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Verheerende Folgen für die Region

Nohfelden. Historiker Hans-Joachim Kühn informierte über die Zeit und die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges im St. Wendeler Land. red

Das Land verwüstet und entvölkert. Seuchen und Hungersnöte, Tod und Leid allenthalben. Umherziehende Soldatenhorden, zerstörte Städte und Dörfer. "Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret!", klagt Andreas Gryphius (1616 bis 1664) in seinem Gedicht "Tränen des Vaterlandes" von 1636. Darin verarbeitet der schlesische Dichter seine Eindrücke einer Reihe von militärischen Auseinandersetzungen, die später zusammenfassend als Dreißigjähriger Krieg bezeichnet werden sollten. Dieser Konflikt dauerte bis 1648, hatte verschiedene Phasen, zog im 17. Jahrhundert zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Regionen in Mitleidenschaft - auch das St. Wendeler Land. Darüber referierte der Historiker Hans-Joachim Kühn im Nohfelder Rathaus. Sein Vortrag ist Teil einer Reihe, die die Neuzeit im St. Wendeler Land näher betrachtet.



"Galt der Dreißigjährige Krieg lange als Religionskrieg, so wird er heute in erster Linie als Kampf um die Vormachtstellung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa gesehen", erläuterte Kühn den 50 Gästen. So standen sich der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und ihm treu ergebene Fürsten, die katholische Liga, auf der einen, die evangelische Union auf der anderen Seite gegenüber. Dabei ging es um mehr als nur um den rechten Glauben: katholisch oder evangelisch. Es ging um Macht, es ging um Herrschaft. Und in den blutigen Reigen gesellten sich schon bald ausländische Mächte. Die mächtige Walze des Krieges überzog das Land, hinterließ Verwüstung und Elend.

Das St. Wendeler Land wurde vor allem ab 1635 von dieser Walze erfasst. Kühn: "Die Feldzüge des Jahres 1635 führten zu einem bis zu 90-prozentigen Bevölkerungsverlusten und zu katastrophalen Lebensbedingungen, vor allem in der Westpfalz, an der mittleren Saar und in Deutsch-Lothringen, und stellen somit ein entscheidendes Moment für die lange zurückreichenden Entwicklungsdefizite dieser Region dar." Denn ab 1635 beteiligte sich Frankreich verstärkt am Kriegsgeschehen, eine Chance witternd, das eigene Einflussgebiet auszuweiten. Die Saargegend wurde Kampfgebiet. Mit bitteren Konsequenzen für die hiesige Bevölkerung, die den Historiker allerdings vor ein Problem stellen: "Erst ab etwa 1680 sind in der Region wieder Quellen und Dokumente verfügbar." Jene davor wurden zerstört - oder nie geschrieben. Schließlich wüteten die Heere in der Region, zerstörten Haus und Hof. Ein Zeugnis dieser verheerenden Zeit findet sich in der St. Wendeler Basilika. Ein Grabstein für einen kaiserlichen Offizier, der am 10. Oktober 1635, so die Inschrift, in St. Wendel starb, offenbar verletzt oder krank in der Stadt zurückgelassen. "Anno 1635 verstorben, (...) dessen Seel Gott bewahren möge", verkündet das Epitaph.

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 endete der Dreißigjährige Krieg. Bilanz: mehrere Millionen Tote, 33 Prozent der Städte des Heiligen Römischen Reiches zerstört, um die 40 Prozent der Dörfer. Doch Ruhe und Frieden kehrten nach 1648 im Saar-Lor-Lux-Raum nicht ein. Weitere kriegerische Auseinandersetzungen folgten im 17., dem Katastrophen-Jahrhundert. Kühn: "Vor dem Hintergrund dieser blutigen Auseinandersetzungen unter Beteiligung mehrerer europäischer Mächte muss der Historiker die Mahnung aussprechen, heute die europäische Zusammenarbeit nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzten."

Das 18. Jahrhundert mit Absolutismus, Aufklärung und Französischer Revolution nimmt der Historiker Bernhard W. Planz am Dienstag, 25. April, 19 Uhr, im Tholeyer Rathaus unter die Lupe. Der Eintritt ist frei.

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