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Sicherheitsbündnis
Auf Kontrollgang am St. Wendeler Bahnhof

Streifengang im Bahnhofsgebäude.  Archivfoto: hgn
Streifengang im Bahnhofsgebäude. Archivfoto: hgn FOTO: hgn
St. Wendel. Damit sich die Menschen am St. Wendeler Bahnhof sicher fühlen können, gibt es eine Sicherheitspartnerschaft. Dazu gehören auch Bundespolizei und die Polizeiinspektion in der Kreisstadt. Von Evelyn Schneider

In der Innenstadt gelegen, Dreh- und Angelpunkt für Reisende, beliebter Treffpunkt. „Der Bahnhof ist das zentrale Eingangstor in die Stadt.“ Mit diesen Worten bringt Albert Feidt, Polizeihauptkommissar der St. Wendeler Wache, die Bedeutung des Bahnhofs auf den Punkt. Viele Menschen gehen täglich ein und aus. Damit ist es ein Ort, an dem Sicherheit und Ordnung gefragt sind.


Etwa alle vier Tage wird der Statistik nach eine Straftat begangen. „Das sind zirka 80 Delikte im Jahr“, sagt Dieter Schwan, Sprecher der Bundespolizei in Bexbach. Daher haben seine Kollegen den Bahnhof im Blick. Aber nicht nur Beamte der Bundespolizei sind regelmäßig auf Streife. Für den St. Wendeler Bahnhof gibt es ein Sicherheitsbündnis, zu dem auch die Polizeiinspektion St. Wendel sowie Vertreter der Stadt und der Deutschen Bahn gehören. Diese Zusammenarbeit beschreibt Schwan als „vorbildlich.“

Sachbeschädigung, Diebstahl, Beleidigung und Körperverletzung zählen zu den Delikten, mit denen Polizisten im Bahnhofsgebäude und im direkten Umfeld zu tun haben. Oft sei eine Lapalie der Auslöser für handfeste Auseinandersetzungen, weiß Schwan. Er macht ein alltägliches Beispiel: Jugendliche sitzen auf der Treppe und trinken zusammen Bier. Auf den ersten Blick sei das kein Problem. Doch was, wenn ein Reisender mit Gepäck nicht mehr durchkommt? Das sei dann ein Fall für den Sicherheitsdienst des Gebäudebesitzers, der Deutschen Bahn. Denn die hat das Hausrecht. Der Sicherheitsdienst kann die Jugendlichen auffordern, den Weg freizumachen, das Gebäude zu verlassen und ihnen Hausverbot erteilen. „Kommt es zum Streit zwischen den Jugendlichen und dem Reisenden wird es schnell ein Fall für die Polizei.“ Und zwar dann, wenn Beleidigungen oder gar Handgreiflichkeiten ins Spiel kommen. „Der Ordnungsdienst nimmt uns immer dann mit ins Boot, wenn es über das Hausrecht hinausgeht“, fasst Feidt zusammen.



Eigentlich ist das Bahnhofsgebäude für jene als Aufenthaltsort gedacht, die tatsächlich mit dem Zug fahren wollen. Doch werde niemand gebeten, die Halle zu verlassen, wenn er bei schlechtem Wetter warten müsse, bis sein Bus vom Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) nebenan abfährt. „Wir haben das Auge für die Normalität“, sagt Schwan. Sein Kollege Feidt ergänzt „Aber auch den polizeilichen Blick.“

Steht ein Polizist vor der Wahl, eine 72-jährige Dame mit Tasche oder den Jugendlichen mit Bierflasche in der Hand zu kontrollieren, entscheide er sich für letzteren, erläutert Schwan und betont. „Das hat nichts mit Vorurteilen zu tun, sondern mit Erfahrungswerten. Die auch immer wieder bestätigt werden.“

Dass die Kontrollen am Bahnhof wichtig und erfolgreich sind, zeigen zwei Beispiele jüngster Streifgänge. So wurde eine Person kon-
trolliert, die zunächst die Ansprache der Bundespolizisten ignoriert hatte und ausgesprochen nervös wirkte. „Die Kollegen entdeckten 97 Gramm Subutex“, sagt Schwan. Wie der Sprecher erläutert, gehöre das Präparat in den Bereich der Amphetamine. Der Kontrollierte hatte es als Pulver bei sich. „Die Grammzahl übersteigt den Eigenbedarf einer Person deutlich“, so Dieter Schwan. Den Beamten tischte der Ertappte übrigens eine ziemlich amüsante Geschichte auf. Das Pulver sei Felgenreiniger. Und die Jacke, in der es die Polizisten fanden, gehöre gar nicht ihm. Die Ermittlungen laufen aktuell.

Bei zwei Leuten fanden die Beamten bei Kontrollen Messer, genauer gesagt ein Käse- und ein Fischmesser. Beide, so erläutert Schwan, fallen nicht unters Waffengesetz. Und doch wurde das Messer in einem Fall sichergestellt. „Da ging es uns um die Prävention. Auch das ist wichtig.“

Immer wieder hat es die Bundespolizei auch mit der „Erschleichung von Leistungen“ zu tun, wie es im Fachjargon heißt. Damit ist das Schwarzfahren gemeint. Das komme laut Schwan auf der Strecke zwischen St. Wendel und Saarbrücken immer wieder vor. „Und es ist kein Kavaliersdelikt“, betont der Polizeisprecher, „Sondern eine Straftat.“ Auch Hausfriedensbruch ist ein Thema, das den Beamten häufig begegnet. Einige Leute, denen bereits Hausverbot erteilt wurde, ignorieren dieses beständig. Das ergeben die Kontrollen. Und Hausfriedensbruch ist ebenfalls eine Straftat.

Anlass für Diskussionen oder Streit unter Gästen im Bahnhofsgebäude liefert das Thema Rauchen. Per Gesetz ist das Gebäude nunmal rauchfreie Zone. „Und das setzen wir durch“, sagt Schwan. Wer sich trotzdem drinnen den Glimmstengel anzündet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, und es wird ein Bußgeld in Höhe von 25 Euro fällig.

Kontrollen am Bahnhof sind nötig. Daher ist er auch Teil des Brennpunkt-Konzeptes der St. Wendeler Polizei (wir berichteten). Wie Albert Feidt sagt, lasse sich so manches im Gespräch klären. „Das ist für beide Seiten zufriedenstellend.“ Und wer einmal kontrolliert werde, der müsse nicht gleich nervös sein, wie Dieter Schwan sagt, es würden lediglich die Personalien überprüft. Und noch eines ist dem Sprecher der Bexbacher Bundespolizei wichtig: „Es braucht niemand Angst zu haben, sich am Bahnhof aufzuhalten.“

SZ-Redakteurin Evelyn Schneider im Gespräch mit Albert Feidt (rechts) von der St. Wendeler Polizeiinspektion und Dieter Schwan von der Bundespolizei in Bexbach.
SZ-Redakteurin Evelyn Schneider im Gespräch mit Albert Feidt (rechts) von der St. Wendeler Polizeiinspektion und Dieter Schwan von der Bundespolizei in Bexbach. FOTO: Melanie Mai