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Rathaussaal wurde zum Kaffeehaus

„Ja, ja, der Wein ist gut“, sangen Martina Veit (links) und Günther Veit. Foto: Faber
„Ja, ja, der Wein ist gut“, sangen Martina Veit (links) und Günther Veit. Foto: Faber FOTO: Faber
Oberthal. Ausverkaufter Oberthaler Rathaussaal beim musikalischen Themenabend „Wien bleibt Wien“. Heimische Gesangskünstler interpretierten eine Wiener-Melodien-Melange mit walzerseligen Melodien, Operettenliedern und mit typischem Schmäh angehauchte Gassenhauer und Chansons. Von SZ-Mitarbeiter Frank Faber

Mehr Begrüßung beim Themenabend "Wien bleibt Wien" geht nicht. 100 Zuhörer hatten eben im Oberthaler Rathaussaal zur musikalischen Reise nach Wien Platz genommen, da stand schon einer der bekanntesten Söhne der Stadt vor ihnen. Volksschauspieler Hans Moser alias Paul Jungblut (74) stimmte die Besucher mit der Geschichte über die nicht stubenreine Fiaker-Fahrt von Baron Zitzewitz ein. Das Musikantenland-Trio mit Violine, Gitarre/Akkordeon und Kontrabass eröffnete anschließend den Melodien-Reigen mit dem unterhaltsam-leichten Marsch "Wien bleibt Wien" von Johann Schrammel. Gefühlvolle und charakteristische Kaffeehausstimmung verströmte das Trio mit dem Heinrich-Strecker-Werk "Drunt in der Lobau". Auch die Oberthaler Comedians sagten Hallo. "Grüßt Euch Gott, alle miteinander. Alle miteinander hier im hohen Haus, wir singen jetzt alles durcheinander, spenden einen Wiener Liederstrauß"- mit diesen Worten schlüpften sie von Karl-Heinz Fries am Klavier begleitet in die Rollen der "Sänger von Wien".

Texte des 2011 verstorbenen Komponisten, Sänger und Dichter Georg Kreisler muteten den Interpreten einiges zu. Chansonnier Jörg Grates, im Hauptberuf Pfarrer, verwandelte die komplizierten schwarzhumorigen Zungenbrecher in verständliche Verse. "Aber was für ein Ticker ist ein Politiker. Eines Tages gibt's den sicher nicht mehr!". Oder: "Die Herzen sind schwach und die Liebe ist stark, beim Tauben vergiften im Park", präsentierte der Kirchenmann mit stoischer Ruhe den Klassiker von Kreisler.

Premiere feierte das Instrumental-Duo Karl-Heinz Fries und Peter Gregorius. Mit Klavier und Saxofon präsentierten sie die "Zitherballade" von Anton Karas aus dem Schwarzweiß-Leinwand-Thriller "Der dritte Mann". Sopranistin Martina Veit begeisterte mit der Robert-Stolz-Hymne "Im Prater blühn wieder die Bäume".

Lieder zum Mitsingen

Die 84-jährige Besucherin Inge Gerhard aus Hirstein schwärmte: "Großartig, ich kann jedes Lied mitsingen." Musik, so fand der Namborner Manfred Lanbert, hält gesund und ist gut für die Seele. "Die Wiener Musik hat so ein gewisses Flair, sie kommt von Herzen und man spürt den Zeitschmerz", sagte Sopranistin Veit. Gegen Ende des Konzertes sang sie im Duett mit dem Bariton Günther Veit "Ja, ja der Wein ist gut". Höflich verneigte sich das Musikantenland-Trio vor dem Publikum "Sag beim Abschied leise Servus".

Hans-Herbert Mörsdorf, Vorsitzender des veranstaltenden Freundeskreises Kultur im Rathaus und zudem Dirigent der Oberthaler Comedians, bilanzierte zufrieden: "Wir konnten leider nicht alle Kartenwünsche erfüllen, bislang waren alle unsere Rathaussaal-Veranstaltungen ausverkauft". Auf einen erneut gefüllten Saal hofft der Freundeskreis am 16. März. Dann ist der italienische Pianist Marco Tezza in Oberthal zu Gast.