| 20:12 Uhr

Arbeiten in vollem Gange
Hochwasserschutz kostet zwei Millionen Euro

 Gegenüber des alten Kirmesplatzes in Primstal hat der Wiesbach jetzt wieder freie Bahn. Zuvor floss er durch ein 60 Meter langes Rohr, in dem sich viel Geröll festgesetzt hatte. Bei starkem Regen kam es daher leicht zu Hochwasser.
Gegenüber des alten Kirmesplatzes in Primstal hat der Wiesbach jetzt wieder freie Bahn. Zuvor floss er durch ein 60 Meter langes Rohr, in dem sich viel Geröll festgesetzt hatte. Bei starkem Regen kam es daher leicht zu Hochwasser. FOTO: Sarah Konrad
Primstal. 17 Projekte sind in Primstal geplant, um die Einwohner vor Überschwemmungen zu bewahren. Die ersten Arbeiten haben begonnen. Von Sarah Konrad

Kaum ist es hell, verfinstert sich der Himmel wieder. Gegen 7 Uhr bricht es mit einer Urgewalt aus den Wolken heraus: Starkregen, Hagelkörner. Innerhalb weniger Minuten verwandeln sich Straßen in braune Bachläufe. So berichtete die Saarbrücker Zeitung am 21. Juni 2013 über ein heftiges Unwetter im St. Wendeler Land. In zahlreichen Ortschaften sprudelte damals das Wasser aus den Gullydeckeln. Bäume brachen. Schlamm und Geröllmassen ergossen sich auf die Wege. Keller liefen voll. Rund 400 Helfer mussten zu insgesamt 156 Einsätzen ausrücken.


Auch in Primstal war sprichwörtlich Land unter. „Bei einer Familie ist das Wasser hinten ins Haus hineingeströmt und vorne zur Haustür wieder rausgekommen“, erinnert sich Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos). Der Wiesbach sei zu einem reißenden Fluss geworden, die Hauptstraße zu einem Bachlauf. „Da hat man mal gesehen, welch eine Kraft Wasser entwickeln kann“, sagt Barth. Damit es nicht wieder zu solch einer Katastrophe kommt, hat der Nonnweiler Gemeinderat bereits Anfang 2016 beschlossen, den Hochwasserschutz in Primstal zu verbessern. Jetzt, rund drei Jahre später, hat die Umsetzung begonnen.

„Die Planungen dafür sind sehr aufwändig gewesen“, erklärt Markus Keßler vom Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung (LVGL). Experten eines Spezialbüros hätten sich alle Bäche und Flüsse in Primstal genau angesehen und analysiert. Sie suchten zum Beispiel nach Hindernissen, die den Ablauf des Wassers stören, und schauten, ob sich Rohre zugesetzt haben. „Außerdem rechneten die Fachleute aus, wie sich die Fließgeschwindigkeit ändert, wenn ein Bachlauf umgelegt wird“, beschreibt Keßler weiter. Letztendlich sei aus den Untersuchungen eine Liste mit unterschiedlichen Maßnahmen hervorgegangen.



Diese zu realisieren, kostet laut Bürgermeister Barth rund zwei Millionen Euro. 1,6 Millionen Euro kommen aus Landes- und Bundesmitteln, die das LVGL der Teilnehmergemeinschaft (TG) Primstal zur Verfügung stellt. Die restlichen 400 000 Euro steuert die Gemeinde Nonnweiler bei. Konkret geht es um 17 Einzelprojekte in Trägerschaft der TG Primstal, die dort für das Flurbereinigungsverfahren zuständig ist. „Alle Maßnahmen dienen sowohl dem Gewässer-, Natur- und Hochwasserschutz“, fasst Keßler zusammen.

Vorgesehen sind unter anderem Arbeiten am Wiesbach, am Eiweilerbach und am Haaggraben. „Wir werden beispielsweise neue Geröllfanggitter anbringen und Bachufer absichern“, erläutert der Flubereinigungs-Experte. Außerdem sei es geplant, einzelne Bachläufe umzulegen und so die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu reduzieren. Auch der Handenbergbrücke und der Brücke über dem Mühlteich geht es an den Kragen. Sie werden abgerissen und wieder neu aufgebaut. Die beiden Bauwerke würden hauptsächlich zur Landwirtschaft und Holzbewirtschaftung genutzt und fallen somit in den Bereich der Flurbereinigung. Keßler vermutet, dass es mehrere Jahre dauern wird, alle Projekte umzusetzen.

Derzeit ist die Renaturierung der Wiesbach im Bereich der Hauptstraße/Mühlfelder Straße gegenüber des alten Kirmesplatzes im Gange. Bereits im Dezember haben Arbeiter dort ein rund 60 Meter langes Rohr aufgebrochen und den Bach offengelegt. „In dem Rohr hatte sich jede Menge Geröll festgesetzt. Bei starkem Regen kam es daher leicht zu Hochwasser“, erklärt Keßler. Auch ein Schuppen, einzelne Bäume und Betonteile mussten in dem Gebiet bereits weichen, damit der Wiesbach ungehindert in die Prims fließen kann.

Das Haus, das einst direkt neben dem verrohrten Wiesbach stand, hat die Gemeinde im Zuge des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes abgerissen. „Die freie Fläche wollen wir aufhübschen“, kündigt der Bürgermeister an. Er stellt sich eine Art Park vor – mit Sitzgelegenheiten, Tischen, Boule-Spielfläche und einer schönen Bepflanzung. Zwei Gestaltungspläne gebe es schon, die dürfe sich nun zunächst der Ortsrat ansehen. Barth freut sich, dass die Bürger von der Renaturierung des Wiesbachs gleich doppelt profitieren. Zum einen verbessert sie den Hochwasserschutz erheblich. Zum anderen „wird dadurch das Dorfbild sehr aufgewertet“.