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Präpariertes Fleischbällchen
Hund frisst Giftköder an Peterberg-Kapelle

FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Braunshausen. Mischling schwebt in Lebensgefahr, weil er beim Gassigehen präpariertes Fleischbällchen frisst. Von Thorsten Grim

Rigo konnte der Verlockung einfach nicht widerstehen. Obwohl er nichts vom Boden fressen soll, schnappte sich der Schäferhund-Labrador-Mischling beim Gassigehen in der Nähe der Braunshausener Peterberg-Kapelle in Windeseile ein Fleischbällchen, das er dort erschnüffelt hatte. „Wir haben gesehen, dass er etwas frisst und versucht, es ihm wieder aus dem Maul zu holen, aber er hat auf stur geschaltet und die Zähne zusammengebissen“, berichtet Martin Weber aus Primstal. Mit seiner Lebensgefährtin Natascha Schommer hatte er am Mittwochabend gegen 22 Uhr den gemeinsamen Hund an besagter Stelle ausgeführt. Jedenfalls schluckte Rigo das Fleischbällchen und kurze Zeit später nahm das Drama seinen Lauf: „Es bildete sich schnell Schaum vor dem Mund, er verhielt sich ganz komisch und schien Schmerzen zu haben“, berichtet Weber.


Was tun? „Wir entschieden uns, den Hund ins Auto zu laden und umgehend zum Tierarzt zu fahren.“ Doch welche Tierarztpraxis hat abends um diese Zeit noch auf? Keine. Aber die Tierklinik in Birkenfeld hat einen Notdienst, das wussten Weber und seine Lebensgefährtin. Also fuhren sie mit ihrem Liebling so schnell es ging in Richtung Rheinland-Pfalz. „Wegen verschiedener Umleitungen brauchten wir eine halbe Stunde bis dorthin. Es war richtig knapp.“ Denn Rigos Zustand hatte sich inzwischen weiter verschlechtert. Der siebenjährige Hund habe sichtlich gelitten, berichtet Weber.

In der Tierklinik dann handeln die Ärzte sofort. Zunächst bringen sie Rigo zum Erbrechen. Und was aus dem Magen zutage gefördert wird, sind Reste des Fleischbällchens und eine seltsame Substanz. „Die Ärzte sagten, dass es sich dabei mit ziemlicher Sicherheit um Rattengift handelte. Die Symptome seien eindeutig gewesen. Wenn wir zehn Minuten länger bis zur Tierklinik gebraucht hätten, wäre der Hund tot gewesen.“ So ist der Vierbeiner dem Gevatter aber wohl nochmal von der Schippe gesprungen. „Er ist immer noch angeschlagen, aber er scheint sich zu erholen. Die Ärzte sagten, wenn er die kommenden zwei Tage übersteht, sollte er über den Berg sein“, erzählt der Primstaler. Dann sei auch die teure Arztrechnung zu verkraften, schließlich habe er Notdienstzulage bezahlen müssen. „Ich bin einfach nur froh, dass wer da war, der Rigo helfen konnte.“ Und er fragt sich, warum jemand mitten in der Natur Giftköder auslegt. „Was sind das für Menschen?“ Dass dort jemand eine Rattenplage bekämpfen wollte, hält Weber für äußerst unwahrscheinlich. „Das ist mitten in der Natur, da gibt es keine Häuser oder so, der Weg führt zwischen Feldern hindurch.“



Jedenfalls meldete er den Vorfall im Nonnweiler Rathaus, wo man ihm empfahl, sich an die Polizei zu wenden. Und an die Saarbrücker Zeitung, „damit das publik gemacht wird und Spaziergänger mit Hunden und Kindern rund um die Peterberg-Kapelle besonders gut aufpassen“. Denn so eine Erfahrung wünsche er niemandem. „Ich vermute, dass dort noch weitere Giftköder liegen.“ Auch bei der Polizei hat er den Vorfall zur Anzeige gebracht, wie diese auf SZ-Nachfrage bestätigt. Es ist nicht das erste Mal, dass Unbekannte in der Nähe von Nonnweiler präparierte Giftköder ausgelegt haben. Schon im vergangenen Jahr gab es mehrere ähnliche Vorfälle. Daher ist die Frage naheliegend: Treibt dort ein Hundehasser sein Unwesen?

Wer Hinweise zu dem Fall geben kann oder etwas Verdächtiges im Bereich der Peterbergkapelle beobachtet hat, wird gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen, Tel. (0 68 71) 9 00 10.