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Leser-Reporter
Personennahverkehr: Wabensystem mit etlichen Tücken

Symbolfoto: Stefan Sauer/dpa
Symbolfoto: Stefan Sauer/dpa FOTO: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa / Stefan Sauer
Otzenhausen. Busverbindung zwischen Nonnweiler und Wadern bereitet Schülern Probleme. Busunternehmen und Landkreis erarbeiten neues Ticket-Modell Von Sarah Konrad

Erdrückend viele Hausaufgaben, regelmäßige Leistungsüberprüfungen und nervige Lehrer – so ein Schultag kann ganz schön anstrengend sein. Für einen elfjährigen Jungen aus Otzenhausen kommt noch ein weiterer Stressfaktor hinzu: die Busverbindung zu seiner Schule.


Der Sechstklässler besucht die Ganztagsschule des Waderner Gymnasiums. Sein Unterricht endet täglich um 16 Uhr. Anschließend fährt er mit dem Bus nach Hause. Und genau hier liegt das Problem. Ein vergünstigtes Schüler-Landkreis-Ticket kommt für ihn nicht infrage. Er benötigt eine andere Fahrkarte, deren Preis sich im Saarland danach richtet wie viele Waben durchfahren werden. „Mit dem Schulbusticket für 65 Euro im Monat darf er vier Waben durchqueren“, erklärt seine Mutter Sabine Niederprüm. Das heißt, er kann von Wadern nur über Sitzerath nach Otzenhausen fahren. Diese Verbindung hat aber eine Tücke: Der Elfjährige muss in Sitzerath umsteigen und etwa eine Stunde auf den Anschluss-Bus warten..Täglich verlorene Zeit Er ist dann erst um 18.24 Uhr daheim.

Das möchte Sabine Niederprüm ihrem Sohn nicht zumuten. Sie sucht nach einer alternativen Verbindung und wird fündig. Es gibt einen Bus, der über Primstal fährt und bereits um 17.15 Uhr in Otzenhausen ankommt.



Der Knackpunkt: Dazu muss der Schüler allerdings sechs Waben durchqueren – und die sind nicht in dem Ticket für 65 Euro enthalten. Niederprüm kauft ihrem Sohn daher eine zusätzliche Fahrkarte für 87 Euro pro Monat.

Das ärgert sie. „Es kann doch nicht sein, dass Kinder, die die Ganztagsschule besuchen bei der Busplanung einfach vergessen werden“, ist Niederprüm empört. Seit einem Jahr kämpft sie gemeinsam mit anderen Eltern für günstigere Schülertickets. Doch Nachfragen bei dem Busunternehmen Saar-Mobil und beim Saarländischen Verkehrsverbund hätten keine Wirkung gezeigt. Hilfesuchend wendet sie sich daher an die Saarbrücker Zeitung.

Eine Nachfrage bei Saar-Mobil bringt Aufklärung. „Bedauerlicherweise wurde der Kundin eine falsche Auskunft gegeben. Eine zusätzliche Fahrkarte ist nicht notwendig“, teilt deren Sprecher Arne Bach mit. Die geplanten Fahrplananpassungen auf der Strecke Nonnweiler-Sitzerath-Wadern zum Schuljahresbeginn seien nicht umsetzbar gewesen und es sei keine nutzbare Verbindung für Schüler vorhanden gewesen. Daher haben das Busunternehmen und der Landkreis St. Wendel nun zusammen ein neues Ticket-Modell erarbeitet. „Die neu ausgegebenen Fahrkarten zum reduzierten Preis gelten zurzeit für beide Wege“, sagt Bach.  Dadurch sinkt der Monatsticketpreis um 22 Euro. Die Schüler müssen nun nicht mehr die 87 Euro teure Monatskarte kaufen. Sie können mit dem Ticket für 65 Euro sechs statt vier Waben durchqueren und die Strecke Nonnweiler-Sitzerath-Wadern sowie Nonnweiler-Primstal-Wadern  zurücklegen.

Darüber hinaus hat Saar-Mobil seit Montag für Schüler, die in Wadern die Nachmittagsbetreuung besuchen, eine neue Fahrtmöglichkeit eingerichtet. Diese führt über Sitzerath, allerdings ohne Wartezeit auf einen Anschluss-Bus. „Damit sind die Schüler mehr als 30 Minuten früher zu Hause als mit der bisherigen Verbindung über Primstal“, sagt Bach.

Über diese Verbesserung  freut sich Familie Niederprüm. Sie hat mittlerweile auch das Geld für die teurere Busfahrkarte wieder zurückbekommen. Und noch eine positive Nachricht gibt es aus Otzenhausen zu hören. „Dadurch, dass mein Sohn jetzt früher zu Hause ist, kann er endlich  wieder ins Fußballtraining.“