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TuS Schwarzenbach
Sportliches Geburtstagsgeschenk

 Die Gruppe aus 80 Mitgliedern des TuS Fortuna Schwarzenbach machte sich am Samstag auf den Weg nach Köln.
Die Gruppe aus 80 Mitgliedern des TuS Fortuna Schwarzenbach machte sich am Samstag auf den Weg nach Köln. FOTO: Mathis Wittig
Schwarzenbach/Köln. Seit einem Jahrhundert gibt es den TuS Fortuna. Mitglieder der  Handball-Abteilung gönnten sich am Samstag einen Besuch bei der WM in Köln. Von Frank Faber

80 Handballer des Turn- und Sportvereins (TuS) Fortuna Schwarzenbach haben am Samstag in der Kölner Lanxess-Arena die Deutsche Nationalmannschaft mit zum 24:19-Sieg im ersten Hauptrundenspiel der Weltmeisterschaft gepeitscht. In diesem Jahr feiert der TuS seinen 100. Geburtstag und die Fahrt zum WM-Spiel war der Auftakt zu den Feierlichkeiten. Abreise bereit, die Karten in der Tasche, warteten die Schwarzenbacher Handballer am Samstagmorgen auf den gebuchten Doppeldeckerbus. Allerdings vergebens, ein Reiseunternehmen ließ sie einfach sitzen lassen. „Die Telefonate haben nichts gebracht, da ist niemand rangegangen“, berichtete der stellvertretende TuS-Vorsitzende Peter Wittig. Im Kolpinghaus wurde dann beraten, wie es nach Köln gehen kann. „Im Moment war das schon ärgerlich, aber davon haben wir uns die Stimmung nicht verderben lassen“, sagte Wittig. Kurzerhand wurden  20 Autos besetzt und ab zum WM-Spielort Köln. „Um 12 Uhr waren wir in Köln“, so der stellvertretende Vorsitzende. Und ab diesem Zeitpunkt seien die Schwarzenbacher wie aufgedreht gewesen. 10 000 Besucher zog Russlands 30:28-Sieg über Mazedonien, beim 33:30-Erfolg von Titelverteidiger Frankreich gegen Europameister Spanien war die Halle voll. Anschießend tauchten die deutschen Handballer zum Warmmachen auf. Empfangen von einem Fahnenmeer schnellte der Lärmpegel katapultartig nach oben. Nochmal 6000 Zuschauer mehr als in der Vorrunde in Berlin, wo 13 500 in die Halle gepasst haben, drängten sich in Köln um das Spielfeld. „Das war fantastisch, wir hatten eine gute Sicht auf das Spielfeld“, schwärmte Wittig. Der elfjährige D-Jugendtorwart David Klein schaute besonders genau hin, was sein Vorbild Andreas Wolff zwischen den Pfosten so machte. „Er ist unheimlich gelenkig und kann die Beine ganz hochhalten“, beobachtete der staunende Nachwuchs-Schlussmann. Wolff steigerte sich Mitte der ersten Halbzeit und Islands Spitzenmann Aron Palmarsson kehrte verletzungsbedingt nicht mehr auf das Parkett zurück. „Den Eindruck, dass Deutschland in große Gefahr kommen würde, hatte ich nie“, so Wittig. Jeder geglückte Defensivblock wurde abgefeiert wie ein Tor des Monats, jeder Angriff wurde getragen von einem ohrenbetäubenden Gedröhne. Und macher Natioanlspieler blickte ergriffen während der Partie in Richtung der enthusiatischen Handballfans. „Das Publikum hat uns durch das Spiel getragen, das sind Momente, von denen ich noch meinen Kindern erzählen werde“, sagte ein berührter Nationalspieler Paul Drux nach der Partie bei der ARD. Nachdem er zuvor nach 56 Minuten das Tor 23:17 erzielte, konnten die 19 500 Zuschauer befreit auflärmen und den kölschen Hit „Viva Colonia“ anstimmen. „Torwart Andreas Wolff hat klasse gehalten, die Stimmung war Hammer“, jubelte auch David Klein über den 24:19-Sieg. Lisa Straub, die in der B-Jugend am Kreis spielt, beobachtete vorrangig Linksaußen Uwe Gensheimer und die Kreisläufer Henrik Pekeler und Jannik Kohlbacher. Nach der Schlusssirene gab es für sie kein Halten mehr. „Wir sind sofort die Treppe runtergelaufen, um Autogramme von den Nationalspielern zu bekommen“, berichtete sie. Der Ex-Weltmeister und aktuelle ARD-Handballexperte Dominik Klein erfüllte als Erster den Wunsch. Dies traf auch auf den abgekämpften, nachnomminierten Linkshänder Kai Häfner zu. Und sogar Bundestrainer Christian Prokop kam an den Mädels aus Schwarzenbach nicht vorbei. „Der wirkte richtig gelassen. Dass der Trainer und die Spieler sich überhaupt die Zeit genommen haben, finde ich großartig“, lobte Lisa Straub den offenen Umgang der deutschen Handballstars mit den Fans. Für die stand schon in der Halbzeitpause ein Gänsehautmoment an. Mit einem Ständchen aus knapp 20 000 Kehlen plus Lichtermeer gratulierte die Kölner WM-Arena dem früheren Weltmeister Joachim Deckarm zum 65. Geburtstag. „Das war so toll, wir haben alle mitgesungen“, sagte die Nachwuchsakteurin. Der Besuch des Spiels sei für sie zu einem einmaliges Erlebnis geworden. Ist Deutschland nun gut genug um den Titel zu holen? „Wenn sie gegen Kroatien und Spanien wieder voll angreifen packen sie den Einzug ins Halbfinale. Dann wird sich zeigen, wer da kommt“, räumte Lisa Straub Gensheimer & Co gute Chancen ein. Sie selbst würde viel Motivation für ihren Lieblingssport mitnehmen. Neben den Jugendspielen kommt die 16-Jährige bereits im Frauenteam der HSG Schwarzenbach/Hermeskeil zum Einsatz. Die Nationalmannschaft ist optimal in die Hauptrunde und die Schwarzenbacher sind auch ohne Reisebus genial ins Jubiläumsjahr gestartet.