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Bootsunglück
Solarboot-Bergung dauerte acht Stunden

Mit dem Schlepper „Alubomber“ haben Fachleute die „Arche Noah“ über den Bostalsee gezogen.
Mit dem Schlepper „Alubomber“ haben Fachleute die „Arche Noah“ über den Bostalsee gezogen. FOTO: Frank Faber
Gonnesweiler/Bosen. Eine Spezialfirma hat den gekenterten Katamaran „Arche Noah“ in den Kreissegelhafen geschleppt. Von Frank Faber

Vier Tage nach dem Bootsunglück auf dem Bostalsee ist am Donnerstag der gekenterte Katamaran von einer Spezialfirma geborgen worden. Das Ausflugsschiff „Arche Noah“ war am Pfingstmontag während der Rundfahrt vor der Gonnesweiler Anlegestelle am Minigolfplatz des Center-Parcs aus noch ungeklärten Gründen umgekippt (wir berichteten). Dabei wurden sowohl Passagiere als auch Ersthelfer verletzt.


Tags darauf traf Karlheinz Vitt, Geschäftsführer der mit der Bergung beauftragten Spezialfirma Nautik aus dem baden-württembergischen Sasbach (Landkreis Emmendingen), am Unfallort ein. Ihm wurde sofort klar: „Bei dem abschüssigen Gelände können wir das Boot nicht aus dem Wasser ziehen und auch das Ufer ist schwer zugänglich“. Deswegen lautete sein Plan, dass der zehn Meter lange Katamaran über den See abgeschleppt werden muss. Der Bergungsjob am Donnerstag gestaltete sich für Vitt und seine Mitarbeiter Enzo Camerata und Thomas Egger schwieriger als zunächst gedacht. „Die Schwierigkeit ist das flache Wasser. Die Dachkonstruktion hat sich unter der Gewichtslast von 2,8 Tonnen in den schlammigen Boden gerammt, deshalb können wir das Boot nicht anheben“, erklärte Vitt. Zuvor hatte Egger den ersten Tauchgang im Badesee absolviert und seinem Chef die Informationen mitgeteilt. „Seine Sicht war gut. Das Dach steckt wohl 30 bis 40 Zentimeter tief im Boden drin“, sagte der Bergungsexperte.

Deshalb entschloss sich das Trio, mit gelben aufblasbaren Luftkissen das Schiffswrack anzuheben. Mehrere Säcke wurden seitlich angebracht, und Vitt aktivierte die Luftzufuhr von seinem Schlepper „Alubomber“ aus. Ein von der Kaskoversicherung eingesetzter Havarie-Kommissar überwachte das Geschehen von der abgesperrten Anlegestelle, als sich der Kahn langsam im etwa 1,70 Meter tiefen Wasser mehr und mehr anhob. Der Zeichensprache der Spezialisten war zu entnehmen, dass die Sache klappt. Vitt stellte den Druckluftkompressor ab, und Egger tauchte noch einmal Richtung Seegrund ab. Nickende Kopfbewegungen nach seiner Rückkehr deuteten an, dass die „Arche Noah“ nun frei wäre und abgeschleppt werden konnte.



Vitt drehte den „Alubomber“, woran das Ausflugsschiff festgemacht wurde und kieloben nach einer Arbeitszeit von mehr als drei Stunden über das Binnengewässer bis in den Bosener Kreissegelhafen gezogen wurde. „Unser Boot habe ich mitgebracht, andere Boote haben  nicht die  Kraft dafür“, sagte der Bergungschef. Während der Überfahrt bestellte er telefonisch einen Autokran. Ehe der mit seinem riesigen Hebearm zupackte, mussten die mittlerweile mit Wasser gefüllten Luftsäcke wieder entfernt werden, damit das Boot in die richtige Position gekippt werden konnte. Anschließend begutachtete der Havarie-Kommissar den Zustand des dachlosen, schrottreif aussehenden und zuvor solarbetriebenen Katamarans.

Acht Stunden dauerte die Bergungsaktion, bis der Autokran das ramponierte Boot aus dem Wasser gehoben und es auf seinen Standplatz gesetzt hatte. Im abgesperrten Kreissegelhafen soll die „Arche“ nun von der Staatsanwaltschaft und Gutachtern untersucht werden. Über den Stand der Ermittlungen zum Unfallhergang machten die Behörden am Donnerstag keine Angaben. „Für uns war das eine Durchschnittsarbeit, die Schwierigkeit lag darin, dass wir das Schiff nur schwer anheben konnten“, fasste Vitt den Bergungstag kurz vor Feierabend zusammen.

Am Freitag sind noch die Überreste der Dachkonstruktion und Teile des Solarequipments aus dem Wasser gefischt worden.

Bergungs-Fachleute begutachten das Solarboot im Bosener Kreissegelhafen.
Bergungs-Fachleute begutachten das Solarboot im Bosener Kreissegelhafen. FOTO: Frank Faber