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Typische Region für den Kurzurlaub

Wanderurlaub wird immer gefragter. Foto: dia-saar.de
Wanderurlaub wird immer gefragter. Foto: dia-saar.de
Wir schreiben das Jahr 2025. Meinungsforscher machen eine Umfrage in Frankfurt. Sie wollen wissen: "Woran denken Sie, wenn Sie ,St. Wendeler Land' hören?" Die Antworten kommen prompt: "Wandern", "Baden im Bostalsee", "Natur genießen", "toller Ferienpark", "Laufen und Golf spielen in St Von SZ-Redakteur Volker Fuchs

Wir schreiben das Jahr 2025. Meinungsforscher machen eine Umfrage in Frankfurt. Sie wollen wissen: "Woran denken Sie, wenn Sie ,St. Wendeler Land' hören?" Die Antworten kommen prompt: "Wandern", "Baden im Bostalsee", "Natur genießen", "toller Ferienpark", "Laufen und Golf spielen in St. Wendel", "zu sich finden in der Abtei Tholey", "der schönste Weihnachtsmarkt weit und breit". Und das Beste: Viele der Befragten wissen mit der Region St. Wendeler Land etwas anzufangen. Das war nicht immer so, wie ein Blick auf die touristische Entwicklung in den Jahren von 1997 bis 2007 zeigt.Und damit zurück in die Gegenwart. Wie sich die Tourismusmarke "St. Wendeler Land" bis zum Jahr 2025 entwickeln wird, das weiß im Moment noch niemand. Dass aber die Region zur Marke werden muss, damit sie überhaupt vermehrt von Gästen über den Ferienpark Sunpark, der am Bostalsee entstehen soll, hinaus aufgesucht wird, das unterstrich Professor Edgar Kreilkamp vom Fachbüro Project M. bei der Auftaktveranstaltung der Tourismusinitiative St. Wendeler Land Anfang April im Seehotel Weingärtner in Bosen (wir berichteten). Tourismusfachleute, Kommunalpolitiker, Geschäftsleute erarbeiten bis Mai in mehreren Arbeitsgruppe ein Entwicklungskonzept für den Tourismus in der Region.Wer aber wissen will, wo die Reise hingehen soll, der muss den Ausgangspunkt kennen. Diese Informationen hat Martina Scheer, die Leiterin der Tourist-Info St. Wendeler Land, zusammengestellt. Dabei blickt sie auf den Zeitraum von 1997 bis 2007. Um die wichtigsten Ergebnisse ihrer Arbeit geht es in der folgenden Beschreibung des Ist-Zustandes des Tourismus im St. Wendeler Land.Das St. Wendeler Land ist eine Region für den Kurzurlaub. Die Gäste bleiben zwischen zwei und vier Tagen, der Durchschnitt ist von 3,6 Tagen im Jahr 1997 auf 3,4 Tagen im Jahr 2007 gefallen. 1997 gab es laut amtlicher Statistik 68 016 Ankünfte von Gästen mit 243 521 Übernachtungen. 2007 waren es dann 80 046 Gäste mit 264 461 Übernachtungen. Während in diesem Zeitraum von zehn Jahren die Ankünfte um 18 Prozent gestiegen sind, stiegen die Übernachtungen um neun Prozent. In der schriftlichen Analyse kommt Scheer zu dem Schluss: "Das heißt, dass mehr Gäste ins St. Wendeler Land gekommen, aber nicht so lange geblieben sind." Bei diesen amtlichen Zahlen muss man allerdings wissen, dass dort nur Übernachtungsbetriebe ab neun Betten erfasst werden. Kleinere Hotels oder auch Ferienwohnungen werden hier nicht mitgezählt.Nur ein geringer Teil der Gäste kommt aus dem Ausland, ihre Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren fast gleich geblieben. 6047 ausländische Touristen zählten die Statistiker 2007, die 18 493 Mal übernachteten.Die meisten Gäste kommen ins St. Wendeler Land in den Urlaubsmonaten im Sommer, die wenigsten im November, Dezember, Januar und Februar. Wobei die Tourismus-Experten feststellen, dass verstärkt zu Großereignissen und Festen anreist wird, die wie Magnete wirken. Wendel. Welche wirtschaftliche Rolle der Tourismus im Landkreis St. Wendel spielt, darüber gibt die so genannte Wertschöpfung Auskunft. Sie zu errechnen ist gar nicht so einfach. Denn ein Gast im Hotel gibt jeden Tag wohl mehr aus als ein Selbstversorger auf dem Campingplatz. Dazu kaufen Gäste ja auch in Geschäften ein, müssen ihre Fahrzeuge auftanken und, und, und. Die Statistiker haben bundesweit Kennzahlen entwickelt. Aus diesen ergibt sich für das St. Wendeler Land eine Wertschöpfung durch den übernachtenden Tourismus von 15 Millionen Euro im Jahr, zudem von 850 000 Euro auf dem Campingplatz am Bostalsee. Hinzu kommt die Wertschöpfung durch den Tagesausflugsverkehr. Hier gehen die Statistiker von 2,8 Millionen Tagesausflüglern im St. Wendeler Land aus. Das entspricht einer Wertschöpfungsquote von 48,6 Millionen Euro. Zusammengerechnet kommt da die stolze Summe von 64,5 Millionen Euro zusammen. Dazu heißt es in dem Bericht der Tourist-Info: "Die Tagesausflügler im St. Wendeler Land haben mit 75 Prozent den größten Anteil an der touristischen Gesamt-Wertschöpfung im Landkreis St. Wendel." Aus dieser Zahl errechnen die Experten auch das so genannte Arbeitsplatzäquivalent, das ist die mögliche Anzahl von Vollzeitarbeitsplätzen. Da kommen sie in der Region auf 2690 Beschäftigte. Der Abteil des Tourismus am Volkseinkommen beläuft sich auf 2,9 Prozent. Der Steuereffekt für die Kommunen beträgt 2,8 Millionen Euro. Noch ein Blick auf den Bostalsee. Laut Scheer beläuft sich der Gesamtnetto-Umsatz am Bostalsee im Jahr 2007 auf acht Millionen Euro. Da sind auch die Tagesausflügler mitgezählt. Gleichzeitig habe 2007 der Landkreis 935 000 Euro in den Bostalsee investiert. Die Schlussfolgerung laut Martina Scheer. "Jeder vom Landkreis investierte Euro in den Betrieb Bostalsee induziert das 8,5-fache an Netto-Umsätzen." vfGemeindenSt. Wendel. Wie aber verteilen sich die Besucher auf das St. Wendeler Land. Da gibt es ganz klare Schwerpunkte: Die Kreisstadt St. Wendel und die Gemeinde Nohfelden mit dem Bostalsee. 2007 registriert die amtliche Statistik 20 419 Ankünfte (114 908 Übernachtungen) in der Kreisstadt St. Wendel, gefolgt von 19 762 Ankünften (61 364 Übernachtungen) in der Gemeinde Nohfelden, 14 903 Ankünfte (31 982 Übernachtungen) in Tholey, 11 452 Ankünfte (26 928 Übernachtungen) in Nonnweiler, 11 178 Ankünfte (22 311 Übernachtungen) in Oberthal. Freisen, Marpingen und Namborn verfügen über keine Betriebe ab neun Betten, gehen also leer aus.Im Gutachten der Tourist-Info heißt es dazu: "Die Gemeinde Nohfelden war von 1997 bis 2006 Spitzenreiter in den Ankünften und wurde erstmals 2007 von der Stadt St. Wendel auf den zweiten Platz gedrängt. Auslöser dafür ist das neue Golfhotel in St. Wendel, aber auch die verstärkten Anstrengungen im Marketing, wie beispielsweise die Veranstaltungen und Märkte. Die Ankünfte in der Bostalsee-Gemeinde zeigen über die letzten zehn Jahre hinweg nur geringfügige Schwankungen und bewegen sich um ein Level von etwa 20 000 Gästen pro Jahr. Der enorme Anstieg der Übernachtungszahlen in der Gemeinde Tholey 1999 ist auf die Erweiterung des Jugendgästehauses am Schaumberg zurückzuführen." Welche Rolle der Tourismus spielt, darüber gibt eine weitere Kennzahl Aufschluss, die Fremdenverkehrsintensität, die sich aus der Zahl der Übernachtungen pro 100 Einwohner berechnet. Da fällt die Entwicklung in den Kommunen im Zehn-Jahres-Vergleich sehr unterschiedlich aus: Nohfelden: -4,4 Prozent, Nonnweiler: - 17,6 Prozent, Oberthal: -17,7 Prozent, St. Wendel: +33,8 Prozent, Tholey: +58,2 Prozent. Von 1997 bis 2007 ist die Bettenkapazität in der Stadt St. Wendel um 28 Prozent gestiegen, in Tholey um 26 Prozent, in Nonnweiler um 14 Prozent. In Nohfelden gab es einen leichten Rückgang um ein Prozent, Oberthal ist mit -0,5 Prozent fast gleich geblieben.



HintergrundCampingplatz Bostalsee: "Zwölf Prozent der Übernachtungen in der Region gehen auf den Campingplatz am Bostalsee zurück. Und das ohne die Dauercamper." Das weiß Martina Scheer, Leiterin der Tourist-Info. In Spitzenzeiten beherberge der Campingplatz 2000 Menschen. Jeder Gast gebe im Schnitt 19,20 Euro am Tag aus. 2007 gab es 12 396 Ankünfte und 35 980 Übernachtungen, 1997 waren es noch 6138 Ankünfte und 22 679 Übernachtungen. All dies ohne die Dauercamper. Damit hat sich die Gästezahl in den zehn Jahren verdoppelt, die Übernachtungszahl um 58,6 Prozent erhöht. Die Nutzung des Platzes ist stark saisonabhängig. Ausgebucht ist er oft in den Sommermonaten Juni bis August. 95 Prozent der Camper kommen aus dem Inland, neben den Saarländern sind es viele Rheinlandpfälzer. Aber auch Hessen und Baden-Württemberger. Stark zurückgegangen ist in den zehn Jahren die Zahl der Gäste aus den Benelux-Ländern von 13 auf fünf Prozent. vfAuf einen BlickEtwa 120 Ferienwohnungen und Ferienhäuser gibt es im St. Wendeler Land. Da die nicht gewerblichen Betriebe unter neun Betten von der amtlichen Statistik nicht erfasst werden, liegen auch keine offiziellen Zahlen zu den Ferienwohnungen in der Region vor. Die Tourist-Info St. Wendeler Land hat aber für das Tourismusjahr 2006 eine Umfrage unter den Anbietern von Ferienwohnungen in der Region gemacht mit einer Beantwortungsquote von 42 Prozent. Diese Zahlen hat die Tourist-Information dann auf alle Ferienwohnungen hochgerechnet. Demnach zählten die Ferienwohnungen in der Region 2006 insgesamt 3974 Gäste und 14 183 Übernachtungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug hier 3,6 Tage. Damit erbringen Ferienwohnungen etwa sechs Prozent der Gesamtübernachtungen im St. Wendeler Land. Im Landesschnitt sind es nur 0,6 Prozent. Das bedeutet, Ferienwohnungen spielen als Übernachtungsalternative im St. Wendeler Land eine größere Rolle. vf

Wanderurlaub wird immer gefragter. Foto: dia-saar.de
Wanderurlaub wird immer gefragter. Foto: dia-saar.de
Wanderurlaub wird immer gefragter. Foto: dia-saar.de
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