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Theater
Sie ziehen dem Tyrannen den Zahn

Nach soviel Aufregung steht selbst „Der Tyrann“ auf ein Happy End. Der Bürgermeister (Matthias Nickels) mit seiner Frau Erna (Manuela Klauck) gibt seiner Tochter Lisa (Katja Kirstein) und Freund Peter (Tom Polzer) den Segen zur Hochzeit.
Nach soviel Aufregung steht selbst „Der Tyrann“ auf ein Happy End. Der Bürgermeister (Matthias Nickels) mit seiner Frau Erna (Manuela Klauck) gibt seiner Tochter Lisa (Katja Kirstein) und Freund Peter (Tom Polzer) den Segen zur Hochzeit. FOTO: Erich Brücker
Sitzerath. „Der Tyrann“ heißt das neue Stuck des Theatervereins Siezert. Das Publikum hatte seinen Spaß an der turbulenten Komödie. Von Erich Brücker

Alle fünf Aufführungen waren restlos ausverkauft“, schnalzte Birgit Kittel, die Vorsitzende vom Theaterverein Siezert, sichtlich zufrieden mit der Zunge. Mit den Aufführungen zu „Der Tyrann“ hatten die Laienspieler auch im 25. Jahr den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Theaterbesucher kamen in Strömen, nicht nur aus Sitzerath, sondern auch sehr zahlreich aus den umliegenden Dörfern und auch von befreundeten Theatervereinen. Unzählige Vorhänge und lautstarker Applaus waren der Lohn für die sieben Mitspieler.


„Die wochenlangen Proben haben sich gelohnt. Alles alte Haudegen auf der Bühne, im Alter von 22 bis 79 Jahren, die ihr Handwerk bestens verstehen, dazu waren ihnen die Rollen wirklich auf den Leib geschrieben“, sagte Kittel. Alle hatten ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht, die Texte saßen und die Pointen trafen. Gestik und Mimik sorgten für eine kurzweilige Unterhaltung und viele Lacher im Publikum. Nahezu vom ersten bis zum letzten Satz war der Bürgermeister im Spiel. „Diese Rolle verlangte, viel Text auswendig zu lernen, aber unser Matthias Nickels hat das souverän hingekriegt, keine Hänger“, hob die Regisseurin hervor, ohne die Leistung der übrigen Mitspieler schmälern zu wollen. Auch sein Freund Fritz Hoßbein, alias Michael Müller, der wie so oft schon mal in eine Frauenrolle schlüpfen musste, diesmal in die der Bauchtänzerin Sherazan, glänzte auch „volltrunken“.

Begonnen hatte alles mit den Vorbereitungen zum 50. Geburtstag des Bürgermeisters, der ein herrschsüchtiger und scheinheiliger Patriarch war, ein Tyrann eben, der zu allen grob war. Er behandelte neben seiner Putzfrau Rosalinde (Michaele Quinten), die weniger ihrer eigentlichen Arbeit, umso mehr aber ihrer Lieblingsbeschäftigung Lauschen und Tratschen nachging, auch seine bei ihm im Amt beschäftigte Tochter Lisa (Katja Kirstein) und Ehefrau Erna (Manuela Klauck) schlecht. Letztere, zunächst gutmütig, wandelte sich zu einer resoluten Frau, die sich nichts gefallen lässt. Da setzte es auch schon mal Hiebe für den Gemahl.



In Eugen Schäufele (Hans Groß, 79 Jahre alt) und Fritz Hoßbein (Michael Müller) hatte der Bürgermeister zwar Freunde, aber deshalb brauchte er sich um Feinde nicht zu bemühen. Die Putzfrau steckte dem Bürgermeister, dass seine Tochter den von ihm verhassten nachbarlichen Bürgermeistersohn Peter Bacher (Tom Polzer) heiraten wolle. Das gab Ärger für Lisa. Albert, nur noch Ali Papa gerufen, verlangte, dass sie dieses Verhältnis sofort beenden sollte. Er bereute es mal wieder, keinen Sohn statt einer Tochter zu haben. Mit Freund Peter drehte Lisa dem Bürgermeister aber einen gewaltigen Strick. Angeblich hatte er früher in Saudi Arabien ein Techtelmechtel mit einer Haremsdame Leila.

Lisas Freund Peter schlüpfte in das Kostüm eines arabischen Scheichs und gab sich als Lailas Sohn aus. Albert fiel aus allen Wolken, als er erkannte, welche Schwierigkeiten ein solcher Sohn bringt. Er wollte die Identität seines vermeintlichen Sohns vertuschen, hetzte ihm die Bauchtänzerin Sherazan auf den Pelz, um den Sohn wieder loszuwerden. Sherazan vermasselte dies und der Bürgermeister wünschte sich nichts sehnlicher als wieder nur eine Tochter zu haben. Er lobte den nicht willkommenen Schwiegersohn über den Klee, versprach ihn sogar seiner Tochter, nur um den Scheich los zu werden. Er würde sogar auf sein Amt verzichten, würde am liebsten in einem Mauseloch versinken. Als dann endlich das dubiose Verwandtschaftsverhältnis aufgeklärt wurde, und Scheich Peter in Wirklichkeit der Sohn des Nachbarbürgermeisters war, den er ja seiner Tochter zu heiraten sehr nahegelegt hatte, gab er den Segen letztendlich zu der Hochzeit. Ein Schwiegersohn war ihm allemal lieber, als ein „richtiger“ Sohn aus Saudi Arabien.

Peter (Tom Polzer), der einen arabischen Scheich mimt, soll von Bauchtänzerin Sherazan (Michael Müller) verführt werden. Doch klappt das nicht wirklich.
Peter (Tom Polzer), der einen arabischen Scheich mimt, soll von Bauchtänzerin Sherazan (Michael Müller) verführt werden. Doch klappt das nicht wirklich. FOTO: Erich Brücker