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| 20:42 Uhr

Fahrkartenstreit
Behindertenausweis als Bus-Ticket gültig?

Schwerbehinderte brauchen auch künftig keine gechipte Fahrkarte, um in Saar-Mobil-Bussen mitfahren zu dürfen.
Schwerbehinderte brauchen auch künftig keine gechipte Fahrkarte, um in Saar-Mobil-Bussen mitfahren zu dürfen. FOTO: Thorsten Wolf
Oberthal. Busfahrer verlangte von Schwerbehinderter einen Fahrschein, den es so gar nicht gibt. Saar-Mobil spricht von Fehlinterpretation. Von Thorsten Grim

Helga Schweig aus Oberthal hat eine Augenerkrankung, weshalb ihre Sehfähigkeit stark eingeschränkt ist. Zudem leidet sie an Epilepsie. Darum darf sie kein Auto fahren. Dafür besitzt sie einen Schwerbehindertenausweis. In diesen Ausweis eingeklebt ist ein Wertmärkchen. Das hat 82 Euro gekostet und ist bis Oktober 2018 gültig. Der Ausweis samt Wertmärkchen, das es beim Landesamt für Soziales in Saarbrücken gibt, berechtigt sie, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen, ohne dass sie etwas zuzahlen muss. Doch an einem Samstag im Dezember ist plötzlich alles anders.

„Ich wollte mit dem Bus von St. Wendel nach Oberthal fahren und bin um 12.31 Uhr in den entsprechenden Bus eingestiegen“, berichtet Schweig. Die Ausweishülle hat sie aufgeklappt, sodass der Schwerbehindertenausweis mit dem gültigen Wertmärkchen gut zu sehen ist. Wie sonst auch grüßt sie den Busfahrer, zeigt ihren Ausweis vor und will durchgehen, um sich einen Platz zu suchen. Doch so einfach wie sonst geht das dieses Mal nicht. „Der Fahrer hat mich zurückgerufen und mir erklärt, dass mein Ausweis nicht mehr gültig ist. Ich bräuchte einen Fahrausweis mit einem elektronischen Chip“, erzählt die Frau.

Ersteinmal sei sie völlig perplex gewesen, da sie damit überhaupt nicht gerechnet hat. Dann kriecht ihr langsam die Schamesröte ins Gesicht. „Obwohl ich ja eigentlich nichts falsch gemacht habe“, ist sie überzeugt. Aber die Leute gucken halt, und das ist ihr äußerst unangenehm. Sie senkt den Kopf und geht einfach weiter, sucht sich einen Sitzplatz. Dort setzt sie sich hin und wartet ab, ob der Busfahrer noch etwas sagt. Doch so wichtig ist es ihm dann scheinbar doch nicht. Jedenfalls lässt er Helga Schweig in Ruhe und fährt ab.

Während der Busfahrt grübelt die Oberthalerin: Hat sie etwas falsch gemacht? Ist der Ausweis tatsächlich ungültig? Hätte sie nicht einfach durchgehen sollen? Und was ist, wenn jetzt ein Kontrolleur kommt? Muss sie dann Strafe zahlen? Je länger ihre Gedanken kreisen, umso mehr ärgert sie sich. Als sie daheim ankommt, ist ihr Unmut so richtig hochgekocht. Doch es ist Wochenende und niemand ist erreichbar, der sich ihre Beschwerde anhören könnte. Also wartet sie bis Montag. Am Morgen stattet sie dem Rondell am Bahnhof einen Besuch ab und erzählt ihre Geschichte. Man legt ihr einen Beschwerdebogen vor, den sie ausfüllt. Ob es tatsächlich so ist, dass sie einen neuen Fahrausweis mit Chip braucht, „dazu hat mir im Rondell niemand etwas gesagt“. Also geht sie zur Lokalredaktion der Saarbrücker Zeitung und erzählt ihre Geschichte.

Anruf bei Saar-Mobil. Gibt es einen neuen Fahrausweis für Behinderte? „Nein, den gibt es nicht“, erklärt Saar-Mobil-Geschäftsführer Arne Bach. „Die Aussage des Busfahrers beruht auf einer Fehlinterpretation.“ Der saarländische Verkehrsverbund SaarVV habe in den zurückliegenden Monaten Dauerfahrkarten auf sogenante E-Tickets umgestellt. Das bedeutet, dass beispielsweise Wochen- oder Monatskarten inzwischen mit einem elektronischen Chip ausgestattet sind. Wenn man in einen Bus einsteigt, muss man die Karte auf den Fahrscheindrucker auflegen. Kommt ein grünes Licht, ist die Fahrkarte gültig. Leuchtet ein rotes auf, ist sie ungültig.

„Kürzlich kam nun eine Anweisung, dass jetzt alle Karten umgestellt und nur noch diese E-Tickets gültig seien“, erklärt Bach. Das gelte jedoch nicht für Schwerbehindertenausweise. „Dass Frau Schweig ihren Ausweis umtauschen muss, ist nicht richtig. Sie kann ihn behalten und er ist auch weiterhin im öffentlichen Personennahverkehr gültig. Das war wie gesagt eine Fehlinterpretation seitens des Busfahrers, und wir haben uns inzwischen auch bei der Frau entschuldigt.“