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Seitenwechsel bei den Verteidigern

Mit Oberhexe Gaby Schmitt war gestern nicht zu spaßen – den Herrn im Rathaus zeigte sie die Zähne und nahm ihnen bis Aschermittwoch ihre Macht. Fotos: Thorsten Wolf
Mit Oberhexe Gaby Schmitt war gestern nicht zu spaßen – den Herrn im Rathaus zeigte sie die Zähne und nahm ihnen bis Aschermittwoch ihre Macht. Fotos: Thorsten Wolf
Homburg. Die Forum-Verteidigung lief gestern eher schleppend: Landrat Clemens Lindemann beschwerte sich lautsark über die „dritte Wahl aus dem Rathaus“. Und die Oberhexe Gabi Schmitt und ihre Mitstreiterinnen ließen den Verteidigern keine Chance. Von SZ-MitarbeiterThorsten Wolf

Es war in diesem Jahr ein etwas anderer Rathaussturm, der das Homburger Forum gestern im Wirbel der Weiberfasenacht erzittern ließ. Und dieses "anders" betraf vor allem die Reihen der Verteidiger des "Schloofhauses". Denn: War es seitens der Kreisverwaltung wie immer Landrat Clemens Lindemann, der sich anschickte, die Schlüssel zu den heiligen Amtsstuben bis zur letzten Krawatte zu verteidigen, so konnte die Stadt nur ihre dritte Garde aufbieten.

An der Verwaltungsspitze fehlte der immer noch erkrankte Oberbürgermeister Karlheinz Schöner. Und der eigentlich stellvertretende Chef-Verteidiger, Bürgermeister Klaus Roth, stahl sich erkrankt noch am Tag der Schlacht ums Rathaus aus der Verantwortung. So blieb es am Beigeordneten Rüdiger Schneidewind und seinem Schlüssel-Vasallen Raimund Konrad, abseits der tollen Tage als Beigeordneter zuständig für die Kultur in der Stadt, den Schutz von Hängeregistern, Wiedervorlagemappen und Aktenordnern zu organisieren. Rüdiger Schneidewind? Das machte nicht wenige wilde Weiber gestern im großen Ratssaal, dem Schauplatz des alljährlichen Kampfes, stutzig. Der Rüdiger Schneidewind, der in den zurückliegenden Jahren als erster Zunftmeister der Homburger Narrenzunft eigentlich auf Seiten der Narren gestanden hatte? Genau der!

Und vielleicht lag es auch eben an dieser temporären Persönlichkeitsspaltung des Beigeordneten, dass die Verteidigung des Forums doch eher schleppend daher kam. Und so hatte Oberhexe Gaby Schmitt, an ihrer Seite und nicht minder hexisch Sabine Blatt-Engel und Margot Ecker, wahrlich leichtes Spiel. Landrat Clemens Lindemann verließ, nachdem er sich lautstark und mit einem deutlichen Augenzwinkern über die "dritte Wahl aus dem Rathaus" beschwert hatte, immer wieder mal die Reihen der Verteidiger und ging im Saal unter den Narren "verloren". So geschwächt hatten Schneidewind und Konrad kaum die Chance, der scharfen Zunge von Gaby Schmitt zu entgehen. "Am besten fange ich im Forum an, dort sin zuerst unsre Beamten dran. Für die verhäng ich eine Bettensteuer, denn Ruhezeiten, die sind teuer."

Aus der so bereimten Ruhe geschüttelt, schafften es die "Verteidiger" immerhin noch, mit dem einen oder anderen verbalen Störfeuer die Niederlage zu verzögern - am Ende half alles wie immer nichts: Unter den Klängen von Franz und Martin Hartmann ließ Joachim Berger von der Polizeiinspektion Homburg die Handschellen klicken, über den Schlüssel zum Rathaus herrschen nun bis zum Aschermittwoch die wilden Weiber von Homburg.



Wilde Weiber.
Wilde Weiber.