthilfetag. Am Samstag, 3. September, sind von 10 bis 15 Uhr Selbsthilfegruppen auf dem St. Wendeler Schlossplatz vertreten. Im Vorfeld des Aktionstages stellt die Saarbrücker Zeitung einige der Gruppen vor. Jennifer Sick

Rund 500 000 Menschen erkranken jährlich neu an Krebs, etwa bei 224 000 sterben jährlich daran. "Damit bleibt Krebs nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache", bilanziert die Deutsche Krebshilfe . Aus diesem Grund ist die Diagnose Krebs für die Betroffenen ein Schock. Viele fragen sich, wie es weiter geht, und begeben sich auf die Suche nach Hilfe. Frauen finden in St. Wendel seit 2010 Unterstützung bei der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Jeden zweiten Dienstag im Monat trifft sich die Gruppe ab 19 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Raum des Marienkrankenhauses, um sich auszutauschen, zu informieren, zu reden und auch gemeinsam Zeit zu verbringen. "Unser Motto ist auffangen, informieren, begleiten", sagt Andrea Wagner, Leiterin der Gruppe. Auffangen nach der Schockdiagnose Krebs, informieren, wie es weitergeht und begleiten durch ein Leben mit oder auch nach dem Krebs.


Die Treffen der Gruppe gestalten sich unterschiedlich. "Zum einen haben wir immer wieder Gesprächsrunden, in denen unsere Teilnehmerinnen über alles reden können, was ihnen auf dem Herzen liegt", berichtet Wagner. Ein wichtiger Bestandteil sei dabei der Austausch, denn oft tauchen bei einer Frau Fragen auf, die eine andere beantworten kann. "Häufig geht es um die Auswirkungen der Chemotherapie, und wie man diese am besten lindern kann", weiß Wagner. Aber auch Themen wie die Angst vor der nächsten Untersuchung, die Belastung innerhalb der Familie oder gar der eventuelle Tod stehen immer wieder im Raum. Dennoch, so Wagner, sind die Frauen nicht in der Gruppe, um sich selbst zu bemitleiden. "Wir reden oft auch über positive Erlebnisse und machen uns immer gegenseitig Mut."

Viele Vorträge



Neben den Gesprächskreisen bietet die Frauenselbsthilfe bei den Gruppentreffen regelmäßig Vorträge - aus den Bereichen Medizin Ernährung oder Patientenverfügung. Auch Infomaterial ist immer vorhanden. Und das ist noch nicht alles. "Wir machen außerdem Yoga, arbeiten mit Klangschalen, basteln gemeinsam oder beschäftigen uns mit Seidenmalerei." Das Angebot ist vielfältig. Und bei Bedarf gibt es auch die Möglichkeit, Einzelgespräche zu führen oder Kontakt zu einem der Gruppenmitglieder aufzunehmen, wenn man außerhalb der Treffen mal jemanden zum Reden braucht.

Wer gerne an der Gruppe teilnehmen möchte, kann im Vorfeld Kontakt mit Andrea Wagner aufnehmen, Tel. (0 68 21) 7 99 60. Oder am Selbsthilfetag am Stand vorbeikommen. "Wir sind dort, um Gesicht zu zeigen", so Wagner. "Die Leute sollen sehen, dass hinter dem Namen Menschen wie du und ich stehen und das niemand Berührungsängste haben muss."