| 00:00 Uhr

Von den Erfahrungen anderer profitieren

Im Gespräch: Renate Weper, Mike Comuey-Bortsi, Alexander Gajdzik, Katarina Schleidowitz und Günter Bauer (v.l.). Foto: Thomas Seeber
Im Gespräch: Renate Weper, Mike Comuey-Bortsi, Alexander Gajdzik, Katarina Schleidowitz und Günter Bauer (v.l.). Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Steinrausch. Das Projekt „Lebensentwürfe“ bringt Jugendliche und Senioren an einen Tisch: Besprochen werden die Ideen, Pläne und Träume der Schüler, die Älteren berichten von ihren Erfahrungen. Dabei können beide Generationen etwas lernen. Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Ein Lebensentwurf, das kann eine Kiste sein, ein selbstgestaltetes Buch, eine Präsentation auf dem PC oder einfach eine lose Ideensammlung. Ihren persönlichen Entwurf haben die Jugendlichen im Gepäck, wenn sie im Mehrgenerationentreff "Miteinander der Generationen" Steinrausch mit der übernächsten Generation zusammensitzen. Die lebenserfahrenen Senioren sagen in einer kleinen Gruppe ihre Meinung dazu, raten ab oder zu, geben Tipps oder schildern eigene Erfahrungen. Was sie aus dem Gespräch mitnehmen, entscheiden die Schüler selbst. Aber auch die Älteren profitieren von dem Austausch: Sie stellen zum Beispiel fest, dass "die Jugend von heute" oft nicht so schlimm ist, wie sie denken.

In einer kleinen Runde sitzen Alexander Gajdzik, 16, Renate Weper, 78, Katarina Schleidowitz, 16, Günter Bauer, 62, und Mike Commey-Bortsie, 16, zusammen. Nachdem sich alle vorgestellt haben, die Älteren etwas ausführlicher ihre Biografie zusammengefasst haben, kommt die Runde auf die einzelnen Lebensentwürfe zu sprechen. "Ihr könnt uns alles fragen!", so ermuntert Weper die Jugendlichen zum Erzählen. Während die einen schon ziemlich genau wissen, wohin es etwa beruflich gehen soll, ist bei anderen noch alles offen. "Ich hab noch keine Ahnung, was ich später mal machen will", sagt Alexander Reisen, "Ich weiß schon genau, was ich will, aber mir ist es wichtig, auch noch andere Meinungen dazu zu hören", sagt Mike.

Katarina: "Ich habe schon gelernt, was meine positiven und negativen Eigenschaften sind, aber ganz genau weiß ich noch nicht, was ich mal werden will."

Ins Ausland gehen, das haben sich alle in der Runde vorgenommen. Im Saarland bleiben oder nicht - auch eine Frage, die sich bei der Ausbildungswahl stellt. Aber nicht nur die Berufswahl ist Gesprächs-Thema.

Sich Gedanken über das eigene Leben machen, Bilanz ziehen, einen Ausblick wagen, sich über persönliche Werte und Ziele klar zu werden und einen Sinn suchen - das alles ist Teil des Projekts Lebensentwürfe. "Methodentraining" nennt das sein Erfinder, der Lehrer Christian Korne. Ein Mal jährlich führt er dieses Projekt mit Schülern und Senioren durch, 2011 fand es am Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten zum ersten Mal statt. Grundgedanke ist es, Lebenserfahrung, Wissen und Kompetenzen älterer Menschen für die Lebensplanung junger Menschen nutzbar zu machen, beschreibt Korne. Die Jugendlichen stehen an der Schwelle zum Leben nach der Schule, in dem sie zum ersten Mal selbst bestimmen, wie es weitergeht - das bedeutet Verantwortung, viel Freiheit, aber auch großen Druck: Was will ich eigentlich?

Antworten auf diese Fragen suchen sie, während sie ihren persönlichen Lebensentwurf erstellen, mit allem, was für sie dazu gehört: Beruf, Familie, Abenteuer, Freunde, Reisen, Liebe, Hobbys. Saskia Kiefer, 16, hat ein richtiges Album erstellt: Einen kleinen Rückblick auf ihr bisheriges Leben, wichtige Menschen in ihrem Umfeld, ihre Interessen, ein Ausblick auf ihre Ziele enthält der Lebensentwurf der Zehntklässlerin. "Das waren schon einige Stunden Gedankenarbeit", verrät sie. Mit sechs der Senioren hat sie ihre Pläne besprochen. "Ich bin beeindruckt von manchen Biografien", sagt die 16-Jährige.

"Wenn etwas passiert, hat man was, woran man sich festhalten und orientieren kann", erklärt sie. Und Unvorhergesehenes passiert ja fast immer im Leben - das hat sie aus den Gesprächen schon mitgenommen.