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Wenn der Ortsvorsteher plötzlich Hasenohren trägt

Kirrberg. Neu-Ortsvorsteher Manuel Diehl lernte gestern die harte Realität des Fetten Donnerstags kennen: Die Kirrberger Hexen unter Führung von Margit Herz und Tanja Sonntag trugen trotz heftiger Gegenwehr den Sieg davon. re

Ganz Kirrberg stand gestern wieder Kopf, denn die närrischen Weiber beherrschten am Fetten Donnerstag das Geschehen. Seit gestern haben sie wieder das Ruder der Macht in Kirrberg übernommen. Gemeinsam mit vielen Kindergarten- und Schulkindern, des Obst- und Gartenbauvereins ("Hortus Fructus") sowie zahlreichen Mitstreitern zogen sie - begleitet von der Pfarrkapelle Kirrberg - von der Lambsbachhalle zur Stätte der Macht, um die Herrschaft im Ort an sich zu reißen.

Ziel der losgelassenen Weiber aus Kerbrich war das Bürgerhaus, wo sie vom hoffnungslos unterlegenen, erst seit kurzem im Amt befindlichen Ortsvorsteher Manuel Diehl die sofortige Herausgabe des Schlüssels forderten. Gegen einen solch übermächtigen Ansturm hatten Diehl und sein einziger Helfer, Beigeordneter Rüdiger Schneidewind, nicht den Hauch einer Chance. Allein gelassen mussten sie sich nach hartem Kampf der Übermacht der Närrinnen geschlagen geben und den Schlüssel der Macht herausgeben.

Lautstark unterstützt wurden die Weiber von den Freunden Kerbricher Fasenacht unter ihrem Sitzungspräsidenten Erik Schütz. "Do owwe sitzt er in seinem Ortsvorsteher-Kabuff unn winkt", rief er alle Weibsleit zum Sturm auf das Machtzentrum des Ortsvorstehers auf, die Tür einzuschlagen und sich den Schlüssel zu holen. "Leiden soll er", peitschte Schütz die Angreiferinnen auf. "Was de alte Ortsvorsteher verbockt hat, muss de Neije jetzt ausbade." Das ließen die sich nicht zweimal sagen: "Manuel rück de Schlüssel raus, wir stehn hier vorm Bürgerhaus", sangen die Weiber unter Federführung von Margit Herz und Tanja Sonntag.

Doch er ließ sich zunächst nicht bewegen. Da half den weiblichen Mächten und ihrem ungeduldigen kleinen und großen Gefolge nur noch der Gesang: "Mach uff, schon gibt's was auf die Nuss". Doch der heldenhafte Ortsvorsteher wollte - unterstützt vom Beigeordneten - immer noch nicht weichen und die Tür zur Macht öffnen. Doch es blieb ihm letztlich nichts anderes übrig, als sich der Übermacht zu ergeben und die verdiente Strafe anzutreten.

"Mer schwinge den Zauberstab und stecken ihn in einen Zauberhut", kündigten Margit Herz und Tanja Sonntag an und führten Diehl zu dem in der Mitte des Kreisels stehenden Zauber-Mobil. Nach dem obligatorischen Zauberspruch von Tanja Sonntag ("Elektrifizius") lüftete sich das schwarze Zaubertuch und unter dem Gejohle der Narren zeigte sich Diehl mit Hasenohren. Doch nicht genug, mit einem zweiten Zauberspruch tauchte er mit einer Schweine-Nase auf. Die Schlacht um die Macht im Bürgerhaus war geschlagen und der närrische Zug zog in Richtung Lambsbachhalle, wo mit alkoholischen Getränken die Wunden notdürftig behandelt und Sieg und Niederlage kräftig begossen wurden.