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Keltenfest
Kelten zu Besuch aus der Anderwelt

53 vor Christus haben die Treverer ihre mächtige Befestigungsanlage auf dem heutigen Dollberg bei Otzenhausen aufgegeben. Jetzt kamen sie zurück.
53 vor Christus haben die Treverer ihre mächtige Befestigungsanlage auf dem heutigen Dollberg bei Otzenhausen aufgegeben. Jetzt kamen sie zurück. FOTO: Frank Faber
Otzenhausen. Keltenfest Celtoi lockte am Wochenende zahlreiche Besucher zum Keltendorf unweit des Ringwalls in Otzenhausen. Von Frank Faber

Im Jahre 53 vor Christus haben die Treverer ihre mächtige Befestigungsanlage auf dem heutigen Dollberg bei Otzenhausen aufgegeben. Schon anno dazumal in der Eisenzeit hat die Volksgruppe der Kelten an ein ewiges Leben in der Anderswelt geglaubt. „Unser Kunststil wird den Namen einer ganzen Epoche tragen und die keltische Lebensweise vom Weiterleben im Paradies wiedergeben“, behauptet Indutiomarus (Manfred Peter). In fünf Akten hat eine Theatergruppe in der Arena des Keltendorfes das Schicksal des letzten Fürsten des Ringwalls sowie Anfang und Ende der keltischen Epoche skizziert.



Doch am ewigen Leben in der Anderswelt ist zumindest indirekt was dran. 2500 Jahre später heißt diese Welt internationales Keltenfest „Celtoi“, ein Begriff, der sich mittlerweile für keltischen Rekonstruktionismus eingebürgert hat. Am Tag zuvor hat Krieger Osgur (Erik Krieger) im Theaterstück noch als Leibwächter den Adligen Indutiomarus beschützt, nun sorgt er für die Sicherheit im Keltenlager. Und der wehrhafte Osgur steht unter Stress, hat seine Hand am Schwert, dem Stolz eines jeden Kriegers. Denn die Römer haben die Gruppe Vigila Romana Vindiacum an den Ringwall entsandt, und die Sehne für den Abschuss des Pfeils in ihrem Geschütz, der „Scorpio“, ist bereits gespannt. Auch die Kelten, die als Söldner bei den Römern und Griechen außerordentlich gefragt waren, rüsten auf. Das Projekt Latène informiert die Dorfbewohner über das Wesentliche zur Bewaffnung, und der Streitwagen der Gruppe Tribus Eburones ist voll einsatzfähig. Alle runden Teile daran — wie die Radnabe — hat der Drechsler gefertigt. „Bei den Kelten gab´s schon Tische, die in der Höhe verstellbar waren“, erklärt der Drechsler (Marco Michels). Nebenan beim Schmied (Georg Eul) gibt er die Fertigung von Nägeln in Auftrag. „Egal ob Friedens- oder Kriegszeit, ein Schmied hat, immer viel zu tun“, betont der Schmied. 

Dementsprechend muss nach getaner Arbeit eine ordentliche Mahlzeit auf den Tisch. Also Kraft in den Teller, und dafür haben die Frauen von Touto Artio einen Eintopf (Ritschert) zubereitet. „Dieser Eintopf geht auf eines der wenigen keltischen Rezepte zurück, das überliefert ist“, berichtet Köchin Mildred Ruppert von einer insgesamt sehr eiweißreichen keltischen Küche. Aufgeräumt wird auch noch mit dem Klischee vom ungepflegten keltischen Barbaren „Die Kelten waren modebewusst“, meint Patrick Meyer. Allerdings hätten es griechische und römische Modebanausen schlimm gefunden, weil die Kelten Hosen getragen haben. Am späten Sonntagnachmittag freut sich Krieger Osgur, dass es ruhig geblieben war und so langsam auf seinen Feierabend und der Rückkehr ins Paradies. Er wird dann Indutiomarus Bericht erstatten, dass am Fuße des Ringwalls immer noch Kelten auf Zeit leben.

Auch sie gehören in die Zeit der Kelten im Saarland: Die Römer, dargestellt von der Gruppe Vigila Romana Vindiacum. Die Sehne für den Abschuss des Pfeils in ihrem Geschütz ist gespannt, gleich fliegt der Pfeil.
Auch sie gehören in die Zeit der Kelten im Saarland: Die Römer, dargestellt von der Gruppe Vigila Romana Vindiacum. Die Sehne für den Abschuss des Pfeils in ihrem Geschütz ist gespannt, gleich fliegt der Pfeil. FOTO: Frank Faber
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