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Eröffnung
Zündender Auftakt zu den Festtagen

Zahlreiche Interessierte bestaunen in der Früh das Anzünden des Meilers durch Oberköhler Tim Nagel und Willibald Nagel.
Zahlreiche Interessierte bestaunen in der Früh das Anzünden des Meilers durch Oberköhler Tim Nagel und Willibald Nagel. FOTO: B&K / Bonenberger/
Walhausen. Mit dem Beginn der achten Köhlertage lebt die Vergangenheit wieder auf. Bereits vor 500 Jahren wurde vor Ort Holzkohle produziert und nach Nohfelden geliefert. Von Frank Faber

Ein 600-Einwohner-Dorf erinnert an seine Vergangenheit. In Walhausen haben die achten Köhlertage begonnen. Vor 500 Jahren wurde Holzkohle für die Kupferschmelzhütte in Nohfelden benötigt. Energielieferanten waren Köhler aus Walhausen, die für kargen Lohn im Buchwald Holzkohle produzierten.


In den kommenden zwei Wochen tauchen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Walhauser Vereine (AGWV) tief in die Geschichte des Dorfes ein und repräsentieren während der Köhlertage ein Stück Heimat. Angeführt von den Jungköhlern haben die Darsteller des uralten Handwerks nicht erst am frühen Samstagmorgen mit der Arbeit begonnen. „In den vergangenen Wochen haben wir 35 Raummeter Holz aufgeschichtet und rundum mit Lehm verputzt“, berichtet AGWV-Pressesprecher Dietmar Böhmer. Eine imposante Menschenschar und der Musikverein Steinberg-Deckenhardt begleiten die Köhler und ihre Frauen in den Wald, denn alle wollen miterleben, wenn der Kohlenmeiler abschließend präpariert und entzündet wird. „Es waren wohl 1000 Menschen in der Früh auf dem Meilerplatz“, freut sich Böhmer.

Dass die Walhauser den Holzhaufen (Meiler) sorgfältig mit Lehm ausgekleidet haben, dafür heimsen sie Lob von höchster Stelle ein. „Das ist etwas Einmaliges“, attestiert Karl Josef Tielke, der Präsident des Europäischen Köhlerverbandes. Dem Oberköhler Tim Nagel, seinem Vorgänger Achim Seibert und Willibald Nagel („Meiler-Willi“) inklusive dem Maskottchen Köhlerliesel ist es vorbehalten, den Meiler zu besteigen. Ihre Kollegen schleppen mit Holzstücken, Glut und Holzkohle gefüllte Zinkeimer herbei, die in die Meileröffnung gekippt werden. „Gut Brand“, haben sie zuvor noch gerufen und sich ein Schnäpschen gegönnt. Dann steigt Qualm auf und Oberköhler Nagel vermeldet: „Der Meiler ist gezündet“.



Er hoffe, dass dabei in zwei Wochen auch eine gute Ernte rauskomme. 14 Tage sitzen die Walhauser nun auf glühenden Kohlen. Dazu blickt „Meiler-Willi“ an die Köhlertage 2013 zurück. „Der Meiler war damals ein richtiger Sausack geblieben. Der neue Meiler wird entspannt und ist angenehm im Betrieb“, erwartet „Meiler-Willi“. Am Donnerstag, 23. August, wird um 20 Uhr zusätzlich ein zweiter Meiler in Betrieb genommen. „Der ist aus Waldboden und alten Meilerabdeckungen hergestellt worden“, erklärt Nagel.

Derweil machen die Blasmusiker aus Steinberg-Deckenhardt Feierabend und die Dollberg-Musikanten spielen von der Freiluft-Bühne aus zum Köhlerfrühstück auf. Das Zelt ist proppenvoll mit hungrigen Besuchern. „650 Portionen Eier mit Speck sind in kurzer Zeit schon weg, vor fünf Jahren waren es insgesamt 460“, teilt Pressesprecher Böhmer mit. Schon kurz nach Mitternacht sind die Köhler auf dem Meilerplatz erschienen und haben mit den Vorbereitungen begonnen.

Bis zum 1. September stehen nun Konzerte, Infoveranstaltungen, Wanderungen und Meilerführungen auf dem Festprogramm. Führungen können bei Dietmar Böhmer, Telefon (0  68  52) 14  15 oder Berno Nagel (0  68  52) 67  34 und per E-Mail:
fuehrung@koehlertage.de gebucht werden. Am heutigen Montag findet bei den achten Köhlertagen in Walhausen der Meilerbetrieb statt.

Bereits um 5:30 Uhr setzt sich der Umzug der Köhler in Bewegung. Mit musikalischer Begleitung vom Musikverein 
Steinberg-Deckenhardt geht es zum Meiler.
Bereits um 5:30 Uhr setzt sich der Umzug der Köhler in Bewegung. Mit musikalischer Begleitung vom Musikverein Steinberg-Deckenhardt geht es zum Meiler. FOTO: B&K / Bonenberger/
Das Köhlerfrühstück wird gekonnt zubereitet.
Das Köhlerfrühstück wird gekonnt zubereitet. FOTO: B&K / Bonenberger/