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Neue Scherbe fürs Kelten-Puzzle

Otzenhausen. Stolz hält Thomas Fritsch eine handflächengroße Tonscherbe in die Höhe, die vor vielen, vielen Jahren einmal Teil eines Gefäßes gewesen sein könnte Von SZ-Redakteur Rainer Ulm

Otzenhausen. Stolz hält Thomas Fritsch eine handflächengroße Tonscherbe in die Höhe, die vor vielen, vielen Jahren einmal Teil eines Gefäßes gewesen sein könnte. Der Grabungsleiter auf dem keltischen Ringwall "Hunnenring" auf dem südwestlichen Sporn des Dollberges bei Otzenhausen kündigt an, aus diesem Überbleibsel und möglicherweise weiteren dazu passenden Fundstücken in absehbarer Zeit einen vorzeitlichen Topf oder Krug rekonstruieren zu wollen. Zunächst aber wird die Scherbe - wie die vielen anderen Stücke aus dem fünften bis ersten Jahrhundert vor Christi, die hier in den vergangenen zehn Jahren Grabungszeit gefunden wurden - ans saarländische Landesdenkmalamt nach Landsweiler-Reden geschickt. "Und vielleicht ist der Tontopf demnächst am Fuße des Hunnenwalls in einem Ausstellungsraum im Keltendorf zu sehen", schaut Nonnweilers Bürgermeister Hans-Uwe Schneider (CDU) bei einem Lokaltermin anlässlich des zehnjährigen Grabungsjubiläums im Zentrum der einstigen Festung zuversichtlich in die Zukunft. 2011 könnten die Keltengehöfte, die den Behausungen der einstigen Siedler nachempfunden sind, nahe des Waldparkplatzes an der Ringwallstraße stehen, hofft der Verwaltungschef. Mit dem Bau eines, wie Schneider sagt, "Infrastrukturgebäudes", das 1,2 Millionen Euro kosten wird, soll bereits im nächsten Jahr begonnen werden. In ihm sollen Seminar-, Ausstellungs-, Werkstatträume und ein Bistro Platz finden. In dieses Gebäude könnte dann der aus der jetzt auf dem Ringwall gefundenen Scherbe rekonstruierte Topf sozusagen nach Hause zurückkehren und vielen Besuchern von der bewegten Vergangenheit des Ortes künden. Auf diesen Ort aufmerksam machen soll auch eine Toranlage, die am Hunnenring originalgetreu aus Stein und Holz errichtet wird - sobald das Geld da ist. Denn die Planungen für das Vorhaben sind bereits abgeschlossen, wie der Bürgermeister erzählt. "Die kreiseigene Grabungsgesellschaft Terrex leidet darunter, dass sie finanziell nicht so komfortabel ausgestattet ist", bestätigt der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald, der aber verspricht, das Grabungsprojekt weiterhin unterstützen zu wollen: "Das ist uns ein wichtiges Anliegen, weil es offenbart, wo unsere Wurzeln sind." Zumal das Vorhaben nicht nur kulturhistorisch, sondern auch touristisch "von Bedeutung" sei. Als ein "in ganz Europa einzigartiger Festungsbau der Kelten" bezeichnet denn auch Projekt-Leiter Fritsch den Hunnenring, auf dem es weiter zu arbeiten gelte, auch mit Hilfe der Mitarbeiter der St. Wendeler Initiative für Arbeit und Familie (Wiaf), die hier mit Werkzeugen und - wenn notwendig- mit bloßen Händen fleißig buddeln. Schließlich seien noch Fragen offen, sagt Fritsch - zum Beispiel: Wo wurden die Menschen, die hier mehrere Jahrhunderte siedelten, eigentlich beerdigt? Bisher sind noch keine Anzeichen dafür gefunden worden. Nun soll mit Detektoren intensiv nach möglichen Grabfeldern gesucht werden. Gleichwohl wird weiterhin Schicht für Schicht des Bodens sorgfältig abgetragen, Erde gesiebt, was Goldringe, Münzen und eben jüngst die Scherbe eines alten Topfes zutage förderte.



RückschauDas 1999 begründete Projekt geht auf eine Initiative der Nonnweiler Gemeindeverwaltung und des Konservatoramtes Saarbrücken zurück. Seit 2001 ist das Projekt Bestandteil der Gesellschaft zur Förderung der keltischen und römischen Denkmäler im Kreis St. Wendel (Terrex). In ihr haben sich die Gemeinden Marpingen, Nonnweiler, Oberthal und Tholey sowie der Landkreis St. Wendel zusammengeschossen. Archäologische Forschungsziele sind die Ergründung der Bedeutung des Hunnenrings und die Beleuchtung seines keltischen regionalen Umfelds. red