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Schwarzenbach
Jungunternehmer entwirft Geldbeutel aus Kork

Jens Marzen präsentiert seine veganen Geldbeutel. Zwei Modelle für Männer hat er bereits auf den Markt gebracht. Im Sommer soll ein Portemonnaie für Frauen folgen.
Jens Marzen präsentiert seine veganen Geldbeutel. Zwei Modelle für Männer hat er bereits auf den Markt gebracht. Im Sommer soll ein Portemonnaie für Frauen folgen. FOTO: Sarah Konrad
Schwarzenbach . Jens Marzen will die Welt ein bisschen besser machen. Seine Firma „natventure“ bietet eine Alternative zu herkömmlichen Ledergeldbörsen an. Umweltschonend und ohne tierische Produkte. Von Sarah Konrad

Jens Marzen ist ein Träumer. „Ich hoffe, dass ich bald von überall auf der Welt aus arbeiten kann“, sagt der junge Mann. Sein Blick fällt auf zwei vegane Geldbörsen, die vor ihm auf dem Küchentisch liegen. Sie sind seine Geschäftsidee. Sein Ticket in eine Zukunft voller Abenteuer. Ohne Chef, ohne Büroalltag, ohne Arbeitskollegen. „Meine Freunde sagen oft, ich sei zu naiv an die ganze Sache herangegangen“, gibt der 27-Jährige zu. Doch davon lässt er sich nicht einschüchtern. „Wenn ich was machen will, mache ich es“, verkündet der Jungunternehmer bestimmt.


Das hat er schon vor zwei Jahren bewiesen. Damals ist an eine eigene Firma noch nicht zu denken. Trotzdem kündigt Marzen seinen Job als Autoverkäufer. „Mir war das zu langweilig. Die Arbeit hat mir keinen Spaß mehr gemacht“, erinnert er sich. Gemeinsam mit seiner Freundin packt er die Koffer. Ein Jahr lang reist das Paar durch Neuseeland, Thailand und Vietnam. In dieser Zeit wächst bei Marzen der Wunsch, sich selbstständig zu machen. Die Idee, eine Alternative zu herkömmlichen Ledergeldbörsen anzubieten, geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. „Ich wollte ein Portemonnaie entwickeln, das ganz ohne tierische Produkte auskommt“, erklärt Marzen. Er lebt bereits seit mehreren Jahren vegan. Die Tiere und Umwelt zu schützen, ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Zurück in Deutschland wagt der Schwarzenbacher den Schritt. Im März 2017 gründet er die Firma „natventure“ – ohne Erfahrungen in diesem Bereich zu haben. Im Internet liest er sich Wissen an und designt sein erstes Produkt: einen Geldbeutel aus Kork. „Das Ergebnis war furchtbar. Ich war weder mit der Qualität noch mit der Optik zufrieden“, blickt der Jungunternehmer zurück. Eine Lösung für das Problem findet er bei einem Urlaub in Portugal. „Der Kork dort ist viel besser, als der asiatische, den ich verwendet hatte“, erklärt Marzen. Er sucht sich einen neuen Lieferanten und startet den nächsten Versuch. Sechs Monate dauert es, bis ihm sein Werk gefällt. Im September 2017 geht der erste „natventure“-Geldbeutel über die Ladentheke.



Der ist voll ökologisch und doch modern. Marzen setzt auf ein klassisches Design. Eine Naht und das Logo zieren die Börsen von außen. Innen ist der Naturkork noch deutlich erkennbar. Es gibt ein Münzfach mit magnetischem Verschluss und Stauraum für Kreditkarten, Scheine und Ausweise. Zurzeit bietet „natventure“ zwei Männer-Modelle in den Farben Schwarz und Braun an. Im Sommer soll eine Börse für Frauen hinzukommen. Das Muster ist schon fertig. Aber der 27-Jährige will noch Kleinigkeiten verbessern. Sicher ist: Auch die Damen-Variante wird größtenteils aus Kork bestehen. Das Material sei ähnlich strapazierfähig wie Leder, 100 Prozent vegan und umweltfreundlich. „Ich benutze nur die Rinde der Korkeiche, die kann man immer wieder ernten. Die Bäume müssen nicht gefällt werden“, erläuter der Jungunternehmer.

Mehr als 1000 Geldbeutel hat er schon verkauft. Ein großer Online-Händler hat die Börsen in sein Sortiment aufgenommen, und erste Geschäfte haben Interesse an den veganen Portemonnaies bekundet. In den nächsten Jahren will Marzen seine Firma weiter ausbauen und europaweit exportieren. Die Nachfrage nach Ökoprodukten mit coolem Design sei auf jeden Fall vorhanden. „Ich habe noch viel vor“, kündigt der Unternehmer an. Sein größtes Ziel verliert er dabei nie aus den Augen: Irgendwann soll „natventure“ so gut laufen, dass er auswandern und seine Geschäfte irgendwo an einem schönen Ort regeln kann.

Doch nach gut einem Jahr als Firmeninhaber ist Marzen klar: Wer Träume verwirklichen will, muss wach sein. Manchmal rund um die Uhr. Weil die Einnahmen noch nicht zum Leben reichen, arbeitet er zusätzlich bei der Caritas. „Dort übernehme ich immer die Nachtdienste. Tagsüber widme ich mich dann meinem Unternehmen“, sagt der 27-Jährige. Ein Träumer, der alles dafür gibt, damit seine Wünsche auch in Erfüllung gehen.

Wer mehr über die Firma erfahren will, kann sich die Webseite natventure.eu anschauen. Dort informiert der Jungunternehmer über seine Produkte.