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Theater
Als Lehnchen Karl Marx den Haushalt schmiss

Die Darstellerinnen des Theaterstücks „Lehnchen Demuth“ (von links): Hanna Schmitt, Christel Ritter, Christine Hoff und Anne Keßler
Die Darstellerinnen des Theaterstücks „Lehnchen Demuth“ (von links): Hanna Schmitt, Christel Ritter, Christine Hoff und Anne Keßler FOTO: Klaus Schmitt
St. Wendel. Ein Theaterstück setzt der St. Wendelerin Lehnchen Demuth ein Denkmal und zeigt den Umgang des Philosophen mit Frauen. Von Hans Jürgen Loch

Zum 200. Geburtstag des Philosophen Karl Marx hat die Stadt Trier eine Reihe von Festlichkeiten für ihren berühmten Sohn geplant. Dies nahm die Frauenbeauftragte der Stadt Trier, Angelika Winter, zum Anlass am internationalen Frauentag einen Zweiakter über den privaten Karl Marx im Umgang mit Frauen aufführen zu lassen. Und da kommt nun die Fraueninitiative St. Wendeler Stadtgeschichte ins Spiel. Sie wird das Theaterstück „Lehnchen Demuth“ am Donnerstag, 8. März, 19 Uhr, aufführen. Ort der Veranstaltung ist das Filmtheater Broadway in Trier.


Zur Geschichte: Lehnchen wurde als fünftes von sieben Kindern des Bäckers Michel Demuth und seiner Frau Catharina Creutz am 31. Dezember 1820 in St. Wendel geboren. Sie arbeitete als Haushaltsgehilfin in verschiedenen Familien. 1837 kam sie zunächst in den Haushalt der Familie des Regierungsrates Johann Ludwig von Westphalen nach Trier. Jenny, die Tochter des Hauses, und ihre Geschwister liebten dieses Mädchen aus St. Wendel sehr. Für die Mutter Caroline von Westfalen wurde sie eine nahezu unentbehrliche Hilfe.

Als Jenny 1843 Karl Marx heiratete und dieser durch seine Unruhe stiftenden Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften zunächst aus Deutschland, dann aus Frankreich ausgewiesen wurde, lebte die Familie in Belgien. Da Jenny mit der Haushaltsführung und der Erziehung der Kinder völlig überfordert war, schickte ihr die Mutter Lehnchen, die fortan für die Familie, die immer größer wurde, sorgte. Auch als die Odyssee durch Europa sie schließlich nach England brachte, war die Haushälterin stets bereit, Freud und Leid mit der Familie Marx zu teilen.

Es gab nur eine schwache Stelle im Verhältnis von Lehnchen zu Jenny, nämlich als Lehnchen 1851 einen Jungen zur Welt brachte, den sie Frederik nannte, nach Friedrich Engels, der die Vaterschaft übernahm – um den Ruf seines Freundes Karl Marx nicht zu schädigen.

Nach dem Tod von Karl und Jenny Marx lebte Lehnchen Demuth noch ein paar Jahre als Haushälterin bei Friedrich Engels, bis sie am 4. November 1890 starb. Auf ausdrücklichen Wunsch der beiden überlebenden Töchter von Karl und Jenny Marx wurde sie im Grab der Familie Marx auf dem Friedhof Highgate in London beigesetzt.