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RAG startet Abriss in Luisenthal

Blick auf die Luisenthaler Tagesanlage vom Bahnhof aus: Die Reste der Kohlenwäsche und die Sieberei (links), heruntergekommen, mit Graffiti beschmiert und nicht mehr nutzbar, sollen abgerissen werden. Die Fördergerüste der Schächte Richard 1 (links) und Richard 2 hingegen sollen mitsamt den Fördermaschinenhäusern erhalten bleiben. Wofür sie dienen können, ist noch offen.Foto: Becker & Bredel
Blick auf die Luisenthaler Tagesanlage vom Bahnhof aus: Die Reste der Kohlenwäsche und die Sieberei (links), heruntergekommen, mit Graffiti beschmiert und nicht mehr nutzbar, sollen abgerissen werden. Die Fördergerüste der Schächte Richard 1 (links) und Richard 2 hingegen sollen mitsamt den Fördermaschinenhäusern erhalten bleiben. Wofür sie dienen können, ist noch offen.Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Völklingen. Im Juni 2005 ist die Kohleförderung in der Region eingestellt worden. Die künftige Nutzung des Grubengeländes in Luisenthal ist noch ungeklärt. Gestern hat zumindest ein Abriss im Außenbereich begonnen. Von SZ-RedakteurBernhard Geber

Rudolf Krumm, Repräsentant der RAG Immobilien GmbH (RAG MI) im Saarland, hat gestern gemeinsam mit Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) den ersten Abriss auf früherem Bergwerksgelände in Luisenthal gestartet. Der Bagger geht nun an die ehemalige Lkw-Werkstatt. Sie liegt außerhalb des eigentlichen Grubengeländes - rechts der Altenkesseler Straße, von der Bundesstraße 51 aus gesehen. Diese rund zwei Hektar Fläche an der Gemarkungsgrenze zu Saarbrücken sind bereits für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Während dort abgerissen wird, arbeitet die RAG MI an einem neuen Konzept für das eigentliche Grubengelände. "Im Juni werden wir einen ersten Entwurf vorlegen", sagte Krumm.

Nachdem die Vision eines Energieparks im Oktober zu den Akten gelegt worden war (siehe "Rückschau"), plant das Unternehmen nun laut Krumm mit insgesamt vier Komponenten. Ein "öffentliches Institut" soll angesiedelt werden, das Forschung zum Thema erneuerbare Energien betreibt. Das werde sich auch mit Weiterbildung beschäftigen und könne sich so mit dem Wunsch der Stadt nach einer Veranstaltungshalle in Luisenthal treffen. Die Erinnerung an das schwere Grubenunglück von 1962 solle auf dem Gelände augenfällig erhalten bleiben. Zudem werde der Gedanke verfolgt, im Bereich Rotstaystraße Wohnbebauung auszuweisen.

"Luisenthal kann nicht länger warten. Der Stadtteil kippt uns sonst weg", drängte Oberbürgermeister Lorig gestern beim Ortstermin. Kurz zuvor hatte er in einem Brief an Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unterstrichen, es müssten "umgehend Zukunftssignale für die Entwicklung der Tagesanlage gegeben" werden. Die RAG MI kennzeichnete gestern den Abriss der Lkw-Werkstatt als "ersten Schritt zur Vorbereitung der Folgenutzung des Geländes". Eine konkrete Planung fürs weitere Vorgehen liegt laut Krumm noch nicht vor. Der RAG MI-Vertreter schloss gestern auch den Abriss denkmalgeschützter Bauten nicht aus.

Stefan Rabel, Vorsitzender der Völklinger CDU-Stadtratsfraktion, meinte gestern, Abrisse, die vor denkmalgeschützen Gebäuden hoffentlich Halt machten, dürften nur der Anfang eines längst fälligen Neubeginns sein. Dies sei das Unternehmen nicht nur der Stadt, sondern vor allem auch dem Stadtteil schuldig.

Erik Kuhn, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, forderte derweil Lorig auf, "endlich in Fürstenhausen zu handeln". Seit drei Jahren warte dort der Sportverein darauf, dass Fußballplatz und Clubheim erneuert würden. Die Entschädigung der RAG sei längst bei der Stadt eingegangen. Fast eine Million Euro stünden für Sportplatz und Umfeld zur Verfügung. Ebenso müsse die Belebung der Dorfmitte angegangen werden. Kuhn: "Wir fordern die Landesregierung auf, dass Gelder, welche die RAG jedes Jahr überweist, endlich nach Fürstenhausen, aber auch in den Premium-Standort Luisenthal fließen." Lorig meinte gestern: "Ich habe keine konkreten Signale vom Land."



Zum Thema:

RückschauErneuerbare Energien statt Kohle: Diesem Ansatz folgte das Konzept für Luisenthal, das die RAG im Juli 2010 vorstellte. Danach sollte dort ein Energiepark mit Windkraft, Geothermie, Photovoltaik und Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Auch mit Blick auf diese Pläne wurde Luisenthal im Gutachten über die saarländischen Bergbau-Standorte als "Premium"-Standort eingestuft. Laut einer Machbarkeitsstudie, die die RAG im Oktober vorstellte, ist aber allenfalls noch Photovoltaik im südlichen Bereich der Halde denkbar. Im Juni will die RAG nun einen neuen Entwurf zur Folgenutzung vorlegen. Insgesamt geht es in Luisenthal um rund 13 Hektar Fläche auf der Tagesanlage und weitere 50 Hektar auf der Halde. Die Kohleförderung der Grube Warndt-Luisenthal war im Juni 2005 eingestellt worden. dd/er

Die Saarberg-Lkw-Werkstatt 1976. Foto: RAG-Archiv Saar
Die Saarberg-Lkw-Werkstatt 1976. Foto: RAG-Archiv Saar FOTO: RAG-Archiv Saar
Seit langem leer: die Werkstatt gestern Mittag. Foto: Becker & Bredel
Seit langem leer: die Werkstatt gestern Mittag. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Beim ersten Abrissbagger-Einsatz am Dienstag fiel zunächst eine seitlich angebaute Garage. Foto: Becker & Bredel
Beim ersten Abrissbagger-Einsatz am Dienstag fiel zunächst eine seitlich angebaute Garage. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel