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Neues Projekt in Walhausen
Gesund leben und sich gegenseitig helfen

Hier soll das neue Wohngebiet  entstehen. Mitglieder des Vereins proWal zeigen den Plan: (von links)  Edda Niedermeier, Luan, Christine Kuenen, Robin Ramminger, Ulrika Frank, Toni Marchetti, Rabea , Kori Frank, Achim Klemm und Tanja Endres-Klemm.
Hier soll das neue Wohngebiet  entstehen. Mitglieder des Vereins proWal zeigen den Plan: (von links)  Edda Niedermeier, Luan, Christine Kuenen, Robin Ramminger, Ulrika Frank, Toni Marchetti, Rabea , Kori Frank, Achim Klemm und Tanja Endres-Klemm. FOTO: B&K / Bonenberger/
Walhausen. Verein proWal plant in Walhausen ein Wohnprojekt unter ökologischen Gesichtspunkten. Info-Veranstaltungen starten. Von Melanie Mai

WAL, das könnte für Walhausen stehen. Oder auch für Waldorfschule. Beides würde passen. Aber es bedeutet „Wohnen, Arbeiten, Leben“. „Die Doppeldeutigkeit war uns anfangs gar nicht bewusst“, sagt Edda Niedermeier, Vorstandsmitglied im Verein proWal und der Siedlungsgenossenschaft mit gleichem Namen. Umso schöner, dass WAL gleich für drei Schlagworte stehe. Denn alles hänge zusammen. In dem Nohfelder Ortsteil soll ein ökologisches Wohngebiet entstehen, wo die Menschen ihr Essen selbst anbauen, wo einer dem anderen hilft, wo Ehrenamtliche kleine Geschäfte betreiben.  Im Gespräch mit der SZ holt Niedermeier, begleitet von Tanja Endres-Klemm, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, weit aus. Sie erklärt, wie es zu der Idee für dieses Wohn-Projekt kam, das nun Formen annehmen soll. Und das dieser Tage öffentlich vorgestellt wird.


„Vor gut 25 Jahren gab es eine Initiative im Nordsaarland, die eine Waldorfschule gründen wollte.“ Schließlich gab es schon Waldorfkindergärten in St. Wendel und in Birkenfeld. Gedacht wurde damals auch an eine besondere Form der Lebensgemeinschaft mit angeschlossenen Therapiemöglichkeiten. Aber dieser Gedanke sei irgendwann in den Hintergrund getreten, die Initiatoren konzentrierten sich auf die Schule.  Nun gibt es die Schule seit fast 20 Jahren in Walhausen; und die Idee von einer besonderen Form der Wohngemeinschaft kommt wieder auf.  Und darum kümmert sich der Verein proWal, wie Niedermeier erklärt: „2013 fragte sich eine Initiative von Menschen, die die Schule gegründet haben und deren Kinder jetzt erwachsen sind: Was passiert mit uns im Alter?“ Die Idee von einer Wohngemeinschaft, wo man sich im Alter gegenseitig unterstützt, war geboren.  Plätscherte aber so vor sich hin. 2015 griffen diese und auch ein paar weitere Personen den Gedanken wieder auf.  Auslöser sei gewesen, so Niedermeier, dass Geschäfte im Ort dicht machten und „die Infrastruktur in Walhausen immer weniger wurde“. Endres-Klemm: „Wir wollten wieder Leben in den Ort bringen.“

Etwa zehn Männer und Frauen gründeten den Verein (heute sind es 30), führten erste Gespräch mit der Gemeinde, loteten Zuschussmöglichkeiten aus. 2018 wurde ein entsprechendes Dorfentwicklungskonzept genehmigt. Um das ganze Projekt zu finanzieren, gründeten die Initiatoren außerdem eine Siedlungsgenossenschaft. Die Formalitäten sind noch nicht ganz abgeschlossen, aber noch im November soll die Genossenschaft eingetragen werden. „Es entsteht kein Privateigentum“, erklärt Niedermeier, was es damit auf sich hat.   Sollte der Wohn- und Arbeitspark entstehen, gehöre dieser der Genossenschaft. Wer das Projekt unterstützen will, kann entweder Geld an den Verein spenden und bekommt dann auch eine Spendenquittung. Oder er kann als Mitglied in die Genossenschaft eintreten. Der Anteil pro Mitglied beträgt 1000 Euro. Mindestens. „Man kann auch mehr zahlen, hat aber dadurch nicht mehr Stimmrecht“, so Niedermeier. Das Geld ist dann für fünf Jahre fix. Rendite ist nicht zu erwarten. Wer das Geld investiert, tut das aus ideellen Gründen. Er unterstütze die Verwirklichung des Projektes in Walhausen.



Gekauft werden sollen etwa vier Hektar Land, die an die Waldorfschule angrenzen. Für diesen Ankauf sowie für Steuern und erste Formalitäten braucht der Verein erst einmal rund 250 000 Euro, schätzt Niedermeier. Um den ersten Bauabschnitt zu verwirklichen, werden etwa 3,5 Millionen Euro benötigt. Auf die Frage, ob es realistisch sei, dass das Geld zusammenkomme, antwortet Niedermeier schnell, klar und deutlich: „Ja“.  Zumal sie hofft, auch auf Bundesebene Zuschüsse zu bekommen.

Geplant ist ein Bereich mit Wohneinheiten, mit Geschäften, Gästezimmern, therapeutischer Versorgung und Freizeitmöglichkeiten für alle Generationen. Hintergrund ist, dass immer mehr Menschen alleine leben, alt und pflegebedürftig sind. Oft sei nicht unbedingt ein Pflegedienst von außen notwendig, da die Menschen auch noch selbst viel machen könnten. So könne man sich gegenseitig helfen, könne aber auch Infrastruktur für die Allgemeinheit schaffen. Nohfeldens Bürgermeister Andreas Veit (CDU) nennt das Beispiel eines Dorfcafés oder -ladens. „In der freien Wirtschaft würde sich das vielleicht nicht tragen, aber es ist möglich, dass Ehrenamtliche den Laden aufrechterhalten.“ Außerdem soll ein Gärtnerhof entstehen. Als wirtschaftlicher Betrieb. Gemüse, Kräuter und Heilpflanzen sollen angebaut werden sowie Getreide für eine Backstube, die ebenfalls angedacht ist. Genau wie Streuobstwiesen, Kleintierhaltung und Pferde für Reitpädagogik und -therapie. Endres-Klemm möchte  eine kleine Kunst- und Musikschule – speziell auch für Senioren oder behinderte Menschen – betreiben. Außerdem plant die Klangtherapeutin und Entspannungspädagogin, gemeinsam mit mehreren Therapeutinnen ein  Gesundheitszentrum aufzubauen. Alle Einrichtungen sollen dann auch von den Bürgern Walhausens und darüber hinaus genutzt werden können. Die Initiatoren wollen eine Verbindung zum Ort schaffen und kein Dorf am Rande des Dorfs.

Außerdem sollen Arbeitsplätze, in erster Linie für behinderte Menschen, entstehen. Niedermeier spricht von etwa 30 in den Werkstätten, in der Backstube oder beim Friseur. Konzipiert ist das Wohn- und Arbeitsgebiet für 110 Menschen, die dort leben können. Sowohl in Bau- als auch in der Lebensweise soll es ökologisch und nachhaltig sein. Schließlich hat sich der Verein der „künstlerischen und nachhaltigen Lebensführung“ verschrieben.

Bürgermeister Veit hält das für „eine Chance für Walhausen“.  Schon die Waldorfschule wirke sich positiv auf den Ort aus, in dem 550-Einwohner-Dorf gebe es kaum Leerstände.  Veit: „Ein solches Projekt gibt Walhausen eine Perspektive. Denn viele Leute machen sich verstärkt Gedanken darüber, wie sie in Zukunft leben werden.“  Und er fügt hinzu: „Das Leben dort soll sein wie früher. Und das im positivsten Sinn – nämlich dass einer auf den anderen aufpasst.“