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Nationalparkbahn
Trassenbegehung auf Schusters Rappen

 Erster Stopp kurz hinter dem Bahnübergang in Türkismühle. Links liegen die Gleise der Hochwaldbahn, rechts wäre Platz für einen Radweg.
Erster Stopp kurz hinter dem Bahnübergang in Türkismühle. Links liegen die Gleise der Hochwaldbahn, rechts wäre Platz für einen Radweg. FOTO: Thorsten Grim
Tükismühle. Die IG Nationalparkbahn hatte zur Begehung der Hochwaldstrecke zwischen Türkismühle und Nonnweiler geladen. Von Thorsten Grim

Ist der Termin unglücklich gewählt? Oder mangelt es den angeschriebenen Verwaltungschefs schlicht an Interesse? So oder so: Fakt ist, dass niemand da ist. Weder der Nonnweiler Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos), noch sein Nohfelder Amtskollkege Andreas Veit (CDU). St. Wendels Landrat Udo Recktenwald (CDU) glänzt ebenfalls durch Abwesenheit. Auch Vertreter haben die Lokalpolitiker keine nach Türkismühle geschickt, wohin die Interessengemeinschaft IG Nationalparkbahn zum Ortstermin geladen hat. „Obwohl wir alle angeschrieben haben“, berichtet Patrik Pandel, stellvertretender IG-Vorsitzender.


Die Nationalparkbahn-Aktivisten kämpfen für den Erhalt des Schienenstrangs zwischen Türkismühle und Nonnweiler-Bierfeld und avisieren eine spätere Reaktivierung der Bahnlinie für einen sogenannten Tourismusverkehr. Einen Radweg, den sowohl Landesregierung als auch Landkreis und Kommunen auf dieser Strecke wollen, möchten die Mitglieder der IG auch. Allerdings neben der Bahn, während die Politik auf Ausschließlichkeit setzt: Die Gleise sollen zugunsten des künftigen Freizeitweges herausgerissen werden – für ein Nebeneinander von Bahnlinie und Radweg sei kein Platz. „Immer wieder wird behauptet, dass ein Radweg nicht neben die Bahnstrecke Türkismühle-Nonnweiler passt, da das Gleis in die Mitte verschwenkt wurde“, weiß Nationalparkbahn-Aktivist Pandel zu berichten. „Das wollen wir bei der Begehung widerlegen und über unseren alternativen Radwegplan informieren.“ Darum der Vor-Ort-Termin.

Christoph Türk von der IG vermutet, dass die geladenen Politiker deshalb nicht gekommen seien, „weil sie sich dann mit Tatsachen auseinandersetzen müssten und nicht mehr irgendwelche Dinge behaupten könnten, die mit der Realität nur wenig zu tun haben“. Damit meint er zuvorderst die vermeintliche Eingleisigkeit der Strecke – bei der Begehung wird jedoch schnell klar, dass das Planum nach wie vor zweigleisig und breit genug für sowohl Freizeit- als auch Schienenweg ist. Kritik übt die IG auch an den aus ihrer Sicht teils phantastischen Zahlen, die in Bezug auf die Kosten für die Umwandlung des Schienen- in einen reinen Freizeitweg kursieren, beziehungsweise was es mehr kosten würde, beides nebeneinander zu erhalten. „Da wird dann etwa behauptet, dass für Millionen Euros Bahnhöfe und Signalanlagen neu gebaut werden müssten. Dabei werden Zahlen aus dem Schienenpersonennahverkehr genannt – die hier aber einfach nicht richtig sind, weil es sich um eine Tourismusbahn handeln würde, für die ganz andere Voraussetzungen gelten“, sagt Erhard Pitzius von der saarländischen Sektion des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Wie die IG Nationalparkbahn plädiert auch der VCD für ein nebeneinander von Freizeit- und Schienenweg.



Zwar sind keine politischen Entscheidungsträger zur Streckenbegehung gekommen, aber doch der eine oder andere interessierte Bürger. Rund 30 Männer und Frauen machen sich am Samstagmorgen nach einer kurzen Begrüßungsrede durch Pandel auf die rund 13 Kilometer lange Gleisstrecke. Die führt von der Weiche im Türkismühler Bahnhof über Gonnesweiler, Eckelhausen, Sötern, Schwarzenbach und Otzenhausen bis nach Nonnweiler. Schwelle für Schwelle. Die bestehen überwiegend aus Eisen. „Lediglich an Bahnübergängen oder auf Brücken wurden Holzschwellen verbaut“, sagt Pandel. Dass die Gleisträger fast allesamt aus Metall sind, ist deshalb erwähnenswert, weil es bedeutet, dass sich die Kosten für eine Sanierung in überschaubaren Grenzen halten würden. „Die Gleisanlage ist insgesamt in einem sehr guten Zustand“, berichtet der Bahn-Aktivist. Wer die Streckenbegehung mitmacht, kann sich mit eigenen Augen davon überzeugen.

Noch ist die Bahnstrecke im Besitz der Deutschen Bahn, die verhandelt aktuell aber mit der Naturlandstiftung Saar. Diese, beziehungsweise deren Tochter Ökoflächen-Management GmbH, will die komplette Strecke übernehmen und hernach an die anliegenden Gemeinden verpachten. Was meint die Naturlandstiftung zu den Plänen der IG-Nationalparkbahn? „Dazu kann ich wenig sagen“, erklärt deren Vorsitzender Eberhard Veith. „Wir sind ein Dienstleister und haben vom Landkreis den Auftrag erhalten, mit der Bahn Verkaufsverhandlungen zu führen.“ Geschuldet sei dies den guten Kontakten, die die Naturlandstiftung zur Bahn unterhält. Die Gespräche seien bereits weit gediehen und man sei „relativ nah beisammen“. Allerdings: „Da wir vom Landkreis noch nicht den offiziellen Auftrag zum Ankauf haben, können wir noch nicht in die Schlussverhandlungen gehen. Wir gehen aber davon aus, dass wir Ende dieses, spätestens Anfang kommenden Jahres zu einer Lösung kommen werden.“ Sprich, den Kauf der Strecke unter Dach und Fach bringen werden. Für welche Summe, darüber möchte Veith keine Angaben machen. Grundsätzlich sieht er den geplanten Freizeitweg „als touristisches Highlight und gute Sache“ an.

Diese Sicht teilt bei der IG niemand. Dort denkt man, dass Radfahren und Tourismusbahnbetrieb sich ergänzen können und sollen. Als gutes Beispiel gilt ihnen die Ilztalbahn im Nationalpark Bayrischer Wald. Genau wie die Hochwaldbahn sollte diese Bahnstrecke zu einem Radweg umgebaut werden, was durch das Engagement der Freunde der Ilztalbahn im letzten Moment verhindert werden konnte. Nach der Reaktivierung würde die Bahn sehr gut angenommen. Inzwischen seien bis zu 40 000 Fahrgäste pro Saison mit der Bahn unterwegs. „Und“, wie Erhard Pitzius vom VCD-Saar erläutert, „um auch die Radfahrer in dieses System eines ökologischen Verkehrssystems im Nationalpark Bayerischer Wald einzubinden, hat der VCD Passau/Freyung-Grafenau ein Radwegekonzept ergänzend zur Bahn vorgestellt.“ Unterstützung habe der VCD-Bayern durch den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC erfahren, „der sich leider im Saarland nicht für den Erhalt der Bahnstrecke einsetzt“.

 Platz ist reichlich auf dem für zwei Gleise angelegten Planum. Das demonstrierte die IG Nationalparkbahn bei der Streckenbegehung.
Platz ist reichlich auf dem für zwei Gleise angelegten Planum. Das demonstrierte die IG Nationalparkbahn bei der Streckenbegehung. FOTO: Pitzius/IG Nationalparkbahn
 Das Viadukt bei Nonnweiler gilt als sanierungsbedürftig – unabhängig davon, ob Züge oder Fahrräder darüber fahren. Welche Summe investiert werden muss, damit der Verkehrssicherung genüge getan wird, ist jedoch strittig.
Das Viadukt bei Nonnweiler gilt als sanierungsbedürftig – unabhängig davon, ob Züge oder Fahrräder darüber fahren. Welche Summe investiert werden muss, damit der Verkehrssicherung genüge getan wird, ist jedoch strittig. FOTO: THorsten Grim / Thorsten Grim