| 00:00 Uhr

Warenhaus-Gigant will nach Neunkirchen

Der Völklinger Globus liegt in der Innenstadt. In Neunkirchen könnte es eher einen Standort im Randgebiet geben. Archivfoto: Rup
Der Völklinger Globus liegt in der Innenstadt. In Neunkirchen könnte es eher einen Standort im Randgebiet geben. Archivfoto: Rup
Kreis Neunkirchen. Schon länger ist die Globus-Kette daran interessiert, einen Markt im Großraum Neunkirchen zu eröffnen. Jetzt scheinen die Pläne dafür konkreter zu werden – und provozieren auch schon Widerstand. Oliver Spettel

Eine Pressemeldung der Stadt Neunkirchen hat in der vergangenen Woche für Wirbel gesorgt. Die Warenhauskette Globus, so hieß es, habe Interesse an drei möglichen Standorten im Stadtgebiet angemeldet (wir haben berichtet). Das bestätigte auch Globus auf Nachfrage unserer Zeitung. Man wolle künftig mit einem siebten Markt noch stärker im Saarland vertreten sein, erklärte Rolf Alles, Leiter Bauwesen und Standortplanung bei Globus. "Kunden aus der Region Neunkirchen müssen zur Zeit bis zu 25 Kilometer fahren, um ihren Globus-Markt in St. Wendel, Saarbrücken oder Homburg-Einöd zu erreichen", so Alles. Diesen weißen Fleck auf der Karte (s. auch Infografik) wolle man schließen. Man befinde sich in der sorgfältigen Prüfung geeigneter Standorte. Konkrete Angaben zu den drei möglichen Standorten in Neunkirchen wollten weder Globus, die Stadt Neunkirchen noch saarländisches Innen- oder Umweltministerium machen. Letzteren waren Grundstücke zur Prüfung im Zuge der Raumplanung vorgelegt worden. "Die beiden zuständigen Ministerien befinden sich ergebnisoffen in der Prüfung", hieß es lediglich aus Saarbrücken.

Auch in Spiesen-Elversberg war schon ein Globus im Gespräch. Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Globus habe im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens eine frühere Anfrage nicht aktualisiert, bestätigte Bürgermeister Reiner Pirrung . "Ich gehe zum derzeitigen Zeitpunkt davon aus, dass Globus sich am Standort nicht verwirklichen will."

Es sieht so aus, als ob Globus in Neunkirchen auch ein Grundstück im Bereich der Betzenhölle an B 41 und Westspange ins Auge gefasst hat. Genau dieser Bereich hat bereits für Kontroversen gesorgt, liegt er doch auf dem Gebiet des Naturschutz-Großprojektes "Landschaft der Industriekultur Nord" (LIK.Nord). Der Zweckverband aus Kommunen, Städten und anderen Institutionen hat sich zum Ziel gesetzt, Denkmäler der Industriekultur zu erhalten und die Bergbaufolgelandshaft zu einem "Park der Region" mit hohem Naturschutzwert auszubauen. Illingens Bürgermeister Armin König ist derzeit Verbandsvorsteher. "Wir haben läuten hören, dass Globus hier einen Markt errichten will", so König zur SZ. Mit dem Projekt der LIK.Nord habe man einen bundesweiten Wettbewerb gewonnen und Fördergelder erhalten. Ziel sei es, ein Naturschutzgebiet einzurichten. Eine Ansiedlung an dieser Stelle würde eine Ausgliederung aus der LIK.Nord-Fläche voraussetzen - und dafür sehe König im Verband keine Mehrheit. "Es kann nicht sein, dass wir Bäume gegen Blech austauschen."

Von einer Globus-Ansiedlung profitierten nicht nur die Kunden - durch die Schaffung von 300 Arbeitsplätzen erfahre die Region auch eine wirtschaftliche Belebung, betont Rolf Alles von Globus. Die Stadt Neunkirchen stimmt dem zu. In einer Stellungnahme heißt es, eine Ansiedlung würde nicht nur neue Arbeitsplätze schaffen, sondern auch die Funktion Neunkirchens als Mittelzentrum stärken. Für einen nennenswerten Kaufkraftabfluss aus umliegenden Kommunen nach einer Globus-Eröffnung gebe es im Saarland keine Belege, heißt es weiter.

Armin König kann das Argument als Illinger Bürgermeister nicht nachvollziehen. "Das wird nicht die Region stärken und auch nicht Neunkirchen ", so König zur SZ. Er halte es für völlig irrational, einen Großmarkt in die Randlage zu bauen. "Gerade in einer Zeit, in der wir uns um die Innenlagen der Städte und Gemeinden kümmern", mahnt König. Das sei "Geschäftspolitik aus dem vorigen Jahrhundert". Er wolle nicht zusehen, wie ein "Staubsauger" die Kaufkraft aus der Umgebung abzieht. Er werde kämpfen und alle Hebel in Bewegung setzen, damit andere Kommunen gemeinsam mit Illingen dagegen vorgehen. "Als Bürgermeister halte ich das für eine Kriegserklärung."

Die Stadt Neunkirchen möchte eine mögliche Ansiedlung unter zweierlei Aspekten betrachtet wissen. Zum einen gehe es um den Naturschutz . Bei einem der in Frage kommenden Standorte sei durch den LIK.Nord-Verbandsausschuss zu prüfen, ob ein Antrag auf Ausgliederung der Fläche gestellt werden könne. Der zweite Aspekt sei raumordnerischer Natur. So liege es bei der Landesplanung, zu untersuchen, ob es zu negativen Einflüssen auf umliegende Gemeinden kommen könnte. Gegebenenfalls, so heißt es, könnten Auflagen, zum Beispiel zu Sortimentsgestaltung oder auch Größe, gemacht werden. Die Stadt sei derzeit nicht Herr des Verfahrens, würde sich über eine Ansiedlung aber "ohne Frage freuen".


Zum Thema:

HintergrundGlobus betreibt unter anderem 46 SB-Warenhäuser und 90 Baumärkte, in Deutschland - sechs davon bislang im Saarland (siehe Grafik), außerdem Märkte im Ausland. Das Unternehmen wurde 1828 in St. Wendel gegründet, wo es noch heute seinen Sitz hat. Der Jahresumsatz der Gruppe betrug zuletzt 6,9 Milliarden Euro in rund 160 Märkten. Die Mitarbeiterzahl wird mit 37 000 angegeben. spe