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Musik versteht alle Sprachen

Solist Daniel Roth (Bildmitte) mit dem Akkordeon. Fotos: Frank Faber
Solist Daniel Roth (Bildmitte) mit dem Akkordeon. Fotos: Frank Faber
Otzenhausen. Innerhalb von einer Woche sind 50 Musiker zwischen 16 und 27 Jahren aus acht Nationen zu einem europäischen Zupforchester zusammengewachsen. Das Abschlusskonzert findet an diesem Sonntag, 17 Uhr, in der Europäischen Akademie in Otzenhausen statt. Frank Faber

Zwei Jahre sind die Planungen für die Zusammenstellung des "Europäischen Gitarre-Mandolinen-Jugendorchesters" (EGMYO) gelaufen. Preisgekrönte Musiker aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Kroatien, den Niederlanden, Portugal, Spanien und Deutschland sind für das Ensemble ausgewählt worden. Eine Woche lang haben sie nun gemeinsam in der Europäischen Akademie in Otzenhausen geprobt. "Musik versteht sich als Sprache der europäischen Jugend", sagt der Projektleiter und Präsident des Bundes Deutscher Zupfmusiker (BDZ), Thomas Kronenberger.



Dirigent Dominik Hackner bringt seine Anweisungen in englischer Sprache rüber. "Das verstehen alle und wissen sofort, was gemeint ist", so der niederländische Mandolinenspieler Sebastiaan de Grebber. Das Orchester studiert moderne und klassische Werke ein, wie Stücke bei denen der Latino-Rhythmus dominiert. "Wir wollen das perfekt und mit vielen Emotionen spielen", spricht de Grebber im Sinne seiner Mitmusiker. Das technische Niveau des Ensembles, so Kronenberger, sei sehr hoch. Auffällig: Es gibt unterschiedliche Spieltechniken. Einige der Gitarristen bewegen die Saiten mit den Fingernägeln, die Anschläge der südeuropäischen Mandolinenspieler gelten allgemein als sehr filigran. "Da guckt man schon mal rüber, wie die Spanierin so ein Stück spielt", meint Gitarristin Maria Eckert aus Dresden. Deshalb gehe es auch darum, zu sehen, welche Feinheiten andere Musiker draufhaben und sich darüber auszutauschen. "Dadurch kann jeder sein eigenes Gitarrenspiel verbessern, das ist einfach fantastisch", freut sich Gary Coulter aus Schottland. In der Heimat musiziert er in einem klassischen Gitarren- und Mandolinenensemble. Progressive Metal ist seine bevorzugte Musikrichtung, was unschwer an seinem Pink-Floyd-Fanshirt zu erkennen ist. "Ich finde es toll, wenn man feststellt, dass man mit der Gruppe und für sich selbst Fortschritte macht", sagt der Schotte.

Maria Eckert schwärmt vom zusätzlichen kulturellen Austausch der Musiker untereinander. "Wir haben dann am Abend zusammengesessen und mit der Gruppe Musik gemacht. So wie bei einer Jam-Session, einfach spontan", berichtet die Dresdnerin. Während der Probe mischen sich dann beim Werk "4 Movements" die Akkordeonklänge des aus Ottweiler stammenden Solisten Daniel Roth ein. Das von Bernard van Beurden komponierte Werk für Mandoline, Gitarre und Akkordeon klingt Hackner bei der Probe noch an einigen Stellen "nicht weich genug". Abseits der Übungsstunden verfolgt Projektleiter Kronenberger die Intention, die Instrumentalisten aus den europäischen Teilnehmerländern für ein Studium in Deutschland gewinnen zu können. "So bekommen wir mehr Kultur an die Hochschule", ist er überzeugt.

Das Abschlusskonzert des Zupforchesters findet an diesem Sonntag, 17 Uhr, in der Europäischen Akademie in Otzenhausen statt. Acht pompöse, hymnenartige und rhythmische Werke stehen bei freiem Eintritt auf dem Programm.

Zum Thema:

Auf einen Blick Veranstalter der 14. Ausgabe des Musikprojektes in der Europäischen Akademie sind: der Bund für Zupf- und Volksmusik Saar (BZVS), der Bund Deutscher Zupfmusiker (BDZ), die European Guitar and Mandolin Association (EGMA), unterstützt von der Stiftung europäische Kultur und Bildung (SEKB). Schirmherrin ist die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer . frf

Die Musiker betrachten die unterschiedlichen Techniken als Bereicherung für ihr eigenes Spiel.
Die Musiker betrachten die unterschiedlichen Techniken als Bereicherung für ihr eigenes Spiel.