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Zwei Blitze bringen Glocken zum Schweigen

Namborn. Gleich zweimal hat's die katholische Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt getroffen: Im Sommer zogen Gewitter über die Gemeinde Namborn. Und zweimal schlugen Blitze in den Turm. Seitdem sind die Glocken verstummt. Der Grund: Die elektrische Anlage ist hinüber. Von SZ-RedakteurMatthias Zimmermann

Es ist 8.45 Uhr. Nicht nur um drei Viertel neun am Morgen und nicht nur um viertel vor neun am Abend. Immer. Rund um die Uhr. 24 Stunden am Tag. Zumindest wenn's nach der Zeitanzeige der Kirchturmuhr in Namborn geht. Wer sich also auf die verlässt, ist verlassen. Bereits seit Sommer.

Denn sie steht. Weil am 20. Juni der Blitz den elektrisch betriebenen Zeitmesser außer Gefecht setzte. Dann wurde sie zwar wieder in Gang gesetzt, berichtet Pfarrer Michael Pauken. Auch auf die Gefahr hin, dem Vorwurf der Blasphemie ausgesetzt zu sein: Der Wettergott meinte es offensichtlich nicht gut mit den katholischen Christen in dem Ort und schickte einen ordentlich krachenden Blitz hinterher. Der traf das Gotteshaus am 24. August abermals. Der 41-jährige Seelsorger: "Der Einschlag war so heftig, dass sogar Telefone in Häusern im Umfeld betroffen waren." Seitdem steht die Uhr endgültig still.

Und wenn das nicht schon genug wäre: Auch die Glocken schweigen. Denn diese werden ebenfalls elektrisch betrieben. Im Regelfall. Doch die Anlage ist durch den Blitz genauso hinüber. Seitdem kündigt das Geläut keinen Gottesdienst mehr an. Mechanisch von Hand sei da nichts zu wollen, sagt Pauken. Für die neuerliche, aufwändige, somit teure Reparatur fehle der Kirchengemeinde das Geld. Folglich blieb es dabei: kein Glockenklang über dem Dorf. Jetzt fast ein halbes Jahr nicht mehr.

Das wollen Gläubige nicht stillschweigend hinnehmen. Darum sandten sie einen Brandbrief an Triers Bischof Stephan Ackermann. Nach Angaben der Initiatoren wurde dieser am 16. Dezember abgeschickt. Doch bislang habe das Bistum nicht darauf reagiert, nicht einmal den Eingang quittiert. Was jene ärgert, die sehnsüchtig darauf warten, dass ihre drei Glocken im Kirchenturm endlich wieder erklingen.

Doch da soll sich nun doch bald was tun, versichert Pauken. "Der Verwaltungsrat hat den Auftrag an einen ortsansässigen Elektriker vergeben, der die Elektroleitungen erneuert." Das sei Grundvoraussetzung, um überhaupt zu testen, was an der Glockenanlage kaputt ist. Allein die altersschwachen Stromkabel zu erneuern, dafür habe der Verwaltungsrat 22 000 Euro genehmigt, für die ab jetzt kräftig bei den Gemeindemitgliedern gesammelt werden soll. Denn die Kirchenkasse sei leer. Bislang seien knapp 7000 Euro zusammengekommen, berichtet Pauken. 135 Spender überwiesen demzufolge Einzelsummen zwischen fünf und 500 Euro.

Denn es war nicht der Blitz, der die Leitungen zerstörte. Der Pastor: "Die Elektrik stammt aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts." An diese altersschwachen Strippen wage sich kein Fachmann mehr heran, lasse niemand Strom durchlaufen, um die Glockenanlage zu testen. Folglich bliebe der Kirchengemeinde nichts anderes übrig, als in ein modernes Netz zu investieren.

Genau dies werde nicht von der Versicherung getragen, weil für dessen maroden Zustand eben nicht der einschlagende Erfolg des Gewitters verantwortlich gewesen sei. Geld gebe es vom Bistum. Der Zuschuss liege demnach bei 60 Prozent der Schadenssumme. Den übrigen Betrag müsse die örtliche Kirchengemeinde aufbringen. Die Kalkulation beziffert den Schaden auf 25 000 Euro.

Beim Elektromotor der Glocken setzt Pauken auf die Versicherung. Das indes entscheidet sich erst nach einem Test, wenn die neuen Elektroleitungen liegen. Damit Geld in die Kasse kommt, um das Geläut mit drei Glocken der katholischen Pfarrkirche wieder in Gang zu bekommen, will die Namborner Kolping-Familie für Sonntag, 16. Februar, Spender zusammentrommeln. Im Anschluss an den Gottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt, verkaufen Mitglieder Nudeln der Marke 3 Glocken zugunsten der Sanierung. Die Produkte werden sowohl von der Firma als auch ortsansässigen Händlern gestiftet. An dem Verkauf beteiligen sich auch Mitglieder des Pfarrgemeinderates.