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Sabotiert Google den Bostalsee?

Nohfelden. Ein Leck oder reine Irreführung? Wer sich auf den Online-Suchdienst Google verlassen will, ist im konkreten Fall zumindest verlassen. Er zeigt veraltete Aufnahmen des Bostalsees. Wer dies korrigieren lassen will, stößt recht bald an Grenzen. Matthias Zimmermann

Der Ferienpark ist seit Mitte 2013 geöffnet. Besucher verbringen ihren Urlaub in den Ferienhäusern auf den Hügeln und im Zentralgebäude. Dort stehen ihnen Hallenbad, Restaurants, ein Supermarkt sowie Kegel- und Golfbahn zur Verfügung. Im nahe gelegen Bosiland, einem wetterunabhängig in einer Halle untergebrachten Spielplatz, tollen Kinder umher. Daran angrenzend gibt's Erfrischung im Biergarten. Alles am Ufer des Bostalsees zu entdecken.

Doch warum um Himmels Willen sollte jemand einen trockengelegten See besuchen? Das ist doch wahrlich kein einladendes Idyll. Diesen Eindruck bekommen zumindest Ortsunkundige vermittelt, die eine Reise planen und auf den Internet-Recherchedienst Google zurückgreifen. Auf dessen Angebot Google-Map, das wie eine elektronische Landkarte funktioniert und zusätzlich Luftaufnahmen der gesuchten Region abbildet, sieht der Bostalsee bedenklich trostlos aus. Ein brauner Fleck ist da zu erkennen, wo eigentlich grün-blaue Fluten sein müssten. Einer Kraterlandschaft gleich, die eher einer sandigen Rallye-Strecke als einem Ort für Schwimm- und Bootsvergnügen ähnelt. Dass es sich dabei um die zig Jahre alte Fotografie eines längst überholten Zustandes handelt, darüber ist auf dieser Internetseite nichts zu erfahren.

Verantwortlichen des Freizeitzentrums Bostalsee ist die unkorrekte Darstellung im weltweiten Computernetz bekannt, der Ärger darüber groß. Ein Tourist habe darauf aufmerksam gemacht. Der Landkreis St. Wendel reagierte prompt. Damit ging die Odyssee los, wie Lukas Kowol von der Kreispressestelle beklagt.

"Kollegen des Freizeitzentrums versuchten, Kontakt mit Google-Deutschland aufzunehmen." Doch mehrere Anläufe über verschiedene Wege waren laut Kowol zum Scheitern verurteilt. "Zuerst wurde eine E-Mail an Google gesandt." An die Adresse, die im Google-Impressum als üblicher Kontakt angegeben ist. Umso verwunderter reagierten die Freizeitzentrumsmitarbeiter auf eine automatisierte Antwort: "Vielen Dank, dass Sie sich an die Google Inc. wenden. Bitte beachten Sie, dass aufgrund der Vielzahl von Anfragen E-Mails, die unter dieser E-Mail-Adresse support-de@google.com eingehen, nicht gelesen und zur Kenntnis genommen werden können."

Dann habe die Suche nach einer Telefonnummer am deutschen Standort des US-amerikanischen Unternehmens begonnen. Ebenfalls erfolglos.

Dritter Versuch: über die Internetseite Google-Map direkt an die Verantwortlichen herankommen. Dieser Hinweis aufs falsche Bild gehe nun seine internationalen Wege, weil es keinen deutschen Betreuer gebe. Reaktion? Fehlanzeige.

Übrigens: Ähnlich erging es der SZ. Eine Pressestelle wie bei vielen Unternehmen ist nicht ausfindig zu machen. Auch die Zeitungsanfrage bekam zur Antwort, dass die Nachricht nicht gelesen werde. So bleibt offen, ob demnächst ein aktuelles Bild vom Bostalsee bei der Google-Internetseite auftaucht.

2008 hatte sich der See ohne Wasser präsentiert. Grund dafür waren Reparaturen an der Staumauer. Seitdem ist der Bostalsee aber längst wieder geflutet.