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Renovierung
Vom Ruß befreit kommt der alte Glanz zurück

Blick auf die Orgel. Für ihre Intonation muss absolute Stille in dem Oberthaler Gotteshaus herrschen.
Blick auf die Orgel. Für ihre Intonation muss absolute Stille in dem Oberthaler Gotteshaus herrschen. FOTO: Evelyn Schneider
Oberthal. Ein Brand im Vorraum der Kirche St. Stephanus in Oberthal hat Renovierungsarbeiten nötig gemacht. Kosten: 600 000 Euro. Von Evelyn Schneider

Beim Betreten fällt sanftes Licht durch die hohen, farbenfrohen Fenster. Der Duft frischer Farbe steigt in die Nase. Die Schritte sind kaum hörbar, werden gedämpft von der Schutzfolie, die auf dem Boden liegt. Im Altarraum ist ein Gerüst aufgebaut. An dessen Fuß stehen Eimer mit Farbe. Bereits seit August 2017 wird in dem Oberthaler Gotteshaus gearbeitet. Jetzt geht es in St. Stephanus langsam in die heiße Phase. „Am 16. September wollen wir die Kirche einweihen“, sagt Hans-Herbert Mörsdorf vom Pfarrverwaltungsrat St. Stephanus und fügt zuversichtlich an: „Ich denke, wir halten den Termin ein.“


Ungewöhnlich leer ist die Kirche. Die Sitzreihen, in denen die Gläubigen während der Messen Platz nehmen, sind verschwunden. Sie lagern derzeit in einer Halle in Bliesen. Mehrere Figuren sind derweil in der Nachbargemeinde Tholey bei einem Restaurator untergebracht. Zuletzt wurde der Innenraum von St. Stephanus 1986/87 renoviert. Ein neuer Anstrich nach mehr als 30 Jahren scheint da kein Luxus. Und doch sind die Arbeiten nicht ganz freiwillig.

Im November 2016 brach im Vorraum des Gotteshauses ein Feuer aus. Zwar konnten die Flammen schnell gelöscht werden. „Aber es war überall Ruß“, erinnert sich Werner Rauber vom Pfarrverwaltungsrat St. Stephanus an den Anblick von damals zurück. Laut Gutachten sei es Brandstiftung gewesen. „Ein Dekoartikel wurde in Brand gesetzt“, sagt Rauber. Ob aus Vorsatz oder unbeabsichtigt – diese Frage sei nicht endgültig geklärt worden. Doch bleibt da ein Gefühl. „Ein paar Tage später brannte eine Hecke hinter der Kirche“, sagt Rauber. Ein Schaden sei dort aber nicht entstanden.



Der frische, helle Anstrich lässt die Wände des Gotteshauses strahlen. Die Blumen-Ornamente an der Decke treten leuchtend hervor. Auch sie wurden mit frischer Farbe bearbeitet. Dass dies alles wieder so schön aussieht, sei „Knochenarbeit“ gewesen, wie Mörsdorf berichtet. „Mit kleinen Schwämmchen wurden die Wände Stück für Stück gereinigt. Erst dann konnte gestrichen werden.“ Außerdem musste ein Wasserschaden behoben werden. Werner Rauber deutet auf einen Teil der Wand oberhalb einer Säule. Dort sei die Feuchtigkeit deutlich zu sehen gewesen. „Bis bei einer solchen Größe eine undichte Stelle am Dach bemerkt wird, ist der Schaden schon groß.“

Wie bei Baustellen üblich, sei man auch in Oberthal während der Arbeiten auf weitere Aufgaben gestoßen. Die Elektroanschlüsse seien uralt gewesen: Kupferdrähte mit Stoffummantelungen wie es typisch war in den 1950er-Jahren. „Das haben wir alles neu gemacht“, sagt Rauber. Neben einem modernen Anschluss für die Orgel muss diese auch komplett gereinigt werden. Sie sei von Rauch und Ruß ebenso wie die Kreuzweg-Bilder stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Alle Arbeiten schlagen summa summarum mit 600 000 Euro zu Buche. Die Kosten verteilen sich auf das Bistum Trier, die Versicherung und die Kirchengemeinde. „Wir rechnen mit einem Eigenanteil von etwa 150 000 Euro“, sagt Mörsdorf. In dieser Summe noch nicht enthalten seien Zusatzarbeiten, die der Pfarrverwaltungsrat beschlossen habe. So soll – die Genehmigung des Bistums vorausgesetzt – der Altar weiter nach vorne gerückt werden, damit der Pfarrer näher an der Gemeinde sei. „Mehrere Zelebranten haben beklagt, dass sie so weit weg sind von den Gläubigen“, weiß Rauber. Auch die übrige Gestaltung des Altarraums steht noch aus.

Was den weiteren Zeitplan betrifft, so geht Mörsdorf davon aus, dass nach den Sommerferien alle Arbeiten in der neugotischen Kirche abgeschlossen sind. Dann stünden die Arbeiten an der Orgel an. „Zur Intonation braucht es absolute Ruhe“, sagt Mörsdorf.

Auf Infotafeln im Rathaus hält Werner Rauber die Menschen mit aktuellen Fotos über die Renovierungsfortschritte auf dem Laufenden. Damit der Einweihungstermin am 16. September auch eingehalten werden kann, legen die beiden Mitglieder im Pfarrverwaltungsrat auch mal selbst Hand an. So hat Werner Rauber die Leuchter von der Decke genommen und gesäubert. „Acht Stunden habe ich allein an einem geputzt“, sagt er und betrachtet kritisch seine Arbeit. Wenn sich endlich wieder Gläubige zum Gottesdienst in St. Stephanus treffen, dann fällt Mörsdorf, wie er sagt, ein Stein vom Herzen – und das sei dann kein Kieselstein.

Um den Eigenanteil für die Renovierung stemmen zu können, hofft der Pfarrverwaltungsrat St. Stephanus auf Spenden: katholische Kirchengemeinde St. Stephanus Oberthal,
IBAN: DE42 5925 1020 0059 0778 75, BIC: SALADE51WND.

Mit vorsichtigem Pinselstrich wurde an den Ornamenten an den Säulen und der Decke der Kirche gearbeitet.
Mit vorsichtigem Pinselstrich wurde an den Ornamenten an den Säulen und der Decke der Kirche gearbeitet. FOTO: Werner Rauber
Blick auf die Kirche St. Stephanus in Oberthal. Nach einem Brand im November 2016 laufen noch die Renovierungsarbeiten. Die Einweihung ist für 16. September geplant.
Blick auf die Kirche St. Stephanus in Oberthal. Nach einem Brand im November 2016 laufen noch die Renovierungsarbeiten. Die Einweihung ist für 16. September geplant. FOTO: Evelyn Schneider
Eine Zeitlang war die Kirche komplett eingerüstet.
Eine Zeitlang war die Kirche komplett eingerüstet. FOTO: Werner Rauber
Besprechung: Werner Rauber (links) und Hans-Herbert Mörsdorf.
Besprechung: Werner Rauber (links) und Hans-Herbert Mörsdorf. FOTO: Evelyn Schneider