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Möbel-Unikate
Von Sesseln, die nicht nur Ruhe schenken

 Schreiner Frank Dewes und seine Assistentin Natalie Kimwanga mit dem selbst entwickelten Spezialsessel.
Schreiner Frank Dewes und seine Assistentin Natalie Kimwanga mit dem selbst entwickelten Spezialsessel. FOTO: Jennifer Sick
Oberthal. Schreiner Frank Dewes hat sich auf besondere Sitzmöbel spezialisiert, die älteren Menschen das Leben erleichtern — auch technisch.

In Oberthal, etwas versteckt in einem gepflegten Hinterhof gelegen, findet man die Firma Devita. „Möbel fürs Leben“ verspricht Inhaber und Schreinermeister Frank Dewes seinen Kunden und hat sich passend zu diesem Versprechen auf besondere Sitzmöbel spezialisiert. Das Angebot von Devita decke zwei Bereiche ab. „Der Bereich Living steht für Möbel mit Design“, erklärt Dewes. Es gehe um komfortable Relax-, Aufsteh- und Fernsehsessel, die bei Devita in der eigenen Werkstatt aus hochwertigen Materialien hergestellt werden. Durch ihr zeitloses Design sollen sich die Sitzmöbel atmosphärisch in die Wohnungsumgebung einpassen und dennoch eine hohe Funktionalität bieten. Farbe und Material der Bezüge kann der Kunde aus einer breiten Angebotspalette wählen.


Der zweite Bereich, dem sich Frank Dewes seit mittlerweile zehn Jahren widmet, betrifft die Mobilität von pflegebedürftigen Menschen. „Als Schreiner habe ich lange Seniorenheime beliefert und damals gemerkt, dass in diesem Bereich ein hoher Bedarf an funktionalen Sitzmöbeln besteht“, erzählt der Möbelschreiner von der Geburtsstunde seiner Care-Reihe – entstanden aus der Idee, spezielle Relax- und Pflegesessel zu  entwickeln, die mit verstellbaren, beziehungsweise versenkbaren Armlehnen, Aufstehhilfen, Rollen und ausfahrbaren Beinteilen höchste Funktionalität bieten. Und die dennoch durch ihr Design einen wohnlichen Charakter haben.

Mit der notwendigen Energie versorgt werden die Sessel durch einen Akku, weshalb es möglich ist, Patienten auch auf Balkon oder Terrasse – also fernab von Steckdosen – optimal zu betreuen. Auch die Anforderungen von Pflegepersonal in Kliniken und Heimen sei bedacht worden, so dass die Sessel nicht die Lebensqualität der Bedürftigen erhöhe, sondern auch die tägliche Arbeit der Pflegenden erleichtere.



Vieles, was Dewes seinen Kunden bietet, wurde bei Devita selbst erdacht: „Unser Fokus und unsere Kernkompetenz liegt in der Entwicklung“, erklärt der Geschäftsführer. Deshalb ist er auf sein neuestes Produkt auch besonders stolz: Der digitale Pflegesessel VITAL+. Er erfasst durch eingebaute Sensoren die Vitalwerte seines Nutzers. Das bedeutet eine kontinuierliche Messung der Herzfrequenz und der Atmung, wenn der Pflegesessel genutzt wird. Die Werte werden in einem in den Sessel integrierten Computer gespeichert und können nicht nur vom Patienten abgerufen, sondern auch an das Pflegepersonal oder die Angehörigen weitergeleitet werden.

„Im Sport sind so genannte Wearables, die körperliche Leistung, Pulsfrequenz und andere Werte messen, sammeln und auswerten, bereits Standard. Warum diese Technologie nicht nutzen, um älteren Menschen einen längeren Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen? Das ist die Grundidee für den digitalen Pflegesessel“, erläutert Frank Dewes.

In Zusammenarbeit mit der Firma 1A Connect und der Forschungsgruppe RI-Co-mET unter Leitung von Professor Martin Buchholz an der Technischen Universität Kaiserslautern entstand der Sessel. Zusätzlich zu der Messung der Vitalwerte ist auch ein Telefon integriert und ein Tablet-Computer, das mit einfachster Handhabung unterschiedliche Bereich der Haustechnik steuerbar macht. So können vom Sessel aus zum Beispiel der Fernseher, das Licht oder auch das Radio bedient werden und gefährliche Aktionen im Haushalt werden so reduziert. Besonders stolz ist Frank Dewes auch auf die schnellen Lieferzeiten. Innerhalb von zwei Tagen nach Bestellung sei der Sessel zur Lieferung bereit. Und das, obwohl die Firma aus nur vier Mitarbeitern besteht. „Das funktioniert, weil wir handwerklich einfach sehr gut strukturiert sind“, sagt Dewes.