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Großschutzgebiete
Synergien am runden Tisch ausmachen

Pflanzen symbolisch eine Esskastanie auf dem Außengelände des Gästehauses Braunshausen als Zeichen der Zusammenarbeit der drei Großschutzgebiete (von links): Gerhard Mörsch, Gerhard de Haan, Harald Egidi, Franz Josef Barth, Gudrun Rau, Roland Krämer, Holger Zeck und Franz Josef Kiefer.
Pflanzen symbolisch eine Esskastanie auf dem Außengelände des Gästehauses Braunshausen als Zeichen der Zusammenarbeit der drei Großschutzgebiete (von links): Gerhard Mörsch, Gerhard de Haan, Harald Egidi, Franz Josef Barth, Gudrun Rau, Roland Krämer, Holger Zeck und Franz Josef Kiefer. FOTO: Marion Schmidt
Braunshausen. Die drei regionalen Großschutzgebiete Saar-Hunsrück, Hunsrück-Hochwald und Bliesgau wollen künftig auf Zusammenarbeit setzen. Von Marion Schmidt

Der Naturpark Saar-Hunsrück, der Nationalpark Hunsrück-Hochwald und das Biosphärenreservat Bliesgau wollen künftig noch enger zusammenarbeiten. Vertreter der drei Großschutzgebiete trafen sich im Gästehaus Braunshausen zu einer gemeinsamen Tagung. Auf dem Programm stand eine Fortbildung mit Gerhard de Haan, Professor für Zukunfts- und Bildungsforschung aus Berlin. Staatssekretär Roland Krämer vom Umweltministerium nutzte die Veranstaltung, um den Startschuss zu geben für einen „Runden Tisch der Großschutzgebiete“.


Als Gastgeber begrüßten Franz Josef Kiefer, der Präsident des Saarländischen Turnerbundes und Hausherr des Gästehauses, sowie Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth die Tagungsgäste.

Der 2015 gegründete Nationalpark Hunsrück-Hochwald erstreckt sich auf 10 230 Hektar über die langgestreckten Höhenzüge des Hochwaldes. Der Nationalpark liegt im grenzüberschreitenden Naturpark Saar-Hunsrück, der insgesamt 2055 Quadratkilometer umfasst, davon 918 Quadratkilometer auf rheinland-pfälzischer Seite. Im Koalitionsvertrag habe sich die saarländische Regierung ausdrücklich zu den Großschutzgebieten bekannt, sagte Staatssekretär Krämer. „Wir wollen uns als nächstes für die Schaffung des Nationalparktores in Otzenhausen engagieren“, verspricht Krämer.

Das Nationalparktor soll den südlichen Zugang zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald bilden und bis 2020 mit dem thematischen Schwerpunkt Kelten errichtet werden. Der runde Tisch sei eine wichtige Maßnahme, um die Verwaltungen der Schutzgebiete regelmäßig zusammenzubringen. Mit verschiedenen Projekten sollen künftig die Themen ökologische Bildung und auf Nachhaltigkeit gerichtetes Handeln unter die Menschen gebracht werden. Krämer: „Wir wollen in den Schulen die naturschutzbezogene Bildungsarbeit und Nachhaltigkeitsschulen mit Projekten fördern.“

Für Harald Egidi, den Leiter des Nationalparks Hunsrück-Hochwald, ist die Gründung eines runden Tisches eine ideale Voraussetzung zur Bewältigung künftiger Aufgaben. „Nationalpark und Naturpark haben viele Anknüpfungspunkte mit dem Biosphärenreservat. Wichtig ist zu wissen, dass es für unseren touristischen Gast nicht primär von Bedeutung ist, in welcher Gemeinde er weilt sondern wie er die Natur erlebt und welche Standards er erwarten kann“, sagt Egidi.



Gudrun Rau, die Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück, lobt die Initiative des runden Tisches: „Wir sind in unserer Region mit den drei Großschutzgebieten besonders gut aufgestellt. Jedes Gebiet hat ein eigenständiges Profil. Mit solchen Initiativen können wir Synergien nutzen und unser Win-Win-Potential erhöhen.“ Sie plädiert dafür, Naturschutz nicht nur kognitiv sondern auch geschmackvoll und erlebbar zu vermitteln. „Wir müssen den Heimatvirus und das Bewusstsein für Naturschutz bereits im Kindergartenalter setzen, wenn noch alle Sinne offen sind. Für eine nachhaltige Heimatentwicklung sollen aber auch Ideen der Bürger eingebunden werden.“

Auch Holger Zeck, der Geschäftsführer des Biosphärenreservates Bliesgau, sieht in den Gemeinsamkeiten eine große Chance für die weitere Entwicklung der Schutzgebiete: „Die Netzwerkarbeit gehört zu unseren wichtigen Aufgaben.“ Das Biosphärenreservat Bliesgau ist eine einzigartige Kulturlandschaft im Südosten des Saarlandes. Die einzigartige Verbindung von Naturschutz einerseits und wirtschaftlicher Nutzung andererseits war 2009 für die Unesco unter anderem Anlass, den Bliesgau als Biosphärenreservat auszuzeichnen.

Als Zeichen der weiteren Zusammenarbeit pflanzten die Vertreter der drei Großschutzgebiete im Außengelände des Gästehauses Braunshausen symbolträchtig einen Netzwerkbaum. Die Wahl fiel dabei auf eine Esskastanie, die in diesem Jahr zum Baum des Jahres gekürt wurde.

Mit einem Impulsvortrag leitete Professor Gerhard de Haan dann die Workshop-Arbeit ein. Er sieht die derzeitige Vermittlung von Nachhaltigkeit und Naturschutz in den Schulen kritisch: „Nachhaltigkeit wird im Unterricht oft nur ergänzend behandelt. In einer Schule, die energetisch nicht auf dem neuesten Stand ist und im Mensa-Bereich die Schüler mit Chocolate-Bars lockt, können Schüler kein nachhaltiges Bewusstsein entwickeln.“ Er sieht Bildungschancen vor allem im außerschulischen Kontext, wie es in den Großschutzgebieten passiert.

Nach dem Vortrag begann die Workshoparbeit. In sogenannten offenen „World-Cafés“ standen die Themen Schutzgebiete im globalen Rahmen, Bildungsarbeit in den Schulen sowie Ideen, Veranstaltungen und Bildungsziele auf dem Programm. Dabei konnten die Teilnehmer zwischen den Workshops hin und her springen und so bei allen Themen mitdiskutieren. Am Ende stellten alle Gruppen die Ergebnisse vor und verabredeten weitere Maßnahmen.