| 18:03 Uhr

SZ-Radtour
Regen? Was kümmert’s den Radler

120 Teilnehmer kamen am Samstag zur 20. SZ-Radtour. Dieses Mal erkundeten sie die Region rund um Oberthal.

Dunkle Wolken schieben sich schadenfroh den Himmel entlang. Regentropfen schießen wie Pfeile auf die Erde herab. Treffen die Gesichter der 120 Radfahrer. Sie alle haben sich am Samstagmorgen trotz des miesen Wetters zur SZ-Radtour vorm Feuerwehrgerätehaus in Oberthal versammelt. „Das ist die 20. Tour, sie ist 20 Kilometer lang und heute soll es bis zu 20 Grad warm werden“, scherzt Bürgermeister Stephan Rausch (CDU) und motiviert die Teilnehmer: „Außerdem sollen nur 20 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.“ Auch Landrat Udo Recktenwald (CDU) und SZ-Regionalleiter Volker Fuchs haben ihre Rad- 
trikots übergezogen und begrüßen die Sportler. Dabei stellt sich heraus: Für die Herren ist die Tour eine Premiere. Die drei sitzen dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Drahtesel. „Aus taktischen Gründen werden wir uns hinten im Feld einordnen“, stellt Bürgermeister Rausch vorm Start klar. Und los geht’s.



Der Polizist Ralf Kartes und sein Kollege regelten den Verkehr.
Der Polizist Ralf Kartes und sein Kollege regelten den Verkehr. FOTO: Bonenberger / B&K

11.13 Uhr: „Auf die Plätze, fertig, los“, ruft Fuchs in die Menge, „und viel Spaß.“ Das Feld setzt sich in Bewegung. Gemeinsam überqueren alle die Landstraße  und fahren anschließend auf die ehemalige Bahntrasse, den Wendelinusweg, in Richtung Kreisstadt.

Dieser Teilnehmer schützt sich mit einem riesigen Mantel vorm Regen.
Dieser Teilnehmer schützt sich mit einem riesigen Mantel vorm Regen. FOTO: Bonenberger / B&K

Die Sportler versammelten sich zum Start vorm Feuerwehrgerätehaus.
Die Sportler versammelten sich zum Start vorm Feuerwehrgerätehaus. FOTO: Franz Rudolf Klos / B & K

11.20 Uhr: Am Morgen dieses kalten Spätsommertages sorgen die bunten Jacken und Helme für ein bisschen Farbe in der grauen Landschaft. Unter einer kleinen Brücke legen die ersten Radler einen Stopp ein, verhüllen ihre Rucksäcke mit wasserdichten Planen.

Die Strecke führte auch am Sonnenblumenfeld in Baltersweiler vorbei.
Die Strecke führte auch am Sonnenblumenfeld in Baltersweiler vorbei. FOTO: Bonenberger / B&K

Hier radeln die Sportler auf der ehemaligen Bahntrasse in Oberthal.
Hier radeln die Sportler auf der ehemaligen Bahntrasse in Oberthal. FOTO: Bonenberger / B&K

11.24 Uhr: An der Kompostieranlage müssen sich die Teilnehmer links halten und über einen Wirtschaftsweg nach Güdesweiler radeln. Über die Feldstraße geht es weiter zur Dorfstraße, vorbei am Weiher der Angel- und Traktorfreunde. Hans-Jürgen Born strampelt gut gelaunt auf seinem Elektro-Rad. „Für mich ist das Wetter kein Problem“, sagt der 73-Jährige. Er ist zum ersten Mal bei der SZ-Radtour dabei. „Ich denke, dass ich die Strecke locker schaffen werde“, verkündet Born. Und für den Notfall habe er ja noch einen Motor.

Mit Regenjacken ausgestattet machten sich die 120 Teilnehmer auf den Weg. 20 Kilometer radelten sie durch Oberthal, Güdesweiler und Baltersweiler.
Mit Regenjacken ausgestattet machten sich die 120 Teilnehmer auf den Weg. 20 Kilometer radelten sie durch Oberthal, Güdesweiler und Baltersweiler. FOTO: Bonenberger / B&K

Die Radler versammelten sich nach der Tour im Feuerwehrhaus. Dort verkauften die Vereine Kaffee, Kuchen, Getränke und Würstchen.
Die Radler versammelten sich nach der Tour im Feuerwehrhaus. Dort verkauften die Vereine Kaffee, Kuchen, Getränke und Würstchen. FOTO: Bonenberger / B&K

11.41 Uhr: Ein kleiner Fehler beim Schalten hat Norbert Brust den Schwung gekostet. Der 67-Jährige schiebt seinen Drahtesel den Feldwirtschaftsweg zur Güdesweiler Kapelle hinauf. „Für mich ist diese Tour ein Ansporn, endlich mal wieder auf’s Rad zu steigen“, erklärt Brust. Ihm gefalle es, in so einer großen Gruppe zu fahren.

Musikalischer Empfang durch die Trachtenkapelle Gronig.
Musikalischer Empfang durch die Trachtenkapelle Gronig. FOTO: Bonenberger / B&K

Button SZ-Radtour 2017
Button SZ-Radtour 2017 FOTO: Volker Fuchs

11.47 Uhr: „Papa, da kommen noch mehr“, ruft Marie Kartes. Die 15-Jährige hat heute die Aufgabe als Hilfs-Polizistin übernommen. Ihr Vater und dessen Kollege, Albert Feidt, von der St. Wendeler Polizei regeln während der SZ-Radtour den Verkehr. „Papa hat gefragt, ob ich mitzukommen will. Da habe ich gleich Ja gesagt“, erzählt die Schülerin.  Um vor der Gruppe an den entsprechenden Straßen zu stehen, fahren sie und die beiden Polizisten eine andere Strecke. „Die ist kürzer, aber trotzdem anstrengender“, erzählt Marie.

11.56 Uhr: Endlich. Kein Regen mehr.

12.02 Uhr: Pause. Gut die Hälfte hat die Gruppe hinter sich. An einer Verpflegungsstation des Mountainbike-Vereins Bergradler Ober- 
thal gibt es Bananen, Sprudel und Apfelschorle. Zwei Kisten Obst und etwa 30 Getränkekasten stehen bereit. „Bei uns muss keiner verhungern oder verdursten“, sagt Joachim Mörsdorf. Und wie schätzt der Profi die Verfassung der Teilnehmer ein? „Es machen noch alle einen fitten Eindruck. Die E-Biker waren sogar vor den Tour-Leitern hier.“

12.22 Uhr: Aus und vorbei. Für Anton Feidt – mit 84 Jahren der älteste Teilnehmer – ist die Tour beendet. Sein Elektro-Rad hat den Geist aufgegeben. Während drei Helfer versuchen, das Gefährt wieder zum Laufen zu bringen, erzählt Feidt: „Vergangenes Jahr bin ich 2000 Kilometer mit dem Rad gefahren. Das schaffe ich dieses Jahr wieder.“ Sein Geheimnis, um fit zu bleiben?  „Man muss sich möglichst viel bewegen.“

12.30 Uhr: Endspurt. An der Skulpturenstraße vorbei radeln die Sportler wieder auf den Wendelinusweg. Das Feld hat sich mittlerweile weit auseinander gezogen. „Das ist völlig normal bei so einer großen Gruppe“, sagt Kurt Noll. Er ist Vorsitzender der Bergradler und hat die Strecke mit ausgesucht. „Wir haben darauf geachtet, dass sie möglichst wenig Anstiege hat und familienfreundlich ist“, erklärt er. Mehrmals sind er und seine Vereinskameraden die Tour bereits abgefahren, haben 40 Hinweisschilder aufgehängt.

12.40 Uhr: Einige Sportler stoppen am Hindernisparcours in Oberthal. Dort trainieren die Kinder. Sie haben eine eigene Tour gemacht. Für sie ging es zunächst Richtung Tholey, dann durch den Wareswald zurück nach Oberthal.

12.45 Uhr: Geschafft. Nach rund 90 Minuten erreichen auch die letzten Teilnehmer das Ziel. Einige ziehen sich um, andere stürmen direkt zum Würstchenverkauf der Feuerwehr. Im Gerätehaus können sich die Sportler aufwärmen und die Tour Revue passieren lassen.

13 Uhr: Die Trachtenkapelle Gronig gibt alles. Da wippen die inzwischen wieder trockenen Füße mit.

13.10 Uhr: Der Oberthaler Hermann Scharf ist zufrieden.  Er verkauft Kuchen für die Indienhilfe und verkündet stolz: „Mehr als die Hälfte ist schon weg.“

13.20 Uhr: Auch Silke Wagner und ihr Kollege Dieter Klee gönnen sich eine Tasse Kaffee. Die beiden sind Mitglieder beim Deutschen Roten Kreuz Steinberg-Deckenhardt und waren für die medizinische Versorgung der Sportler verantwortlich. Helfen mussten sie bei der Tour nur einmal. „Das E-Bike eines älteren Herren ist kaputt gegangen. Wir haben ihn und sein Rad nach Hause gefahren“, berichtet Wagner und fügt hinzu: „Wir sind immer froh, wenn wir nicht gebraucht werden.“

14.15 Uhr: Die meisten Teilnehmer machen sich auf den Heimweg. Unter ihnen auch Gerd Wohlschlegel aus Kleinblittersdorf. Er fasst die 20. SZ-Radtour noch einmal zusammen: „Dank der guten Strukturierung hier und der Betreuung der Vereine war das eine gelungene Fahrt. Trotz des Regens. Aber ein echter Radler fährt auch bei Regen gerne.“

Das könnte Sie auch interessieren