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Zeichenpolizei zückte den Pinsel mitten auf dem Burbacher Markt

Saarbrücken. Kreativer Einsatz mitten in Burbach: Der Kulturverein Burbach hat zusammen mit den Organisatorinnen von „1001 Zeichnung“ ein Kunstprojekt auf dem Markt veranstaltet. Passanten sollten dort Zeichungen hinterlassen. kek

Samstagmittag auf dem Burbacher Markt. Die fliegenden Händler packen schon zusammen. Die meisten der ohnehin spärlichen Passanten winken ab: "Keine Zeit!" Dennoch halten die Aktivistinnen von der "Zeichenstelle" unverdrossen die Stellung: Regine Ratke, Steffi Westermayer, Ingrid Kraus und Peggy Hamann haben vor dem Stadtteilbüro Tische mit durchnummerierten Zeichenblättern im Format DIN A5 und diversen Stiften aufgebaut. "1001 Zeichnung" heißt das öffentliche Malen, zu dem die vier Damen eingeladen haben: Jeder, der vorbeikommt, soll und darf mitmachen und zeichnen, was und wie und so viel es ihm gefällt. Neu ist die Aktion nicht: In den vergangenen drei Jahren lief die Kampagne jeweils über mehrere Tage parallel zum Tag der Bildenden Kunst in der Nauwieser Neunzehn.

Zwei Mal kamen so tatsächlich 1001 oder mehr Spontangemälde zustande. Nun probieren die Initiatorinnen mit dem Burbacher Markt erstmals ein neues Terrain aus, außerdem Open Air und in Kooperation mit dem Kulturverein Burbach. Der wird hier vertreten von Frank Schilling, der zusammen mit den Mädels die Stellung hält.

Aufgrund des dezentralen Standorts haben die fünf ihre Erwartungshaltung in weiser Voraussicht auf 409 Bilder heruntergeschraubt. Morgens war zum Auftakt um 11 Uhr der Malclub Saar zur Stelle, aber nun ist der Platz reichlich verödet. Nur ein Straßenreiniger fegt das Pflaster. Kinder reagierten ohnehin impulsiver, erzählt Westermayer. Erwachsene seien gehemmter, bauten oft einen Erwartungsdruck auf. Dabei geht's hier nicht um Können. Als immer noch kein Freiwilliger in Sicht ist, schreitet Schilling zur Akquise: "Halt!", bremst er einen Radfahrer aus. "Die Passage ist nur frei, wenn Sie ein Bild malen. Wir sind von der Zeichenpolizei!" Der Mann hat Humor und lässt sich auf ein Gespräch ein. Und darum dreht sich's eben auch: Mit den Burbachern in Dialog zu kommen. Dadurch weiß Schilling, dass sie die Aktion als Belebung ihres Viertels wertschätzen, auch wenn sie nicht zum Stift greifen. Westermayer hat mehr Glück: "He!", ruft sie zwei vorbei radelnden Jungs zu. "Wollt ihr 'ne Runde zeichnen?" Und ob sie wollen - schwupps, liegen die Räder auf dem Boden. "Müssen wir den Namen drauf schreiben? Verkauft ihr die Bilder?" Nein, verkauft werden sie nicht, aber ausgestellt: Im Kulturcafé, Burbacher Straße 20, sind die Werke vom 22. bis 29. September zu sehen.